Lucie-Flechtmann-Platzes in der Neustadt

Wintersause und Zukunftspläne für "Lucie"

Bremen-Neustadt. Damit der Lucie-Flechtmann-Platz in der kalten Jahreszeit nicht allzu trostlos wirkt, soll er nun geschmückt und mit Wintersausen bespielt werden.
15.12.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Wintersause und Zukunftspläne für "Lucie"

Auf dem Lucie-Flechtmann-Platz wird alles winterfest gemacht.

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Die Rosen sind mit Reisig abgedeckt, Tomatenpflanzen und Sommerblumen im Kompost gelandet. Nicht nur Kleingärtner haben ihre Beete winterfest gemacht, sondern auch die Stadtgärtner, die seit einem halben Jahr auf dem Lucie-Flechtmann-Platz aktiv sind. Damit „Lucie“ in der kalten Jahreszeit nicht allzu trostlos wirkt, soll der Platz nun geschmückt und mit Wintersausen bespielt werden. Für die Zukunft hofft die Initiative, dass sie weiterarbeiten darf.

Wie ein dicker Wintermantel liegt das Reisig über den Rosenbeeten. Das Laub ist vom Platz gefegt, und kleine Geschenke hängen als Dekoration in den Bäumen. „Wir haben Lucie winterfest gemacht, damit die Pflanzen den Frost gut überstehen“, sagt Eva Kirschenmann. „Lucie“ nennt die Mitgründerin des Vereins Kulturpflanzen den Lucie-Flechtmann-Platz an der Westerstraße in der Alten Neustadt. Seit einem halben Jahr kümmern sich Kirschenmann und ihre Mitstreiter aus der Nachbarschaft und weiteren Teilen Bremens darum, dass der trostlose Betonplatz sich in einen grünen Stadtgarten verwandelt.

„Wir haben das unter erschwerten Bedingungen durchgezogen, denn wir hatten keinen Wasser- und Stromanschluss auf dem Platz“, bilanziert Kirschenmann. Die Haupterschwernis sieht die Stadtgärtnerin in dem Umstand, dass die Pflastersteine bislang nicht entfernt werden durften. Die Anlage eines richtigen Gartens sei so nicht möglich. Die Pflanzen in den selbst gebauten Hochbeeten musste die Initiative über einen Hydranten am Straßenrand mit Wasser versorgen. „Und ohne das Seniorenheim am Platz, das uns mit Strom versorgt hat, hätte alles nicht geklappt“, so Kirschenmann. Das gleiche gelte auch für die Unterstützung der Bürgerstiftung Bremen, der Stiftung Spiellandschaftstadt sowie des Beirates und Ortsamtes.

Aktive Pause geplant

Was für manchen Außenstehenden nach ein bisschen kreativem Hobbygärtnern aussieht, hat es in sich: Während wöchentlicher Planungstreffen haben alle, die sich an dem Projekt beteiligen wollten, Ideen gesammelt, Veranstaltungen organisiert und über die Zukunft auf dem Platz nachgedacht. „Ich bin überwältigt und hätte nie gedacht, dass wir im ersten halben Jahr schon fast alle Wünsche, die bei unserer Auftaktveranstaltung im Juni genannt wurden, umsetzen würden“, meint Kirschenmann. Open-Air-Kino, ein Kindernachmittag, selbst gebaute Sitzbänke und eine Bühne aus Holz, ein Flohmarkt, Konzerte, eine Feuershow und vieles mehr hat auf dem Platz im Sommer stattgefunden. Das regelmäßige Gärtnern stand dabei immer im Mittelpunkt.

Für die Aktiven eine anstrengende, aber auch schöne Erfahrung. Die Mitglieder des Neustädter Sozialausschusses zeigten sich kürzlich beeindruckt von dem Engagement der Freiwilligen. „Wir können von diesen experimentierfreudigen Menschen noch ganz viel lernen, wie man neue Wege der Mitgestaltung beschreiten kann“, beurteilte Ausschusssprecher Rainer Müller (SPD) die Initiative. Der Platz werde durch die Aktivitäten der Stadtgärtner deutlich belebt. Im Gegenzug zeigte sich das Stadtteilparlament erneut bereit, mit Globalmitteln das Projekt zu unterstützen.

„Im Winter wollen wir uns jetzt erst erholen und nur noch etwa einmal im Monat den Platz bespielen“, berichtet die Anwohnerin von den Plänen für die kalte Jahreszeit. Der Auftakt dazu findet bereits am heutigen Sonntag statt. Von dem Geld des Beirates haben die Aktiven unter anderem Utensilien für einen Glühweinstand gekauft, an dem es am Nachmittag Bio-Heißgetränke und Kinderpunsch geben soll.

Wem das nicht heiß genug ist, der kann außerdem auch einen mobilen Saunawagen benutzen. Wenn es dunkel ist, findet dann eine Feuershow der Künstler von Cirque de Rongeur statt. Wer sich über die bisherige Arbeit der Initiative informieren möchte, kann währenddessen eine kleine Fotoausstellung im neuen Container auf dem Platz anschauen, der normalerweise als Lagerraum für die Gartenutensilien dient. Dazu gibt es Tanz und Musik. „Wir wollen damit auch im Winter daran erinnern, dass hier auf Lucie etwas geschieht und jeder mitmachen kann“, erklärt Kirschenmann.

Im nächsten Sommer wollen die Stadtgärtner dann neben weiteren Veranstaltungen so richtig loslegen: Größere Mengen an Obst und Gemüse wollen sie anpflanzen und ernten, ganz im Sinne der klimaschonenden Selbstversorgung. Damit die Nahrungsmittel optimal gedeihen, sind auch kostenlose Gärtnerkurse geplant.

Das Ziel bleibt ein fest etablierter Garten für jedermann, der mit Bühne, Sitzgelegenheiten und Spielplatz ein Treffpunkt aller Generationen wird. Die Unterstützung aus der Nachbarschaft, der Lokalpolitik und von Stadtteileinrichtungen macht den Aktiven jedenfalls Hoffnung. Kirschenmann: „Wir wollen nicht nur provisorisch vor Ort sein, sondern eine langfristige Perspektive, und wir sind guter Hoffnung, dass wir das erreichen können.“

Die erste „Wintersause“ mit Sauna (Handtücher bitte mitbringen), Punsch und Konzert findet heute ab 16.30 Uhr auf dem Lucie-Flechtmann-Platz statt. Die Feuershow beginnt um 17.30 Uhr, Spenden sind willkommen. Nähere Infos gibt es im Internet unter ab-geht-die-lucie.blogspot.de.

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