Bauprojekt in der Alten Bremer Neustadt

Weser Höfe stehen kurz vor dem Start

Mit dem Projekt Weser Höfe will Justus Grosse in der Alten Neustadt starten. Der Bebauungsplan offenbart ehrgeizige Pläne.
29.03.2020, 22:13
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Von Karin Mörtel
Weser Höfe stehen kurz vor dem Start

Wenn alles fertig ist, fügen sich die neuen Häuser mit ihren Gründächern von oben betrachtet wie ein grünes Puzzleteil in die Alte Neustadt ein.

Visualisierung: Justus Grosse Projektentwicklung GmbH

Dass nach dem Bau mehrerer Häuser auf einer Fläche mehr Grün zu sehen ist als zuvor, ist selten. In Bremen wird aber genau das in der Alten Neustadt während der kommenden zweieinhalb Jahre zu beobachten sein. Denn auf dem ehemaligen Mondelez-Gelände, wo heute noch ein großer Parkplatz den Innenhof dominiert, dürfen bald Wohnungen gebaut werden, die von vielen Pflanzen umgeben sind.

So steht es im Bericht zum neuen Bebauungsplan, dem die Baudeputation am Freitag einstimmig zugestimmt hat. Wenn Senat und Bürgerschaft bald den B-Plan beschließen, können die Investoren Christian Jakobs sowie die Projektgesellschaft Justus Grosse alle Projekte anpacken, die in dem Papier festgelegt sind.

Auf dem ehemaligen Mondelez-Gelände an der kleinen Weser soll laut B-Plan schon bald zwischen Deich und Lucie-Flechtmann-Platz auf 1,7 Hektar ein neues Wohn- und Arbeitsquartier entstehen. Die Projektentwicklungsgesellschaft Justus Grosse plant, etwa 320 Eigentums- und Sozialwohnungen (Anteil 30 Prozent) in insgesamt sechs unterschiedlich hohen Häusern unter dem Namen „Weser Höfe“ im Innenhof der ehemaligen Gewerbefläche zu errichten. In den Erdgeschossen zur Grünenstraße hin wird es Platz für kleine Läden und Dienstleister geben.

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„Die Nachfrage nach innenstadtnahen Wohnungen an der Weser ist enorm“, sagt Simon Rott, der bei Justus Grosse das Projekt leitet. Einzelne Wohnungen seien bereits verkauft, so der Prokurist. Begrünte Dächer, Solarthermie und ein eigenes Blockheizkraftwerk, das alle Wohnungen mit Energie versorgen kann, zählen zum zukunftsweisenden Energiekonzept des kleinen Quartiers.

Tatsächlich ungewöhnlich erscheint, dass ausnahmslos alle Wohnungen – auch die öffentlich geförderten – entweder Terrassen, Balkone oder Loggien bekommen. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen einem und vier Zimmern und variieren zwischen 23 und 130 Quadratmetern. Ein Studentenwohnheim für die unterversorgte Neustadt ist aber nicht mehr geplant wie zunächst angedacht. „Aber wir würden uns sehr freuen, insbesondere durch die Nähe zur Hochschule, wenn Studierende in die öffentlich geförderten Wohnungen einziehen würden. Wir halten hierfür auch Einzimmerwohnungen vor“, sagt dazu Rott.

Ein privater und ein halb-öffentlicher Innenhof

Die in einem Werkstattverfahren prämierte städtebauliche Konzeption des Architekturbüros Léonwolhage sieht begrünte Häuser vor, die einen privaten und einen halb-öffentlichen Innenhof formen. Dass für Letzteren auf Wunsch des Neustädter Beirates ein öffentliches Wegerecht eingeräumt wurde, begrüßt Rott ausdrücklich. „Das war ganz in unserem Sinne, so war es auch schon in den ersten städtebaulichen Entwürfen geplant“, sagt der Projektleiter.

Sollte eines Tages der Stellplatzbedarf im Quartier sinken, ist ein außerdem ein Rückbau des Parkhauses angedacht, an dessen Stelle dann zwei weitere Wohnhäuser entstehen könnten. Ohnehin wird es eine große Tiefgarage im Quartier geben.

Der zweite Investor ist Christian Jacobs, der sich unterdessen über die Gesellschaft „Hanseatische Projektentwicklung“ um neues Leben in den Bestandsgebäuden an der Langemarckstraße wie den markanten Büroturm direkt an der Bürgermeister-Smidt-Brücke kümmern will. Es gibt bereits Überlegungen, einen Teil des Riegelbaus an der Langemarckstraße zu erneuern und ebenfalls mit einer Tiefgarage zu unterkellern. Spruchreif sind diese Pläne allerdings noch nicht, laut B-Plan wäre das aber durchaus möglich.

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Auch für den Fall, dass der Jakobs-Turm eines Tages erneuert werden sollte, ist bereits festgesetzt, wie ein neuer Turm aussehen soll. Er darf gut drei Meter höher sein als seine heutigen 41 Meter über Geländehöhe. Ein noch stärkerer Akzent im Stadtbild als es heute der Fall ist. Das sind aber trotzdem vier Meter weniger, als ursprünglich in den Entwürfen vorgesehen waren. Statt 13 sind maximal noch zwölf Geschosse des Büroturms erlaubt.

Offenbar hatte die Landesdenkmalpflege interveniert, weil ein zu hohes Gebäude die Sichtbeziehungen zu bestehenden Baudenkmälern der Umgebung störe. Daher heißt es nun im B-Plan zur Frage der Maximalhöhe eines neuen Turms: „Die Festsetzungen dienen der Rücksichtnahme auf das Denkmalensemble an der Schlachte sowie der unter Denkmalschutz stehenden Weserburg.“

Massive Bebauung dient als Lärmschutz

Auch der Gebäuderiegel an der Langemarckstraße muss im Zweifelsfall wieder mindestens auf eine Höhe von 15 Metern aufgebaut werden, sollte der aktuelle oder ein zukünftiger Eigentümer andere Visionen haben als das derzeitige Erscheinungsbild der Bürogebäude. Denn diese massive Bebauung diene als Lärmschutz für die künftige Bewohnerschaft der Weser Höfe.

„Das wird ein wahnsinnig attraktives Quartier und ich war positiv überrascht, wie schnell die Planung abgelaufen ist“, schwärmt Falk Wagner (SPD) vom B-Plan. Der Vorsitzende der Baudeputation freut sich zudem, „dass der Investor dort nun Gas geben will“. Denn mit Baubeginn hofft man bei Justus Grosse schon in zwei Monaten. „Die Bauanträge sind vorbereitet, wir hoffen nun, dass es bald losgehen kann“, sagt Projektleiter Simon Rott. Im Herbst 2022 sollen die Weser Höfe fertig sein.

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