Jugendliche aus der Neustadt bestimmen ihren Beirat für zwei Jahre Schuldirektor wirbt für Wahl

Die Jugendlichen aus der Neustadt haben einen neuen Beirat gewählt. 16 Kandidaten haben sich um das Amt beworben.
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Von Jörg Teichfischer

Die Jugendlichen aus der Neustadt haben einen neuen Beirat gewählt. 16 Kandidaten haben sich um das Amt beworben, von denen 14 für die kommenden zwei Jahre unter anderem über die Vergabe von 10000 Euro entscheiden können.

An mehreren Tagen konnten die Jugendlichen aus der Neustadt in Schulen und im Ortsamt in geheimer Wahl ihre Stimme an den Kandidaten geben, der die Interessen der Jugendlichen des Stadtteils im Jugendbeirat vertreten soll. Viele wählten den Bewerber, den sie persönlich kennen. Die Schülerin Jelena Nienstedt aus einer 13. Klasse zum Beispiel hatte vor zwei Jahren noch kein Interesse an der Jugendbeiratswahl. Ein Mitschüler hat für die Abstimmung Werbung gemacht, und da sie den Kandidaten schon lange als engagierten Klassenkameraden kennt, hat sie ihn gewählt. „Bei ihm ist garantiert, dass auch was passiert“, so die 18-Jährige, die sich mehr kostenlose soziale Angebote an den Nachmittagen wünscht und hofft, dass der Jugendbeirat dabei helfen kann.

Ihre Freundin Zoé Rugen hat ebenfalls ihre Stimme einem Kandidaten gegeben, den sie persönlich kennt und weiß, dass er sich einsetzen wird. „Für Bildung, Bücher und Nachhilfe müsste mehr Geld investiert werden“, forderte die 19-jährige Schülerin. Mit dem Jugendbeirat bekämen diese Themen mehr Beachtung, so ihre Hoffnung.

Musa Konstantinov ist erst vor drei Monaten aus Bulgarien nach Deutschland gekommen und kennt keinen, der sich zur Wahl gestellt hat. Wen er gewählt hat, verriet er nicht. „Das ist Wahlgeheimnis“, sagte der 19-jährige Neubürger. Er hatte den Aufruf zur Teilnahme an der Wahl in seinem Briefkasten gefunden. Insgesamt wurden 2794 Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren mit Wohnsitz in der Neustadt angeschrieben. Die Wahlbeteiligung war ganz unterschiedlich. Während in der Schule am Leibnizplatz zeitweise ganze Klassenverbände Schlange standen, um ihre Stimmen abzugeben, musste im Schulzentrum Delmestraße Direktor Wolfram Grams durch die Klassen laufen, um den Jugendlichen die Wahl schmackhaft zu machen. Die meisten seiner Schüler kommen gar nicht aus der Neustadt und sind daher nicht wahlberechtigt. Trotzdem hätte er sich mehr Engagement gewünscht. „Die lokalste Lokalpolitik wird nicht als wichtig betrachtet“, resümierte Grams.

Bei der ersten Jugendbeiratswahl vor zwei Jahren betrug die Wahlbeteiligung 15 Prozent. Dabei gibt es viel zu entscheiden. Ob es eine neue Lichtanlage für einen Fußballplatz, freies Grillen am Werdersee oder freie Flächen zum Besprühen gibt, kann der Jugendbeirat mitentscheiden und hat für seine stadtteilbezogenen Projekte 10000 Euro zur Verfügung. Das Geld kommt vom Beirat. Dessen stellvertretender Sprecher Jens Oppermann, der zusammen mit sechs weiteren Erwachsenen aus Senatskanzlei, Beirat, Ortsamt Neustadt und Freizeitheim Buntentor die Stimmen am Freitag ausgezählt hat, versprach, das Gremium auch in Zukunft zu unterstützen. „Zwei Beiratsmitglieder kümmern sich quasi als Scharnier zwischen Jugendbeirat und Beirat um die Belange, und das läuft gut“, so der Sozialdemokrat, der den Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit den zur Verfügung gestellten Finanzmitteln bescheinigte.

So wie er beglückwünschte auch Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon die Gewählten. „Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen, genauere Zahlen werden später bekannt gegeben“, kündigte sie nach der Auszählung an. „Alle Gewählten werden jetzt angeschrieben und gefragt, ob sie das Amt annehmen“, erläuterte Ortsamts-Mitarbeiterin Jessica Jagusch, die sich besonders um die Wahl gekümmert hat, das weitere Verfahren. Wie mit Stimmengleichstand umgegangen werden soll, wird später entschieden. Nach den Herbstferien wird das neue Gremium erstmals in neuer Besetzung zusammenkommen.

Marlena Lohse, die bereits dem alten Jugendbeirat angehörte, hat klare Vorstellungen: „Ich will den Neuen Hilfestellung geben.“ Auch Philipp Dirschauer ist seit zwei Jahren dabei. „Wir haben dieses Mal viel Werbung gemacht. Unser Ziel war eine hohe Wahlbeteiligung und nicht die Konkurrenz der Kandidaten untereinander.“ Lukas Cavier gehörte ebenfalls dem ersten Jugendbeirat an und nahm an der Auszählung als Beobachter teil. „Ich habe schon im Vorfeld viele Rückmeldungen erhalten, dass ich von einigen gewählt wurde“, begründet er bereits vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses seine Ahnung, dem neuen Parlament wieder anzugehören.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Bei den Mädchen erhielten Alina Schulz 138, Maria Arnkens 56, Tassia Piastowski 56, Bercem Gulan 38, Marlena Lohse 31, Saberi Kaussar 25, und Saskia von Tungeln 21 Stimmen. Bei den Jungen vereinten Philipp Dirschauer 123, Said-Samil Elibol 63, Kjell Verwold 57, Marco Wiesjahn 45, Lukas Cavier 39, Elvis Zumberi 13, Benjamin Ludewig elf, Toni Lührsen elf und Adrian Presse fünf Stimmen auf sich.

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