266 Wohnungen entstehen „Weser-Höfe“ sollen Ende 2022 fertig sein

Statt abgeriegelter Gewerbefläche mit viel Asphalt entsteht bis zum Jahr 2022 ein neues Wohnquartier an der kleinen Weser. Das bekommt viel Grün und einen neuen Weg für alle Bremerinnen und Bremer.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Weser-Höfe“ sollen Ende 2022 fertig sein
Von Karin Mörtel

Aus ihren Innenstadtbüros im Rathaus und drumherum ist es für die geladenen Ehrengäste der Stadt nur ein kurzer Sommerspaziergang über die Bürgermeister-Smidt-Brücke gewesen bis zum Spatenstich an der Baugrube. Besser hätten die Bauherren von Justus Grosse wohl kaum beweisen können, dass ihr Projekt „Weser-Höfe“ hinter dem Jacobs Tower an der kleinen Weser mitten im Herzen von Bremen entsteht.

„Ich hätte gern in größerer Runde gefeiert, aber ich bin zuversichtlich, dass wir zum Richtfest wieder eine große Party schmeißen können“, bedauerte der geschäftsführende Gesellschafter von Justus Grosse, Joachim Linnemann, dass er wegen der Corona-Krise nur weniger Menschen zum Spatenstich einladen konnte, als er offenbar gerne gewollt hätte.

Immerhin haben sowohl Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) als auch Bürgermeisterin Maike Schaefer (Grüne) beim symbolischen Sandschaufeln mitgemacht. „Das ehrt uns sehr und zeigt, welche Bedeutung das Bauprojekt für die Gesamtstadt hat“, sagte Linnemann.

Bis Ende 2022 baut Justus Grosse 266 Wohnungen an dieser Stelle zwischen Deich und Lucie-Flechtmann-Platz. 80 davon werden öffentlich gefördert und auch für Menschen mit wenig Geld zu mieten sein. Den Rest vermarktet die Firma als Eigentumswohnungen, „und 60 Prozent davon sind schon vergeben“, verkündete Linnemann.

Ihn verwundere das nicht. „In Innenstadtlage am Wasser ist Wohnen sehr gefragt.“ Das Projekt trage damit zu einer Belebung des Zentrums bei, die in diesen Tagen ja mehr als zuvor dringend gewollt sei. Die in einem Werkstattverfahren prämierte städtebauliche Konzeption des Architekturbüros Léonwolhage sieht begrünte Häuser vor, die einen privaten und einen halb-öffentlichen Innenhof formen.

Doch die Bremer Projektentwickler haben 2017 nicht allein das Grundstück von seinem Vorbesitzer Mondelez an Land gezogen. Gemeinsam mit Christian Jacobs, der ebenfalls unter den Gästen war, über die Hanseatische Projektentwicklung (HPE) sei das eine gelungene, „partnerschaftliche Aktion“ gewesen, so Linnemann. Die HPE kümmert sich seither um die Gewerbegebäude mit Jacobs Tower an der Langemarckstraße, in deren Rücken wiederum Justus Grosse nun großflächig Wohnungen baut.

Die Bauarbeiter hatten vor Wochen schon damit begonnen, eine stattliche Grube auszuheben und die Fundamente für die ersten Häuser einzubringen. Im Stadtteil wurde zwar auch an dieser Stelle darüber diskutiert, ob die Parkplätze wohl ausreichen werden oder ob nicht zu hoch und zu dicht an dieser Stelle gebaut werde. Insgesamt überwiegt aber das Wohlwollen, dass wieder Leben an dieser Stelle einkehren wird.

„Die Bremerinnen und Bremer bekommen hier an einer strategischen Stelle als Eingang zur Innenstadt ein Stück Stadt zurück, das ihnen lange verschlossen war“, sagte Bürgermeisterin und Bausenatorin Maike Schaefer zu der Entwicklung, die auf dem bisherigen Gewerbegrundstück nun kommt. Von einer abgeriegelten Fläche mit reichlich Asphalt hin zu einem offen gestalteten Wohnquartier, das künftig alle Menschen parallel zur Langemarckstraße durchqueren können.

Dieses Recht für die Allgemeinheit war besonders dem Neustädter Beirat wichtig gewesen. Und er hat es ebenso bekommen wie mehr Grün entlang dieses Weges, obwohl er offiziell Feuerwehrzufahrt ist. „Das hat unseren Spielraum eingeengt, aber die Grüninseln wurden noch mal vergrößert“, sagt Cora Baumann, Projektleiterin bei Justus Grosse.

Die Grünplanung ist etwas, das auch Schaefer positiv hervorgehoben hat. „Das bringt mehr Biodiversität an diesen Ort, das brauchen wir in der Stadt“, so Schaefer. Grüne Dächer und bepflanzte Privatgärten, die zwischen der bereits bestehenden Wohnbebauung an der Häschenstraße und den neuen Häusern angelegt werden und der begrünte öffentliche Weg gehören ebenfalls zu dem Konzept dazu. Für Letzteren haben sich die Freiraumplaner etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Der Weg mit seinen grünen Inseln soll den Weserlauf mit seinen Flussinseln nachempfinden“, sagt Baumann. Für die Investoren sei das Ziel für das Areal: „Idealerweise ist es aus der Vogelperspektive komplett grün.“

Vom Deich bis zur Grünenstraße werden die Arbeiter sich nun vorarbeiten und sechs Mehrfamilienhäuser hochziehen, die abgestuft unterschiedlich viele Geschosse haben werden. Die 80 öffentlich geförderten Wohnungen werden in den zwei Häusern direkt an der Grünenstraße untergebracht. Hierfür ist die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba zuständig. In diesen Gebäuden steht am Ende auch ein Blockheizkraftwerk, das mit seiner Energie die kompletten „Weser-Höfe“ versorgen kann.

Außerdem wird es eine Tiefgarage für 89 Autos geben, allerdings soll die künftige Bewohnerschaft durch Carsharing- und Bike-
sharing-Angebote ermuntert werden, möglichst ohne Auto einzuziehen oder unnötige Fahrten zu vermeiden. Außerdem ist im Bebauungsplan vorgesehen, dass die alte Hochgarage, die heute noch 282 Stellplätze bietet, perspektivisch auch abgerissen oder umgenutzt werden kann. Falls die Menschen in Zukunft weniger Autos besitzen als heute.

„Wohnraum in attraktiver Lage, architektonisch und ökologisch ansprechend gestaltet mit bezahlbarem Wohnraum noch dazu – das Projekt erfüllt wirklich alle Kriterien“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte.

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