Campingmobil Marke Eigenbau

Neustädter bauen Handwerkerauto zum Campingbus um

Wohnmobile sind teuer. Ein Paar aus der Neustadt scheute die hohen Kosten und griff selbst zu Säge und Akkuschrauber. Jetzt wird aus einem ehemaligen Handwerkerfahrzeug ein Campingvan.
24.05.2020, 23:59
Lesedauer: 4 Min
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Von Helke Diers
Neustädter bauen Handwerkerauto zum Campingbus um

Philipp Meins und Nicole Friesen schrauben derzeit in fast jeder freien Minute an ihrem Wohnmobil. Große Teile des Innenausbaus sind zwar bereits fertig, aber es gibt immer noch genug zu tun.

Roland Scheitz

„Man muss sich nur trauen, Fehler zu machen“, findet Nicole Friesen. Getraut haben sie sich. Und Fehler gemacht haben sie auch. Nicole Friesen und Philipp Meins wohnen in der Neustadt und bauen ihren eigenen Campervan. Aus einem gebrauchten Handwerkerauto wird ein Wohnmobil im Miniformat. Wie das geht, bringen sie sich selbst bei. Das berichten die beiden an einem verregneten Vormittag auf der Straße an ihrem Auto.

„Ich habe auf Youtube gesehen, wie Leute sich einen Van ausgebaut haben“, erzählt die 21-jährige Nicole Friesen von der ersten vagen Idee. Die Maschinenbau-Studentin lebt seit drei Jahren in Bremen. Ihr Freund Philipp Meins ist gerade fertig mit seinem Geowissenschaftsstudium und hat schon Erfahrung mit einem Roadtrip in Australien. „Das hat mich stark begeistert“, sagt er. „Da haben wir aber im Zelt geschlafen.“ Zwei gemeinsame Zelturlaube haben die beiden im letzten Jahr gemacht, dann fiel die Entscheidung für den Camper. Seit Sommer haben sie gespart, im Dezember mit der Autosuche begonnen. Zehn Autos fuhren sie Probe und kauften im März den Ford Transit. Es wurde teurer, als sie zu Anfang gehofft hatten.

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Den ursprünglich leeren Wagen haben die beiden Neustädter mit hellem Holz ausgekleidet. Ein 140 Zentimeter breites Bett ist montiert, ein Gasherd, Wasserversorgung, Kühlschrank, Schränke. Unter dem Bett sind Schwerlastschienen mit herausziehbaren Kisten. Auseinandergebaut finden dort auch ihre Fahrräder Platz. Auf dem Dach eine Solaranlage, die Strom für die Batterie liefert.

„Wir haben drei Fenster eingebaut“, sagt Philipp Meins und zeigt das integrierte Rollo im Dachfenster. „Irgendwann soll vielleicht eine Standheizung kommen“, wünscht sich Nicole Friesen. Dafür wollen sie erstmal sparen. Durch den Umbau konnten sie ihr Auto als Wohnmobil zulassen und Versicherungskosten reduzieren, erzählen sie. Die Mindestvoraussetzungen für eine Wohnmobilzulassung finden sich auf der Website des TÜV Nord: dazu gehören Tisch, Schlafgelegenheit und Kocher.

„Finanziell kann man das hinbekommen“

Das Material für den Umbau haben sich die beiden Neustädter teils im Baumarkt besorgt, teils über Internetshops bezogen. Einige Teile der Einrichtung wurden auch recycelt: Die Schubladenschienen aus der elterlichen Küche und das Lattenrost, der alte Boden des Autos wurde zur Ablagefläche. „Finanziell kann man das hinbekommen“, sagt Nicole Friesen. Es gebe auch viel gebraucht.

Woher sie das können? „Wir können das gar nicht“, sagt der 23-jährige Philipp Meins, und beide lachen. Sie hätten viele Videos geschaut und viele Tipps gelesen, wie der Ausbau geplant und umgesetzt werden könne. „Schlimmstenfalls ist es halt beim ersten Mal schief oder es sieht nicht perfekt aus“, sagt Nicole Friesen. Dann müsse man es ein zweites Mal machen oder sich zufrieden geben. Damit machen die beiden Hobbyhandwerker gute Erfahrungen: „Einfach machen. Einfach trauen“, so formuliert es der 23-jährige Philipp Meins.

Die Aufgabenverteilung funktioniert nach dem Lustprinzip. „Oder wo gerade Platz ist“, fügt Nicole Friesen grinsend mit Blick auf das nur wenige Quadratmeter große Auto hinzu. Als Tipp für andere Ausbaufreudige wollen sie weitergeben: lieber einmal öfter aus- und nachmessen. Sonst säge man schnell mal ein Stück Holz zu kurz.

Seit April sind sie fast täglich mit dem Ausbau des an der Straße geparkten Fords beschäftigt. Wenn die beiden in blauen Latzhosen sägen und schrauben, bekommt das auch die Nachbarschaft mit. Zwischendurch grüßen vorbeigehende Anwohner. „Man wird bekannt wie ein bunter Hund, weil so viele Nachbarn vorbei laufen“, sagt Philipp Meins und lacht. Er hatte viel frei in den letzten Wochen. Bei Nicole Friesen wechselten sich Studium und Ausbau ab.

Mit Freude dabei

Die meiste Zeit sind die beiden jungen Bremer mit Freude dabei. „Es gibt zwischendurch mal Momente, wo etwas nicht klappt und man denkt ,das nervt gerade‘“ erzählt Philipp Meins von frustrierenden Stunden. Aber es gebe keinen Morgen, wo er keine Lust aufs Handwerken habe.

Tipps bekommen sie von Freunden und Eltern, handwerklich haben sie alles allein gemacht. Mit Beginn der Corona-Pandemie war die Sorge da, nicht am Auto arbeiten zu dürfen. „Wir hatten echt Angst, dass wir nicht raus dürfen“, beschreibt Nicole Friesen die ersten unsicheren Tage.

Der erste Ausflug mit Bett führte im Mai an den Dümmer. Bis Anfang August soll der Ausbau ganz fertig sein: Nicole Friesen will ein Auslandssemester in Spanien machen. Ob das klappt, weiß sie noch nicht. „Wenn wir dürfen, wollen wir fahren“, sagt Philipp Meins. Dann wollen sie vier Wochen lang durch Frankreich und schließlich nach Spanien fahren. „Wenn das nichts wird, dann fahren wir einmal um Deutschland rum“, sagt er. „Und besuchen Freunde, wenn man wieder darf“, fügt seine Freundin hinzu.

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Das Besondere am Camperurlaub ist für die beiden die Flexibilität. „Es ist ein bisschen mehr Freiheit“, findet er. Und fügt lachend hinzu: „Und ein bisschen mehr Komfort. Es ist ja schon fast spießig, was wir hier machen.“ Zelten gehen wollen sie trotz des neuen Mobils. „Es hat beides seinen Charme“, sagt Philipp Meins. Das Fahrrad im Alltag soll aus ökologischen Gründen nicht ersetzt werden. Irgendwann hoffen die beiden, könnte es einmal nach Russland gehen. Abseits der großen Städte. Dort kommen nämlich Nicole Friesens Eltern her. „Rumfahren und ein bisschen mehr von Russland kennenlernen“, wünscht sie sich. Aber das ist eine Idee für die ferne Zukunft.

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