196 Appartements in Huckelriede geplant

Wohnheim für Studierende stößt auf Kritik

196 Appartements für Studierende plant die Wissenschaftsbehörde in Huckelriede am Niedersachsendamm. Schön für die Neustadt, nur leider mit sieben Stockwerken zu hoch, finden Stadtteilpolitiker und Anwohner.
27.03.2019, 18:36
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Wohnheim für Studierende stößt auf Kritik

Diese Visualisierung zeigt das geplante Studierendenwohnheim am Niedersachsendamm aus nördlicher Blickrichtung von der Straße Werderhöhe.

mikropolis/GMD Architekten

Gleich zwei Bauprojekte wollen Stadtplaner entlang des Niedersachsendamms in Huckelriede nun angehen: Gegenüber dem Quartierszentrum Huckelriede wird ein Studierendenwohnheim für knapp 200 junge Menschen gebaut, am nördlichen Ende der Straße hinter der Scharnhorst-Kaserne ein Neubaugebiet mit bis zu 300 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Wie das aussehen soll, erklärten die Planer am Dienstagabend dem Bauausschuss des Neustädter Beirates. Und sie stellten sich auch kritischen Fragen von künftigen Nachbarn der Neubauten.

Anstelle des verlassenen Wohnheims für behinderte Menschen wird es ein neues Haus geben, erklärte Lars Lemke vom Büro BPW – Baumgart + Partner, das die Wissenschaftsbehörde mit der Planung des Studierendenwohnheims beauftragt hat. Wenn es fertig ist, will das Studierendenwerk Bremen dort 196 Mini-Appartements an junge Menschen vermieten, die an der Hochschule oder der Universität studieren. Dass dieses Gebäude an der Ecke von Niedersachsendamm und Werderhöhe sieben Stockwerke aufragen soll, fand allerdings weder bei den meisten Stadtteilpolitikern noch bei den Anwohnern Gefallen.

Höher als das Quartierszentrum gegenüber

„Wir haben dort gemeinsam mit dem gegenüberliegendem Quartierszentrum eine städtebauliche Torsituation geschaffen, am Eingang zum nördlichen Niedersachsendamm“, begründete Lemke den höheren Gebäudeteil. Direkt im Anschluss werde das Haus nur vier und fünf Stockwerke aufragen. Besonders der Umstand, dass das Studierendenwohnheim damit sogar noch etwas höher ist als sein Gegenstück auf der anderen Straßenseite, überzeugte die Zuhörer nicht. „Ich finde die Pforte gut, doch die ungleiche Höhe lenkt die Aufmerksamkeit ab von dem, was im Fokus stehen sollte – und das ist unser neues Quartierszentrum für die Menschen in Huckelriede“, bemängelte Quartiersmanager Marc Vobker.

Mehrere Anwohner kritisierten außerdem, dass der massive Baukörper nicht zu den benachbarten Eigenheimen passe. „Der Kontrast ist unfassbar groß“, so eine Stimme aus der Nachbarschaft. Die Sorge ist zudem, dass die Häuser im Norden des Neubaus künftig im Schatten liegen könnten. Zwar steht eine stattliche Pappelreihe an der Grundstücksgrenze, „doch besonders im Winter wird der Schatten sicherlich mehr auf diesen Grundstücken liegen als bisher“, gestand Lemke ein.

Die Höhe sei dadurch notwendig geworden, weil die Naturschutzbehörde sich dafür eingesetzt habe, den geschützten Baumbestand im hinteren Teil des Baugrundstücks zu erhalten. „Dadurch mussten wir das Gebäude kürzer planen und sind dafür an einer Stelle mehr in die Höhe gegangen“, erläuterte der Planer den Grund. Ein Gestaltungsgremium mit externen Architekten und Senatsbaudirektorin Iris Reuther werde den Entwurf zusätzlich begutachten und Verbesserungsvorschläge machen, kündigte er an.

Widerstand angekündigt

Dass von dieser Seite wohl kaum Einspruch gegen die Höhe des Hauses zu erwarten ist, vermutete Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne): „Die Philosophie der hohen Häuser ist dort gewollt und keineswegs Zufall. Und wir müssen uns im Stadtteil darüber verständigen und dafür einstehen, was wir in Huckelriede für zumutbar halten.“ Dies gelte für alle künftigen Bauvorhaben in Huckelriede. „Sonst wird mit jedem Projekt die Orientierung für kommendes geschaffen, da müssen wir vorsichtig sein“, so Mose.

Wolfgang Meyer (Linke) wunderte sich darüber, warum nicht das Bunker-Grundstück nebenan in die Planung miteinbezogen worden sei. „Dann hätten Sie mehr in die Breite bauen können und müssten nicht so hoch bauen.“ Doch das sei leider nicht möglich gewesen entgegnete Christoph Schulte im Rodde von der Wissenschaftsbehörde. „Der Bunker ist im Privatbesitz, und das Grundstück stand auf Anfrage nicht zur Verfügung“, so der Behördenvertreter.

Er warb für das nachhaltige Konzept des Wohnheims, das mit einer flexiblen Einteilung der Appartements aufwarten könne: „Je nach Bedarf können wir Wohnungen zusammenlegen oder ganze Bereiche neu aufteilen. Eine Nachnutzung als Altersheim ist damit problemlos möglich“, so Schulte im Rodde. Auch das Grünkonzept sei mit Solarzellen und Grün auf den Dächern, die zum Teil auch für Gartenprojekte genutzt werden können, zukunftsweisend und umweltbewusst. Ein Umstand, der breiten Anklang im Publikum fand.

Skepsis überwog

Dennoch überwog die Skepsis, dass das Haus zu wuchtig wirken könnte. „Ich glaube nicht, dass es schlimm wäre, beim Turm ein Stockwerk zu reduzieren und damit 20 Appartements weniger bauen zu können“, warb Irmtraud Konrad (SPD) für ein Reduzierung des Entwurfs. Außerdem forderte Fachausschusssprecher Wolfgang Schnecking (SPD), dass spätestens jetzt ein sicherer Überweg beispielsweise durch eine Fußgängerampel über den Niedersachsendamm nötig werde.

Dass nur 18 Stellplätze für Autos der Studierenden eingeplant sind, traf indes auf keinen Widerspruch aus dem Stadtteil. Denn zuvor erläuterte Lemke, dass das Studierendenwerk Bremen diese Zahl aus einer Analyse ihrer bestehenden Wohnheime ermittelt habe. Der Zeitplan des Projektes ist ambitioniert: Bereits spätestens 2020 soll der vorhabenbezogene Bebauungsplan fertig sein. Und im selben Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.

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