Bremer Bürgerinitiative „Platanen am Deich“

Streit um Platanen am Neustädter Deich geht in die nächste Runde

Für die Umsetzung des Hochwasserschutzes will das Umweltressort 136 Bäume am Deich fällen lassen. Eine Bürgerinitiative stellte dem Senator am Donnerstag Alternativen vor.
18.01.2019, 12:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Kim Torster
Streit um Platanen am Neustädter Deich geht in die nächste Runde

Die Platanen sind Brutstätten für Fledermäuse, bieten heimischen Insekten aber keinen Lebensraum.

Christina Kuhaupt

Neustadt. Der Streit um die Platanen am Neustädter Deich ist noch lange nicht vorbei. Insgesamt 136 Bäume sollen für die Errichtung einer Spundwand zum Schutz vor Hochwasser gefällt werden. Seit 2016 kämpft die Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ für den Erhalt der bis zu 90 Jahre alten Bäume auf der Strecke zwischen Beck's-Brauerei und Rotes Kreuz Krankenhaus. Am Donnerstagabend kamen Bausenator Joachim Lohse (Grüne), Fraktionsvorsitzende Maike Schäfer (Grüne) sowie zwei Sprecher der Initiative und etwa 140 Gäste zu einer Diskussionsveranstaltung in der Schwankhalle zusammen. „Platanen am Deich“ hatte dazu eingeladen.

Der Bau von Spundwänden steht außer Frage

Zwei Stunden lang diskutierten die beiden Parteien unter Einbezug der Zuschauer vor allem über die die Eigenschaften der Platanen und die Frage: Überleben die Bäume einen so massiven Eingriff in ihren Lebensraum? Denn, dass die Spundwände gebaut werden müssen, steht außer Frage.

„Platanen am Deich“ geht davon aus, dass die Bäume neben Spundwänden existieren können – wenn man zwischen Wand und Baum etwas mehr Platz lassen würde, sodass Wurzeln weniger stark beschädigt werden würden. Sie bezieht sich hier auf Aussagen eines Gutachters. Lohse wiederum zweifelt dieses Ergebnis an. Aus Erfahrung wisse er, dass Bäume derartige Veränderungen des Bodens und die Belastung durch Baumaschinen nicht lange überleben würden, wie er sagte. Der Gutachter habe zudem keine vergleichbare Situation für sein Gutachten heranziehen könnnen.

Bürgerinitiative möchte Schutzwände versetzen, Lohse bezweifelt, dass Bäume dadurch gerettet werden können

Für die Initiative seien zwei Alternativen denkbar: So schlug „Platanen am Deich“ unter anderem vor, die Wände straßenseitig zu setzen. Dann stünden sie, von der Straße aus betrachtet, vor den Bäumen. Bei Überschwemmungen des Deichs würden dann aber auch die Platanen unterspült werden. Lohse befürchtet, dass die Bäume sich in einer solchen Situation nicht mehr im Boden halten und die tiefen Wurzeln große Krater in den Deich reißen könnten. Dann könnte es auch passieren, dass die entwurzelten Platanen in die Weser fallen und diese dann blockieren.

Ein anderer Vorschlag der Bürgerinitiative sieht wiederum vor, die Spundwände direkt ans Wasser zu bauen. Auch das funktioniere aber laut Lohse nicht, weil die Baumaschinen dort keine Zufahrt hätten – auch, weil die Bäume zu dicht stünden. Die Wände könnten also gar nicht erst errichtet werden. Zudem, sagte Lohse, würden die Spundwände wiederum Einfluss auf die Fließgeschwindigkeit der Weser nehmen.

Ressort plant 500 neue Bäume

Erst im November hatte die Initiative eine Unterschriftensammlung für die Zulassung eines Volksbegehrens gestartet. Ihr Ziel ist die erneute Ausschreibung des Hochwasserschutzprojekts, die auch den Erhalt der Platanen beinhaltet. Die Bürgerinitiative hatte unter anderem kritisiert, dass die vergangene Ausschreibung von Anfang an vorgab, dass die Bäume gefällt werden sollten. Lohse argumentierte, dass Hochwasscherschutz-Experten dies als die sicherste Variante angegeben hatten. Der Hochwasserschutz stehe in diesem Fall über dem Erhalt der Bäume, sagte Lohse. Auch, wenn er das sehr bedauere.

Das Ressort sieht derzeit vor, als Ersatz für die 136 Platanen, 500 neue, heimische Bäume zu pflanzen. Schäfer betonte, dass die Platanen für hiesige Insekten keinen Lebensraum böten. Heimische Bäume zu pflanzen, sei deshalb keine schlechte Alternative.

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