Beirat fordert Prüfung

Neues Wohngebiet am Werdersee möglicherweise ohne Kita

Warum sieht die Bremer Bildungsbehörde keinen Bedarf an einer Kita im geplanten Wohngebiet für Familien auf dem Scharnhorst-Areal am Werdersee? Diese Frage beschäftigt Anwohner und den Neustädter Beirat.
10.09.2020, 05:00
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Von Karin Mörtel
Neues Wohngebiet am Werdersee möglicherweise ohne Kita

Gummistiefel können Kinder am Werdersee immer gut gebrauchen. Ob allerdings eine Kita im geplanten Wohngebiet der Gewoba neben der Scharnhorstkaserne benötigt wird – darüber gehen die Meinungen auseinander.

Rolf Vennenbernd

Bis zu 500 neue Bewohner könnten in den kommenden Jahren in dem von der Gewoba geplanten Wohngebiet auf dem Gelände neben der Scharnhorstkaserne am Werdersee einziehen. Eine Kindertagesstätte, wie die Stadtplaner sie dort eigentlich vorgesehen haben, wird eventuell aber trotz des beträchtlichen Zuzugs nicht gebaut.

„Seitens der Senatorin für Kinder und Bildung ist bisher kein Bedarf für die Errichtung einer Kita auf dem Scharnhorst-Areal angemeldet worden“, sagte Axel König aus der Baubehörde kürzlich während einer Sitzung des Neustädter Stadtteilparlaments.

Das sorgte sowohl unter den Besuchern als auch unter den Beiratsmitgliedern für Unverständnis. „Wir haben von den Gewoba-Vertretern gehört, dass sie besonders viele Wohnungen für große Familien und Alleinerziehende anbieten wollen – wo sollen die Eltern die vielen Kinder denn in die Kita bringen?“, fragte Anwohnerin Oda van Meding. Denn die derzeitigen Betreuungsangebote in Huckelriede seien bereits heute ausgelastet.

Der Quartiersmanager von Huckelriede, Marc Vobker, zeigte sich angesichts weiterer Neubauvorhaben im Ortsteil ebenfalls davon überzeugt, dass in Zukunft eine Betreuungseinrichtung auf dem Scharnhorst-Areal benötigt werde. „Es wäre misslich, erst nach dem Bau des Wohngebietes festzustellen, dass eine Kita fehlt – so wie es an anderer Stelle in Bremen schon passiert ist“, sagte Marc Vobker. Der Beirat forderte daher in seiner Stellungnahme zum B-Plan-Entwurf, dass der Bedarf an einer Kita nochmals gründlich geprüft werden solle.

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Aus der Bildungsbehörde ist zu erfahren, dass zwar generell die Nachfrage nach zusätzlichen Plätzen gesehen werde. Zunächst solle dieser Bedarf jedoch unter anderem mit einer neuen Kita in der Gartenstadt Werdersee gedeckt werden. Dort sind sechs neue Gruppen geplant. „Der voraussichtliche Betriebsbeginn ist der September 2021, vorbehaltlich der baulichen Fertigstellung und ausreichender Personalakquise“, heißt es dazu.

Prinzipiell werde die mittelfristige Bedarfsplanung unter anderem auf der Grundlage der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes erstellt, erklärt Behördensprecherin Annette Kemp. „Dort werden die geplanten Wohnbauentwicklungen in jedem Fall berücksichtigt.“

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„Genau jetzt ist das Zeitfenster offen, um eine Kita auf dem Scharnhorstgelände mit einzuplanen“, betonte indes Axel König aus der Stadtplanung während der Versammlung. Die Baubehörde werde daher nochmals gezielt in der Bildungsbehörde zu dem Thema nachfragen.

Martin Paßlack von der Gewoba verwies darauf, dass eine Kita ohne grünes Licht von der Bildungsbehörde nicht möglich sei. „Wenn das Ressort weiterhin keinen Bedarf anmeldet, können wir keine Kita bauen, weil dann die Kosten nicht abgedeckt sind.“ Wann das Wohngebiet fertig sein könnte, kann er momentan nicht beantworten. Aber der westliche Teil mit den Mehrfamilienhäusern, in denen die etwa 80 Sozialwohnungen untergebracht sein werden, müsse spätestens fünf Jahre nach Kauf des Grundstücks fertig sein. Das war eine Auflage des Bundes beim Verkauf des Militärgrundstücks. Das wäre im Frühjahr 2024.

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