Schwankhalle zeigt Premieren online Theater im Wohnzimmer

Gefundene Schallplatten gaben Autor Jan van Hasselt Rätsel auf. Aus der Recherche wurde ein Theaterstück, das die Schwankhalle live ins Internet streamt. Die zweite Premiere ist das Tanzstück „Speeddating #1“.
18.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Helke Diers

Die Schwankhalle steht für Experimentieren mit Formaten, moderner Kunst, neuen Wegen. In der Schwankhalle werden Geschichten erzählt. Zwei Vorstellungen neuer Stücke sind im Januar online zu sehen.

Um die Geschichte gefundener Schallplatten geht es im „dokumentarischen Theater“, wie der Autor und Filmemacher Jan van Hasselt sein Stück „Die eisigen Monde von Wilhelmsburg“ beschreibt. Sein Bruder findet in Hamburg-Wilhelmsburg alte Schallplatten. In einem Birkenwald haben sich Jugendliche einen Ort für Technopartys erschaffen. Daneben eine Baustelle für eine Umgehungsstraße, eine illegale Müllkippe entsteht. „Das ist eine ziemlich bizarre Landschaft aus alten Lkw-Trailern“, erzählt Van Hasselt über den Ort, an dem seine Spurensuche begann.

Sein Bruder spaziert zwischen den mit Autoreifen, Fahrgeschäften und Toiletten gefüllten Lastwagen und nimmt einen hingeworfenen Stapel mit. Die Tonträger schenkt er Van Hasselt, dem Plattensammler. Der erkennt: Es handelt sich um Direktschnitte, solche Platten, die es nur einmal gibet. Sie sind entweder Vorlagen für spätere Vervielfältigungen oder Dokumentationen verschiedenster Töne auf einem physisch halbwegs stabilen Datenträger. „Solche Platten zu finden ist natürlich immer spannend. Was ist da drauf? Wie alt sind die eigentlich?“ erzählt Van Hasselt über die unbeschrifteten Scheiben. Die Detektivgeschichte beginnt.

Der Autor lädt die Zuschauer ein, seine Recherche zu begleiten. Bilder von der Hamburger Müllkippe, einem Museum in Frankfurt und historische Aufnahmen sollen eingespielt werden. Dazu erzählt Van Hasselt in der Livesendung über seine Suche. Er hat eine Idee, was die Töne auf den Platten sein könnten. Aber beweisen kann er das nicht. „Es ist spekulativ und alles ziemlich unglaublich und verrückt.“ Seit rund zwei Jahren rekonstruiert er den Weg der Tonträger. „Die Spurensuche führt uns in eigenartige Sphären unseres Landes, aber auch in den Weltraum.“ Der Abend ist seine vierte Produktion für die Schwankhalle.

Tänzer auf der Suche

Ebenfalls auf eine Suche begeben sich die zwei Tänzer Tomas Bünger und sein Gast Sergey Zhukov. Bünger gehört dem Tanz-Kollektiv-Bremen an, das seit dieser Spielzeit enger mit der Schwankhalle verbunden ist und sich als Plattform für zeitgenössischen Tanz versteht.

Das ursprüngliche fürs Theater geplante Stück „Speeddating #1“ konnte ins digitale Format gerettet werden, erklärt Janna Schmidt von der Schwankhalle. In einer kürzeren Performance wollen die Tänzer zeigen, was sich in einer Woche der künstlerischen Begegnung entwickelt hat. „Wir wollten sehen: Was gibt es noch, außer sechs Wochen zu proben und dann eine Vorstellung zu zeigen?“, sagt Bünger. Die Tänzer gehen weg von der durchchoreographierten Vorstellung, hin zu mehr Spontanität. „Work in progress“, sagt Bünger. „Wir versuchen eine Art Realität ins Leben zu rufen in einem Raum, wo das Publikum nicht mehr da ist. Es wird auch eine Reflexion über die momentane Zeit sein.“

Wie durch ein Fenster sollen die Zuschauer in den Tanzsaal hineinschauen können – den Ort des einwöchigen Zusammenwirkens der beiden Künstler. „Ist das inszeniert oder echt? Damit wollen wir ein bisschen spielen“, beschreibt Bünger seine Vision für den Abend.

Weitere Informationen

Das Stück „Die eisigen Monde von Wilhelmsburg“ hat am Freitag, 29. Januar, um 20 Uhr Premiere. Der Link zum Livestream wird etwa 30 Minuten vor Beginn online auf www.schwankhalle.de veröffentlicht. „Speeddating #1“ vom Tanz-Kollektiv-Bremen ist am Sonntag, 24. Januar, ab 17 Uhr via Zoom-Videokonferenz zu sehen. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Schwankhalle.

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