60 Kinder besuchen Kids? College der Hochschule Bremen / "Eis selbst gemacht" erweist sich als Renner Sinnlich, spannend, spaßorientiert

Neustadt. Auftakt einer ungewöhnlichen Lehrveranstaltung. Professor Gerd Klöck stellt sich und seine Absicht vor. "Ich bilde junge Forscher aus. Heute seid ihr dran." Kommentar der Zuhörer: "Cool!" Und es soll noch cooler kommen. Denn an diesem Nachmittag geht es um "Geschmack erleben. Eis selbst gemacht". Mit diesem und weiteren Angeboten hat die Hochschule Bremen nun ein neuerliches Kids? College veranstaltet. 60 Jungen und Mädchen zwischen acht und elf Jahren fragten, forschten und probierten.
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Von Mario Assmann

Neustadt. Auftakt einer ungewöhnlichen Lehrveranstaltung. Professor Gerd Klöck stellt sich und seine Absicht vor. "Ich bilde junge Forscher aus. Heute seid ihr dran." Kommentar der Zuhörer: "Cool!" Und es soll noch cooler kommen. Denn an diesem Nachmittag geht es um "Geschmack erleben. Eis selbst gemacht". Mit diesem und weiteren Angeboten hat die Hochschule Bremen nun ein neuerliches Kids? College veranstaltet. 60 Jungen und Mädchen zwischen acht und elf Jahren fragten, forschten und probierten.

So wollte Kilian wissen, was ein Automotor mit der Luft macht, warum das Fischstäbchen ausstirbt. "Gut" habe es ihm gefallen, sagte der Achtjährige, als er seine gesiegelte und vom Konrektor für Lehre unterschriebene Teilnahmeurkunde in den Händen hielt. Kilians Vater war ebenfalls angetan. "Das ist eine Möglichkeit, Kinder spielerisch und ohne Leistungsdruck an die Wissenschaft heranzuführen." Ungestört von den Eltern, nur in deren virtuellem Beisein. Was die Söhne und Töchter erlebten, konnten die Väter und Mütter via Webcam verfolgen. "Die Kinder sollen autonom agieren und sich als lernmächtig erleben, das Lernen selbst bestimmen", meinte Mitorganisator Dieter Brinkmann zum Hintergrund.

Gelegenheit zum selbstständigen Entdecken boten unter anderem die Programmpunkte "Strom aus Wasserkraft", "Freizeitwissenschaft - Reise zum Wissensschatz" und "Ich bin Ich und Du bist Du", das individuelle Fähigkeiten und Besonderheiten herausstellte. "Eis selbst gemacht" war laut Dieter Brinkmann "ein Renner": Trotz der Minusgrade seien viele Anmeldungen eingegangen. Letzteres galt auch für "Schiffe in Betrieb. Der Schiffsführungssimulator", doch musste dies aus organisatorischen Gründen ausfallen.

Studentische Hilfskräfte wie die angehende Freizeitwissenschaftlerin Lisa Benezan geleiteten die Kinder zu den Lehrveranstaltungen. "Eine Art Reiseleitung", sagte Brinkmann, als sich Benezans Gruppe von fünf Jungen und drei Mädchen zum Bioverfahrenstechniker und "Eismann" Klöck aufmachte. Kaum angekommen, ging es auch schon ans Praktische. Langatmige Erklärungen: Fehlanzeige. Stattdessen begaben sich Gerd Klöck und seine assistierende Ehefrau Ulrike Bender-Klöck zügig in die Küche, um Eiswürfel und Salz auszugeben. Die kleinen Forscher folgten diszipliniert, konzentriert.

"Die Kinder nehmen das sehr ernst", meinte Dieter Brinkmann, Dozent im Internationalen Studiengang Freizeitwissenschaft, "in diesem Alter sind sie noch sehr sensibel für solche Themen und Fragen." In der Schule könne es vielleicht zu spät sein, sie für Wissenschaft zu begeistern. Um ihr Ziel zu erreichen, setzt die Hochschule Bremen auf "sinnliche Erfahrung, exemplarisches Erleben und kindgerechte, spaßorientierte Vermittlung", wie es in ihrer "Analyse didaktischer Konzepte zur Gewinnung Studierender von morgen" heißt. Demnach ist nicht der reine Wissenszuwachs das Ziel, sondern der Abbau von Hemmungen gegenüber der Institution Hochschule.

Eis am Ende

Vergnügen und sinnliche Erfahrung waren bei der Eis-Herstellung und -Verkostung inklusive. "Lecker, aber - hah - kalt", lautete ein Urteil der jungen Kursteilnehmer. Zuvor war mit einfachsten Mitteln (siehe Anhang) ein Spannungsbogen erzeugt worden, hatte eine Belohnung in Form von Eis den Abschluss gebildet. "Mir selbst hat es auch Spaß gemacht", sagte Klöck, der sich an der Hochschule mit der "technischen Durchführung von biologischen Stoffwandlungen" beschäftigt. 2011 sei er gern wieder dabei, wenn im Spätherbst oder Winter eine Neuauflage des Kids? College stattfindet. Die Chancen stehen gut, dass Kilian dann in Begleitung seines Bruders ein Teilnahmezertifikat erhält: Der sechsjährige Jonas ist in diesem Jahr auf den Geschmack gekommen.

Seit 2006 lädt die Hochschule alljährlich zum Kids? College. Der Freitag vor dem öffentlichen Termin ist seit 2009 als Veranstaltung für Schulen aus sozialen Brennpunkten konzipiert. Davon unabhängig dürfte um Ostern wieder ein einwöchiges "Kinder-Ferienlabor", ein wissenschaftsorientiertes Ferienprogramm, stattfinden, so Brinkmann.

Eis-Rezept nach Gerd Klöck: Eine große Plastiktüte mit sieben Kellen Eiswürfel und einem Becher Salz befüllen. Fruchtmilch, zum Beispiel laktosefreie Milch mit Vanille und Bio-Lebensmittelfarbe sowie einen Löffel Zucker in eine kleine Tüte geben, diese gut verschließen. Die kleine Tüte in die große packen, ebenfalls verschließen und 15 Minuten schütteln; die Hände mit einem Handtuch oder Handschuhen vor der Kälte schützen. Öffnen und - schlemmen.

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