Fundraisinig für Bremer Orgel Schräge Töne aus den Orgelpfeifen

Die Bremer St.-Jakobi-Gemeinde startet eine Spendensammlung für die Renovierung der 1952 erbauten Orgel mit 1522 Pfeifen. Als Spendentopf dient eine umfunktionierte Orgelpfeife.
08.08.2018, 18:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Margot Müller

Buntentor. Seit nunmehr 56 Jahren begleitet die große Orgel in der evangelischen St.-Jakobi-Kirche am Kirchweg/Ecke Kornstraße die Gottesdienste und Feierlichkeiten. Sie ist in einem technisch guten Zustand, aber in letzter Zeit gibt sie manchmal „schräge Töne“ von sich und bereitet Probleme. Außerdem haben sich Risse im Holzgehäuse gebildet, vor allem im sogenannten Mittelturm.

Über kurz oder lang könnte das Gehäuse sogar auseinanderbrechen, befürchtet Steffen Pusch. So seien nun dringend Reparaturarbeiten erforderlich. Der Kantor nennt die Orgel liebevoll „Emma“. Es ist ein Andenken an die engagierte Organistin Emma Volkmann, die während der „Nazi-Zeit“ in der St.-Jakobi-Kirche auf der Orgelbank saß.

Das imposante Musikinstrument mit insgesamt 1522 Orgelpfeifen – von zwei
Zentimeter klein bis rund drei Meter groß – wurde 1962 von der renommierten Firma Führer gebaut. Einige Bauteile stammen schon von 1921 und wurden von den Vorgängerorgeln integriert. Nach Angaben der Kirchengemeinde wird der Wert auf rund 300 000 Euro geschätzt. Für den weiteren Erhalt der wertvollen Orgel will sie nun eine fachgerechte Renovierung in Auftrag geben.

„Dazu muss das gesamte Instrument auseinandergebaut und zerlegt werden“, erklärt Kirchenvorsteher Uwe Harms. Zudem sei eine gründliche Reinigung aller Einzelteile notwendig, denn seit der letzten Orgelrenovierung vor 44 Jahren habe sich mittlerweile wohl eine Menge Staub abgesetzt. Inklusive Ausbesserung des Holzgehäuses und Montage neuer Pfeifen schätzen die
Orgelbauer einen Aufwand von über 500 Stunden während eines Zeitraums von rund fünf bis sechs Wochen. Dazu gehört schließlich auch das aufwendige Intonieren und Stimmen der Orgel. Die Gesamtkosten dürften insgesamt etwa 35 000 Euro betragen. „Das lohnt sich aber, denn unsere Orgel wird uns danach noch Jahrzehnte mit Klängen in höchster Qualität erfreuen“, meint Kantor und Organist Steffen Pusch zuversichtlich.

Um das Geld für die Restaurierung aufzubringen, hat der Kirchenvorstand eine „Fundraising“-Aktion gestartet. Alle Haushalte der Gemeindemitglieder haben inzwischen einen Brief erhalten, in dem um Spenden für die „Orgel in Nöten“ geworben wird. So hofft man, das Projekt zur Restaurierung gemeinsam stemmen zu können. Dabei baut das Team um Doerte und Uwe Harms auf die positiven Erfahrungen zur Erneuerung der Kirchturmuhr. Damals kamen innerhalb von drei Jahren mehr als 5000 Euro zusammen. „Wir sind für jede Spende wirklich dankbar, auch kleine Beträge helfen“, sagt Uwe Harms und rechnet vor, dass die Reparatur pro Orgelpfeife im Durchschnitt „nur“ 23 Euro kostet. Also wird ab sofort bei jedem Gottesdienst und allen kirchlichen Veranstaltungen der Spendentopf aufgestellt. Ganz originell wurde dazu unter anderem auch eine große Orgelpfeife präpariert, die gut als Spardose funktioniert. Weiterhin soll demnächst ein öffentlicher Drehorgel-Spaziergang rund um den Werdersee veranstaltet werden, um von musikinteressierten Stadtteilbewohnern für die St.-Jakobi-Orgel klingende Münzen einzusammeln und alle in die Kirche einzuladen. Für ein Sponsoring sollen zusätzlich auch noch Firmen, Gewerbetreibende und Geschäfte in der Neustadt angesprochen werden, so Harms.

Das aktuelle St.-Jakobi-Gemeindeblatt informiert darüber, dass inzwischen bereits eine Spenden-Summe von rund 7000 Euro erreicht ist. Um weitere Spender zu motivieren, sind verschiedene Aktionen geplant, zum Beispiel eine Verlosung von kleinen und großen Geschenken, die Gestaltung eines Orgel-Wunschkonzertes sowie das Aufstellen einer Spendentafel mit allen Namen der Förderer. „Für die Zeit nach der Reparatur wollen wir ein tolles Eröffnungskonzert mit besonderen Gästen geben“, verspricht Steffen Pusch.

Wer für die Restaurierung der Orgel in der St.-Jakobi-Kirche spenden möchte, kann sich an Doerte Harms im Büro der Kirchengemeinde, Kirchweg 57, unter Telefonnummer 55 08 28 oder per E-Mail an st-jakob@kirche-bremen.de wenden. Die Spender erhalten eine Zuwendungsbescheinigung für die Steuererklärung.

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