Vier Einrichtungen im Süden profitieren

Mehr Geld für Jugendarbeit

Die lautstarken Forderungen nach mehr Geld für die Jugendarbeit in der Stadt haben Wirkung gezeigt: Erstmals bekommen Einrichtungen, die von Kindern aus mehreren Stadtteilen besucht werden, mehr Unterstützung.
30.07.2020, 10:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Mehr Geld für Jugendarbeit

Bis Mitte August müssen die Kinder und Jugendlichen noch warten bis sie das neue Zelt nutzen dürfen, um ihre Zirkuskünste zu trainieren. Die Finanzierung ist nun geklärt.

Roland Scheitz

Wie es aussieht, wenn Menschen über das ganze Gesicht strahlen, kann man sich momentan vor dem neuen Zelt der Circusschule Jokes in Huckelriede ansehen. Der Grund: Eben ist die Nachricht bei Zirkusdirektor Dietmar Hatesuer und der Vereinsvorständin für Finanzen, Claudia Kayser, angekommen, dass sie von der Stadt etwa 43 000 Euro für den Betrieb des Zeltes im restlichen Jahr bekommen. „Wir hätten nie damit gerechnet und sind wahnsinnig froh darüber“, sagt Kayser.

Die Befürchtung des Vereins sei gewesen, „maximal die Hälfte zu bekommen, aber damit wäre hier gute offene Jugendarbeit kaum möglich gewesen“, so die Vorständin. Neun Jahre hat es gedauert, um ihre Vision zu verwirklichen, mit Kindern und Jugendlichen im eigenen Zelt an einem festen Ort trainieren zu dürfen. „Jetzt kann es tatsächlich endlich losgehen, das ist unglaublich schön“, sagt Kayser. Dietmar Hatesuer will nach der Baustellen-Endabnahme des Zeltes Mitte August „dann ruckzuck mit den Trainingsgruppen loslegen.“

Das Geld für Personal und Betrieb des Zirkuszeltes stammt aus dem neu eingerichteten Fördertopf der Sozialbehörde, aus dem Einrichtungen und Initiativen unterstützt werden sollen, die über Stadtteilgrenzen hinweg offene Jugendarbeit leisten. Sport- und Bewegungsangebote stehen dabei im Fokus, weil sie wie bei Jokes besonders viele junge Menschen aus verschiedenen Teilen der Stadt anziehen. Aber auch andere offene Angebote mit Strahlkraft über den Heimatstadtteil hinaus konnten sich bewerben.

Daraufhin hat der Jugendhilfeausschuss der Bremischen Bürgerschaft kürzlich erstmals Fördermittel aus dem neuen Budget für überregionale Angebote der offenen Jugendarbeit sowie für überregionale Bewegungs- und Sportangebote für das restliche Jahr bewilligt. Wie im Hauptteil berichtet, werden mit über 300 000 Euro damit in 2020 insgesamt 19 Angebote gefördert, die den Vergabekriterien entsprechen.

Im Bremer Süden haben neben der Circusschule Jokes noch drei weitere Einrichtungen Geld aus dem stadtteilübergreifenden Fördertopf erhalten.

Die Stadtteilfarm Huchting wird mit 3770 Euro unterstützt. Und in Obervieland konnten gleich zwei zentrale Angebote mit ihren Anträgen überzeugen: Zum einen der Funpark der Arbeiterwohlfahrt, der die pädagogische Arbeit mit jüngeren Kindern ausbauen will. Knapp 28 000 Euro sind dafür bewilligt. Die Kinder- und Jugendfarm Habenhausen wird mit etwa 25 600 Euro gefördert. Dort war es zuletzt sogar zu einem Streik von Farmmitarbeitern und -besuchern gekommen, weil sich die finanzielle Notlage stark zugespitzt hatte.

Leer ausgegangen ist offenbar hingegen das Jugendfreizeitheim Buntentor, das einen Antrag über gut 20 000 Euro eingereicht hatte. „Auch diese Einrichtung macht eine gute Jugendarbeit. Hier sollte der Jugendhilfeausschuss des Stadtparlaments seine Entscheidung noch einmal überdenken und Finanzmittel aus dem sogenannten Restmittel-Topf freigeben“, sagt dazu die Sprecherin der Linkspartei in der Neustadt, Andrea Spangenberg.

„Nach Einschätzung des Jugendhilfeausschusses hat es sich bei dem Antrag um kein überregionales Angebot, sondern um ein reines Angebot für die Neustadt gehandelt. Daher fiel der Antrag heraus“, erklärt Bernd Schneider aus der Sozialbehörde.

Zu den Förderkriterien zähle ganz klar der Anspruch, dass mindestens zwischen drei Stadtteilen Kooperationen bestehen müssten und das Angebot auch klar auf Kinder aus anderen Stadtteilen ausgerichtet sei. Antragsteller, die abgelehnt worden seien oder Abstriche in der Fördersumme hinnehmen mussten, könnten sich jedoch noch mit überarbeiteten Angeboten um Restmittel bewerben, heißt es vom Jugendhilfeausschuss.

Die Circusschule Jokes wird diesen Weg nicht beschreiten müssen, sondern kann nun von Geldsorgen befreit nach vorne blicken. „Wichtig ist uns, dass die Kinder und Jugendlichen immer mitmachen und mitbestimmen, bei allem, was auf diesem neuen Platz geschieht“, sagt Claudia Kayser. Ob es die helfende Hand beim Anmalen der Zirkuswagen ist oder gemeinsame Überlegungen, welches Programm in Zukunft angeboten werden soll. In diesen Tagen läuft noch das Ferienprogramm, das wegen der Corona-Pandemie allerdings ganz anders abläuft als sonst. „Normalerweise hätten wir hier ein offenes Angebot, bei dem 25 bis 30 Kinder herumwuseln würden“, sagt Kayser. Nun dürfen es pro fester Gruppe nur bis zu sechs Kinder gleichzeitig sein, die vor dem Zelt Zirkuskünste einstudieren. Sie laufen Stelzen, balancieren auf Kugeln, jonglieren, üben Rückwärts-Salto und werfen ihre bunten Diabolos in die Luft.

Eine zweite Gruppe baut auf dem Gelände einen Lehmofen, in dem später einmal gebacken werden kann. Eine Küche für gemeinsame Mahlzeiten wird ebenfalls demnächst aufgebaut. Die Circusschule wird auch weiterhin mit Gruppen in Turnhallen trainieren, aber schon bald soll die offene Jugendarbeit dann auch im Zelt starten. „Außerdem sind wir froh, dass wir auch als Ort der Kultur wahrgenommen werden und Aufführungen der Kultur-Aktion ,Sommer Summarum‘ bei uns stattfinden“, sagt Hatesuer.

Der Platz vor dem Zelt ist bereits heute ein Treffpunkt für Jugendliche geworden, zu dem sie auch zum Hausaufgaben machen oder anderen Gelegenheiten kommen. „Das ist schön zu sehen, wie das schon vor der Eröffnung des Zeltes angenommen wird“, findet Kayser. Aus ihrer Sicht sollen das Zelt und der Platz zu einem sicheren Raum zum Wohlfühlen für Kinder und Jugendliche werden. „Für Kinder aus Familien mit und ohne viel Geld und egal, woher sie kommen, denn der Bedarf ist dafür riesig, das sehen wir jeden Tag.“

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