Sonderausstellung in der Glasmanufaktur

Seit 25 Jahren Kunstwerke aus Glas

Die Glasmanufaktur von Irene Borgart am Buntentorsteinweg besteht seit 25 Jahren. Aus diesem Grund zeigt sie in einer Sonderausstellung Werke von Künstlern aus ganz Deutschland.
11.12.2019, 17:17
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Von Jörn Hildebrandt

Einfache Glasgefäße wie Becher oder Blumenvasen sind meist zum praktischen Gebrauch im Alltag bestimmt, doch wenn auch Bonbons oder Blüten aus Glas gefertigt sind, entsteht daraus figürliche Kunst. Wabenartige Gitter oder Stücke aus massivem Glas zeigen, dass das durchsichtige Material auch für abstrakte Kunst gut ist. „Die Trennung zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt gibt es für mich nicht“, sagt Glaskünstlerin Irene Borgardt, „denn durch meine künstlerische Arbeit verleihe ich dem Gebrauchsgegenstand immer auch eine ästhetische Ebene und versuche auf der anderen Seite, Glaskunst ins praktische Leben zu heben, etwa mit meinen Schmuckentwürfen für Ringe, Ketten oder Ohrringe.“

Eine Sonderausstellung in der Glasmanufaktur von Irene Borgardt zeigt, wie Dinge für den Gebrauch und Kunst, die keinen praktischen Nutzen hat, ineinander übergehen. Gezeigt wird zum Beispiel eine Vase, die schräg auf zwei dünnen Beinchen liegt und fein wie ein Röhrchen ist, sodass sie nur vergleichsweise dünne Zweige aufnehmen kann. 25 Künstler, von der Insel Sylt bis zum Bayerischen Wald, stellen in der Glasmanufaktur anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums die Werke aus. Das sind vielfach unverkäufliche Leihgaben, nur zum Bestaunen. Sie zeigen, wie man mit unterschiedlichen Techniken zum Beispiel Stücke herstellen kann, die sich zu Landschaften zusammensetzen, wie beim „Haubarg“ von Hermann Ritterswürden: Haus, Hügel und Wiesen hat der Glaskünstler mit größeren farbigen Glasstücke an feinen Drähten übereinander montiert.

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Wird Glas flach im Ofen ausgebreitet und sind farbige Stücke darin eingelegt, lassen sich sogar Porträts von Menschen daraus gestalten. Filigrane, bunte Vögel, wie Kakadu, Eisvogel oder Blaumeise, von Anja Fölsche aus Lauscha sind an Fäden aufgehängt und zeigen, wie fein man mit Glas arbeiten kann, um zum Beispiel das Gefieder der Vögel nachzubilden. Mit großem Aufwand sind auch die Montagebecher von Jürgen Kirbach aus Worpswede hergestellt, bei denen ringförmige Glasstücke in verschiedenen Farben übereinander gesetzt wurden, so dass sich ein geschichteter Becher ergibt. Kirbach arbeitet auch mit der Fadentechnik, bei der er Fäden in verschiedenen Farben auf das Glas zieht.

Quarzsand der wichtigste Rohstoff

Die besondere Technik von Hanne Veit aus Cuxhaven besteht darin, quaderförmige Glasstücke in Blau, Rot oder Gelb zusammenzulegen, im Ofen miteinander zu verbacken und das Schmelzprodukt später fein zu schleifen. Doch auch die Glasoberfläche bearbeitet sie nach der Aushärtung weiter, indem sie zum Beispiel Blumenmotive hinein schleift. Der wichtigste Rohstoff für das Schmelzen von Glas ist Quarzsand. Doch da der Sand erst bei Temperaturen von etwa 2000 Grad Celsius schmilzt, werden ihm Flussmittel zugefügt, die auch über die Eigenschaften der Gläser bestimmen, wie zum Beispiel dessen Härte.

In der Sonderausstellung sind Glaskunstwerke aus weichem sowie hartem Glas zu sehen. Glas, das schon von den alten Ägyptern hergestellt wurde, erlebte im Laufe der Jahrhunderte eine immer reichere und feinere Gestaltung, bis zur Produktion hochwertiger Spezialgläser, die in der Regel mundgeblasen waren. Besonders Murano in Venedig wurde für seine Glaskunst berühmt. In den Räumen der Glasmanufaktur im Buntentorsteinweg hat Irene Borgardt auch ihre eigene Werkstatt, in der sie die Ausgangsstoffe mit Propan oder Erdgas zum Schmelzen bringt.

Vom Abstraktem und Gegenständlichem

Auch die Wände in der Glasmanufaktur zeigen Kunst: Ulrike Müller aus Lünen in Westfalen präsentiert Acrylbilder von figürlich bis abstrakt. „Ich habe vor acht Jahren angefangen, ungegenständlich zu malen. Das war während eines Urlaubs auf Fuerteventura. Es war so heiß, dass man es nur im Schatten aushalten konnte. Ich griff zu Pinsel und Farben, und seitdem hat mich die Malerei nicht mehr losgelassen“, sagt Ulrike Müller.

„Doch später bin ich zur figürlichen Kunst, wie Blütenmotiven, Clowns oder Chamäleons übergegangen. Ich wechsle aber immer wieder zum Abstrakten, wobei es mich reizt, Strukturen in das Bild zu bringen“, sagt die Malerin. So zeigen ihre weißen Mohnblüten ein feines Relief, und wenn ein roter Halbmond auf einer Figur schwebt, die aussieht wie ein Stück Stacheldraht, oder Elefanten bunte Ohren tragen, wird die Trennung zwischen Abstraktem und Gegenständlichem aufgehoben, wie auch die vielen Glasarbeiten die Grenzen zwischen Gebrauchs- und reiner Kunst verwischen lassen.

Weitere Informationen

Die Sonderausstellung in der Glasmanufaktur Irene Borgardt, Buntentorsteinweg 252, ist noch bis 24. Dezember, zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag und Mittwoch, 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen sind unter www.glasmanufaktur.de abrufbar. Werke von Irene Borgardt werden auch in der Böttcherstraße 8 gezeigt, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonnabend, 12 bis 18 Uhr, oder nach Vereinbarung. Borgardt gibt auch Kurse von etwa zwei Stunden Dauer, bei denen jeder sich ein eigenes Stück Glas fertigen kann. Weitere Informationen unter Telefon 5 57 97 07 oder 89 77 96 86 sowie unter mail@glasmanufaktur.de.

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