Oberschule Hermannsburg Schüler protestieren im Rathaus

Das Nashorn symbolisiert an der Huchtinger Oberschule Hermannsburg Solidarität von behinderten und nicht-behinderten Schülern. Mit Nashorn-Postkarten bitten sie den Bürgermeister nun um Hilfe.
16.04.2018, 12:58
Lesedauer: 3 Min
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Schüler protestieren im Rathaus
Von Karin Mörtel

Neustadt. Ihr Geduldsfaden ist gerissen: Weil es nicht vorwärtsgeht mit dem längst überfälligen Neubau an der Oberschule Hermannsburg in Huchting, wollen nun Schüler und Eltern wöchentlich beim Bürgermeister persönlich vorsprechen, um sich für ihre Bildungseinrichtung einzusetzen. Sie nennen es ihren "Nashorn-Donnerstag", doch Carsten Sieling (SPD) haben sie vergangene Woche nicht persönlich angetroffen. Lediglich seine persönliche Referentin, Katharina Wolter, nahm die Protest-Karten mit Nashorn-Motiv entgegen, auf denen zahlreiche Jungen und Mädchen ihre Wünsche und Forderungen an den Bürgermeister richten.

Das Motiv hat eine hohe Symbolkraft in Bremen: Fünf Jahre lang wehrte sich die sogenannte "Nashornklasse" an der Huchtinger Oberschule Hermannsburg Mitte der 1990er-Jahre erfolgreich gegen die Aussortierung ihrer behinderten Mitschüler. Das erregte bundesweit Aufmerksamkeit und war die Geburtsstunde für den heutigen inklusiven Unterricht. Seither steht das Nashorn an der Schule auch symbolisch für Solidarität, Durchhaltevermögen und gelungene Inklusion.

"Ich wünsche mir, dass eine neue Sporthalle gebaut wird", ist auf den selbstgestalteten Karten zu lesen. Oder auch: "Ich wünsche mir, dass das Gebäude schneller gebaut wird." Seit Mai 2013 sind Schulturnhalle, Mensa, Fachräume und Büros der Verwaltung nicht nutzbar, weil das Haupthaus – wie berichtet – wegen Einsturzgefahr zunächst gesperrt und schließlich abgerissen wurde. Für Planung und Bauzeit hatte Immobilien Bremen zunächst vier Jahre veranschlagt. Den versprochenen Neubau gibt es jedoch bis heute nicht, obwohl die Finanzierung in Höhe von über elf Millionen Euro bereits steht. "Der Schulablauf ist ohne den Neubau stark beeinträchtigt", kritisierte Elternsprecherin Petra Wessel im Rathaus.

Die Schulgemeinschaft müsse ihren Alltag zum Teil in Mobilbauten bewältigen, in denen deutlich weniger Platz zur Verfügung steht als in einem festen Gebäude. Für den Turnunterricht müssten die Schüler außerdem mindestens 25 Minuten zu einer Sporthalle des Turn- und Sportvereins Huchting laufen. Es gebe bewegungseingeschränkte Schüler, die auch mit Begleitung diese Strecke nicht schaffen würden und daher seit Jahren keinen Sportunterricht besuchen könnten, so die Elternvertreterin. "Das ist das Gegenteil von Inklusion", bekräftigte Wessel auf Nachfrage. Laut Bildungsbehörde ist die Fertigstellung des Neubaus im Frühjahr 2020 angestrebt. Doch auch dieser Zeitplan ist mehr als fraglich, da der Bauantrag noch nicht – wie ursprünglich vorgesehen – Ende Februar eingereicht worden ist. "Die Prüfung und Vorbereitung des Bauantrags hat länger gedauert als angenommen, daher können wir ihn erst Mitte April einreichen", erklärt der Sprecher von Immobilien Bremen (IB), Peter Schulz, auf Nachfrage. Er versichert zudem, dass IB bemüht sei, "den Zeitverlust wieder auszugleichen." In der Bildungsbehörde reagiert man indes überrascht auf die unerwartete Terminverschiebung. Sprecherin Annette Kemp teilt mit: "Wir hoffen, dass es zu keinen weiteren zeitlichen Verzögerungen kommt."

Dass es aber selbst bei Eröffnung im Frühjahr 2020 insgesamt sieben Jahre von der Sperrung des Gebäudes bis zur Fertigstellung des Neubaus gedauert haben wird, erklärt Schulz mit den gesamtstädtischen Herausforderungen der letzten Jahre. "Wir mussten innerhalb kürzester Zeit ausreichend Unterkünfte für Geflüchtete sowie 27 Kitas in Mobilbauten einrichten", so Schulz. In dieser Zeit seien "mit allgemeiner Billigung andere Projekte hintenan gestellt worden, die wir jetzt Stück für Stück abarbeiten."

Wolter versprach den Schülern im Rathaus, Sieling werde sie nach den Osterferien persönlich anhören. Elternvertreterin Petra Wessel betonte gegenüber der Referentin: "Wir sind hier im Rathaus, weil wir genug Zeit des Redens mit Bildungsbehörde und Immobilien Bremen verbracht haben. Nun müssen Taten folgen."

Als weiteres Präsent überreichte die Elternvertreterin zudem eine Packung "Leibnizplätzchen" an Wolter. In der Hoffnung, dass die Hermannsburg-Schüler auch langfristig weiterhin in der gymnasialen Oberstufe der Oberschule Leibnizplatz einen Platz sicher haben. "Unsere Zusage steht, dass die Zuordnung sich erst zum Schuljahr 2020/2021 hin zum Alexander-von-Humboldt-Gymnasium ändert", heißt es dazu aus der Bildungsbehörde.

Die Schüler sind indes überzeugt davon, dass ihr Protest beim Bürgermeister an der richtigen Stelle ist. "Das kann so nicht weitergehen: Wir haben keinen Kiosk, keine Sporthalle und eine winzige Mensa – die Schule ist einfach unvollständig, und da muss sich endlich etwas tun." Und beim Hinausgehen kündigt Petra Wessel an: "Wir kommen wieder!"

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