Ideen für ehemalige Manufaktur Wohnen auf Silberwarenfabrik-Gelände

Wo einst Silberschmiede Besteck gefertigt haben, können die Bremer künftig speisen und wohnen: Investoren planen eine Seniorenresidenz, Kita und Wohnungen auf dem Gelände von Koch & Bergfeld am Kirchweg.
29.06.2019, 06:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Nach Jahren des Stillstandes tut sich was auf dem weitgehend verlassenen Gelände der ehemaligen Koch & Bergfeld Silberwarenmanufaktur am Kirchweg: Investoren und städtische Stadtplaner haben kürzlich während einer Einwohnerversammlung erste Konzepte für das vier Hektar große Areal gezeigt. Diese seien aber noch keineswegs in Stein gemeißelt, betonten die Planer ausdrücklich.

Das große denkmalgeschützte Fabrikensemble bleibt demnach weitgehend erhalten und wird seitlich erweitert um einen Anbau, in den eine Kindertagesstätte einziehen soll. Westlich davon ist in den Skizzen eine lang gestreckte Seniorenresidenz zu sehen, die den künftig bewohnten Bereich gegenüber dem abschließenden Gewerbeteil in Nähe der Neuenlander Straße abgrenzt. Neben Servicewohnungen, ambulanter und stationärer Pflege könnte in dem Gebäude auch eine Wohngruppe für neurologisch erkrankte junge Menschen unterkommen, so die aktuellen Pläne.

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Der im späteren Gewerbeteil des Geländes bereits heute vorhandene Bio-Supermarkt soll bleiben und eventuell noch um einen Getränkemarkt ergänzt werden. Zwischen Fabrikgebäude und Kleingärten im Süden sowie auch östlich bis zum Kirchweg sind fünf Mehrfamilienhäuser vorgesehen, deren Wohnungen vermietet, aber in Teilen auch verkauft werden könnten. „Es wird auch geförderte Wohnungen geben“, versicherte Investor Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der in Bremen ansässigen Spechtgruppe, die sich auf Pflegeimmobilien spezialisiert hat.

Ebenfalls als Investor tritt auch die Bremer Projektentwicklungsgesellschaft Stefespro auf, die auch die Sanierung und Umnutzung des historischen Gebäudes der Bremer Bank am Domshof verantwortet.

Mischung aus Gastronomie und lebendiger Handwerksgeschichte

Um der markanten Fabrik neues Leben einzuhauchen, schwebt den Investoren eine ­Mischung aus Gastronomie und lebendiger Handwerksgeschichte des historischen Ortes vor. „Wir führen bereits konkrete Gespräche mit einem stadtbekannten Gastronom, der sich dort gut vorstellen kann, ein passendes Angebot für den Standort zu machen“, so Rolf Specht.

Die Idee sei, dort die Vergangenheit von Koch & Bergfeld in einem gastronomischen Kontext erlebbar zu machen. „Aber Erlebnisgastronomie bedeutet keineswegs, dort nächtliche Partys zu veranstalten, das würde dort nicht passen“, versicherte Stefespro-Geschäftsführer Thomas Stefes. Vorbild seien eher Konzepte wie das der Union-Brauerei in Walle.

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Das von den Investoren beauftragte Hamburger Planungsbüro Evers & Küssner hat im Ostflügel der Fabrik ein Gesundheits- und Fitnessangebot für das Quartier angedacht. „Das wird keine Muckibude sein, sondern sich an den Bedarfen der Senioren und anderen Bewohnern vor Ort orientieren“, erklärte deren zuständige Stadtplanerin Anna Vogt.

Umgang mit Altlasten und Lärm

Die Firma Koch & Bergfeld werde auch noch einen Teil des Hauptgebäudes als Repräsentanz nutzen können. „Eventuell in Form eines Manufakturenmarktes“, sagte Vogt. Eine Art Quartiersplatz solle zudem auf der Rückseite der Fabrikgebäude Seniorenresidenz, Kita und Wohnhäuser miteinander verbinden und die Menschen zusammenbringen.

Problempunkte, mit denen die Planer umgehen müssen, sind zunächst die auf dem Gelände vorhandenen Altlasten, die bereits an einzelnen Stellen im Boden und im Grundwasser nachgewiesen wurden. Deshalb müsse darauf geachtet werden, nicht zu tief mit den Gebäuden in die Erde zu gehen, so Vogt. Tiefgaragen seien daher nur bis zur Souterrain-Ebene möglich. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit, mit Bodensanierung oder wirksamen Abdeckungen des Bodens zu arbeiten.

Auch der Schallschutz wird Thema sein, denn das Gelände bekommt sowohl Lärm von Flugzeugen, der Neuenlander Straße und dem angrenzenden Gewerbe ab. „Auch damit finden wir einen guten Umgang“, zeigte sich Planerin Vogt zuversichtlich. Beim Thema Lärm sei der Riegelbau der Seniorenresidenz bereits ein guter städtebaulicher Schutz für die künftigen Wohngebäude, weitere Schutzmaßnahmen vor oder an den Häusern würden soweit nötig zusätzlich eingeplant.

Aus den Reihen der anwesenden Neustädter kamen zahlreiche Wünsche und Anregungen, worauf die Planer bei ihren kommenden, konkreteren Schritten besonderes Augenmerk legen sollten. So beispielsweise die Aufforderung, Rücksicht auf den historischen Baumbestand zu nehmen und Platz für nachhaltige Mobilität zu schaffen. Außerdem sei eine maßvolle Bebauung wichtig, die weder zu dicht noch zu hoch ist und auch gestalterisch mehr zu bieten habe als die derzeit übliche „Würfeloptik“ vieler Architekten. Zusätzlich wurde die Sorge geäußert, die Wohnungen könnten sehr teuer werden.

Mietpreise orientieren sich an den ortsüblichen Preisen der Neustadt

„Wir wissen, dass dort Mietpreise von 13 bis 14 Euro unpassend wären, wir werden uns an den ortsüblichen Preisen der Neustadt orientieren“, sagte Rolf Specht daraufhin zu. Gestalterisch solle die Bebauung „auf Bremen bezogen“ sein, so der Investor. „Wir haben die Planung der neuen Gebäude bereits am prägenden Baumbestand ausgerichtet, den wir so weit wie möglich erhalten wollen“, sagte zudem Stadtplanerin Vogt. Auch eine Car-Sharing-Station sei angedacht, war zusätzlich zu erfahren.

Insgesamt signalisierten die Investoren auch Offenheit gegenüber E-Mobilität und weiteren Aspekten der Nachhaltigkeit. Die Anregung aus dem Publikum, gänzlich autofrei und ohne Stellplätze zu planen, schließe jedoch zu viele potenzielle Bewohner aus, so die Auskunft.

Nach dieser frühzeitigen Beteiligung der Einwohner wird voraussichtlich erst im Herbst der Entwurf eines neuen Bebauungsplans für das derzeitige Gewerbegebiet fertig sein. Erst danach wird auch der Neustädter Beirat seine Stellungnahme zu dem Bauvorhaben abgeben. Mit Baubeginn rechnen die Investoren im kommenden Jahr – zumindest, was den Kitabau angeht. „Unser Ziel ist es, den Kindergarten vor Aufstellung des B-Plans genehmigen zu lassen“, erklärte dazu Anna Vogt.

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