Bremer sollen Tonaufnahmen einsenden

Wenn Nasengeräusche zum Konzert werden

Für das Projekt „Smell It! – Geruch in der Kunst“ ruft das Kek-Kindermuseum dazu auf, nasale Geräusche aufzunehmen und die Tonaufnahmen für ein Exponat einzureichen.
11.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Weßel
Wenn Nasengeräusche zum Konzert werden

Was derart farblos daherkommt, könnte doch vielleicht nach etwas riechen? Das fragte sich wohl dieser Besucher einer früheren Kek-Ausstellung. Der Geruchssinn wird nun zum Mittelpunkt bei „Smell it! – Geruch in der Kunst“.

Claudia Hoppens

Kunst kann faszinieren, überraschen oder Ablehnung hervorrufen. Wahrgenommen wird sie meist über die Augen und die Ohren – ein Sinnesorgan wird oftmals vernachlässigt, meint Silke Rosenthal vom Kek-Kindermuseum: die Nase. „Das ist sehr schade“, findet Rosenthal, die für das Mitmachmuseum das institutionenübergreifende Projekt „Smell It! – Geruch in der Kunst“ betreut.

An zwei Exponaten des Kindermuseums sollen Bremerinnen und Bremer mitwirken können. „Wir planen ein Nasenkonzert der besonderen Art“, sagt Rosenthal und ruft unter anderem zur Einsendung von Geräuschaufnahmen auf.

Schnarchen und schniefen sind mehr als Symptome

„Wir denken dabei an Nasengeräusche von Menschen und Tieren wie die schnarchende Oma, der schniefende Bruder, die nasenputzende Freundin oder den trompetenden Elefanten im Zoo.“ Aus den eingesandten Tönen soll ein „Nasenkonzert“ entstehen. „Der Soundkünstler Riccardo Castagnola und der Bildende Künstler Harm Wicke, beide aus Bremen, entwickeln den Nasenbaum“, erklärt Rosenthal das Konzept. „Unsere Besucher und Besucherinnen sollen in den Nasenlöchern des Baumes verschiedene Nasengeräusche aktivieren und damit spielen können.“ Damit der von Wicke konstruierte Baum nicht stumm bleibt, braucht Castagnola Rohmaterial, mit dem er arbeiten kann.

Die Qualität der Aufnahmen spiele eine untergeordnete Rolle, das Geräusch könne auch nur im Hintergrund zu hören sein. Der Sounddesigner werde alles aufbereiten, verspricht Rosenthal und meint: „Der Kreativität und Bandbreite sind kaum Grenzen gesetzt.“ Ausgestellt werden soll das interaktive Werk voraussichtlich von Mai bis Juli im Gerhard Marcks Haus, Am Wall 208.

Erinnerung an einen Duft

Eva Vonrüti Möller – ebenfalls vom Kindermuseum – kümmert sich um ein weiteres Exponat, das seinen Platz wahrscheinlich in der Kunsthalle finden soll. Auch hierfür kommt es auf die Bremer an: „Wir planen eine Station zum Thema Geruch und Erinnerung und suchen dafür persönliche Geschichten, die von allerersten Erinnerungen an Gerüche oder ganz besonderen Dufterlebnissen berichten. Wir interessieren uns für Gerüche, die glücklich machen oder auch unangenehm berühren.“

Zusammengefasst werden die eingesprochenen Geschichten von der Frankfurter Künstlerin Ivana Rausch in einer Hörstation. In einer Sitzecke sollen Ausstellungsbesucher den Geschichten lauschen können.

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Eingebettet sind diese und alle weiteren Exponate der Kek-Serie „Dufte – Nose On“ in das hausübergreifende Konzept „Smell It! – Geruch in der Kunst“. Acht Bremer Kunstinstitutionen haben sich für dieses „Duftfestival“ der Kunst zusammengetan und bereiten ein vielfältiges Programm an Ausstellungen, Aktionen und ein Symposium vor. Mit dabei sind neben dem Kek auch die Weserburg, das Zentrum für Künstlerpublikationen, die Kunsthalle Bremen, das Paula Modersohn-Becker Museum, die Städtische Galerie Bremen, das Gerhard-Marcks-Haus und der Kunstverein Bremerhaven.

Kunstausstellung ab Mai

Die Ausstellungen sollen voraussichtlich vom 8. Mai bis zum 11. Juli zu sehen sein, die Eröffnung ist für den 7. Mai geplant. Die Exponate des Kindermuseums sollen während dieser Zeit in den Räumlichkeiten anderer Häuser gezeigt werden. Etwa in der Kunsthalle, der Weserburg oder den Museen Böttcherstraße. „Wir machen auch das organisationsübergreifende Vermittlungsprogramm“, lässt Rosenthal wissen. Das sei schließlich einer der Hauptpfeiler des Kindermuseums.

Im Kek sollen die Hörstationen mit den eingesandten Nasengeräuschen und Geruchsgeschichten dann ab 7. November ausprobiert werden können. Das wird dufte, da sind sich die Organisatorinnen sicher.

Info

Zur Sache

Interaktiver Zugang zur Kunst – auch in Corona-Zeiten

Das Kek-Kindermuseum ist ein gemeinnütziger Verein, der sich auf die Fahne geschrieben hat, Kindern und Jugendlichen Kunst und Kultur nahezubringen. Etwa durch interaktive Ausstellungen in den Räumen der Weserburg. Den größten Anteil der Besucher dort machen Kindergärten und Schulkassen aus. Initiatorinnen sind die Kunstpädagogin Silke Rosenthal und die Kunsthistorikerin Eva Vonrüti Moeller. Während des Corona-Lockdowns bleiben Museen geschlossen und Aktivitäten der Kunstvermittlung sind eingeschränkt – aber das Kek hat sich angepasst: „Wenn die Kinder nicht wie gewohnt zu uns kommen können, dann kommen halt wir“, erklärt Rosenthal die Möglichkeit, Exponate ausleihen zu können.

Weitere Informationen

Das Kek-Kindermuseum bittet Bremerinnen und Bremer um Einsendung der Tonaufnahmen – gewünscht sind Nasalgeräusche und erzählte Erinnerungen zum Thema Geruch – per E-Mail an die nase@kek-kindermuseum.de. Weitere Informationen zum Kindermuseum, dem Gemeinschaftsprojekt und dem Angebot der Ausleihe von einzelnen Exponaten des Kek finden sich online auf der Website www.kek-kindermuseum.de.

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