Wolfgang Schlott liest aus "Mein radioaktives Tagebuch"

Neustadt. Am 11. März 2011 explodierten drei Atomreaktoren in der japanischen Kernkraftanlage in Fukushima, 250 Kilometer nordöstlich von Tokio. Auf diese verheerende Katastrophe bezieht sich "Mein radioaktives Tagebuch" von Wolfgang Schlott. Seit diesem Ereignis hat der Schriftsteller seine Empfindungen und Albträume akribisch aufgeschrieben, noch ist es ein Manuskript. "Es ist kein Ende abzusehen", sagt Wolfgang Schlott. "Ich arbeite weiter an dem Tagebuch". Später soll das Werk in Buchform erscheinen. Zunächst wird Wolfgang Schlott am Sonntag, 11. März, um 19 Uhr im KunstRaum, Rückertstraße 23, aus seinem Tagebuch lesen.
08.03.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kerstin Thompson

Neustadt. Am 11. März 2011 explodierten drei Atomreaktoren in der japanischen Kernkraftanlage in Fukushima, 250 Kilometer nordöstlich von Tokio. Auf diese verheerende Katastrophe bezieht sich "Mein radioaktives Tagebuch" von Wolfgang Schlott. Seit diesem Ereignis hat der Schriftsteller seine Empfindungen und Albträume akribisch aufgeschrieben, noch ist es ein Manuskript. "Es ist kein Ende abzusehen", sagt Wolfgang Schlott. "Ich arbeite weiter an dem Tagebuch". Später soll das Werk in Buchform erscheinen. Zunächst wird Wolfgang Schlott am Sonntag, 11. März, um 19 Uhr im KunstRaum, Rückertstraße 23, aus seinem Tagebuch lesen.

Wer das Manuskript liest, bekommt ein großes Unbehagen. Nachts fühlt es sich an, als ob die Verstrahlung in Worten steckt, die sich auf den lesenden Autor übertragen. "Das ist beabsichtigt", kommentiert Wolfgang Schlott. Er selbst habe solche Gefühle erlebt und in Worte gekleidet. "Ich habe mein Tagebuch mit der Absicht begonnen, nicht nach Fukushima zu fahren, um dort zu helfen, sondern ich habe es geschrieben mit der Intention, wie wirkt sich ein atomarer Gau auf das Massenbewusstsein der Europäer aus." Dabei habe ihn besonders interessiert, wie die Informationen zu Fukushima durch die Medien wie Fernsehen, Internet und Rundfunk bis heute in der Presse gefiltert werden. Wie reagieren die Journalisten? Welche Meldungen verschwinden im Laufe von fünf bis sechs Monaten und werden dann immer wieder aktualisiert, wenn etwas Spektakuläres passiert? "Ich wollte darüber schreiben, wie so ein schreckliches Ereignis auf das Massenbewusstsein wirkt."

Dabei sei er als Tagebuchschreiber nicht präsent. "Ich sehe nur Bilder, höre Kommentare und lese", sagt er. Auch eine ganze Reihe japanischer Texte mit englischen Übersetzungen habe er zur Recherche benutzt und in das radioaktive Tagebuch mit eingearbeitet. "Alle Meldungen und aufgeführten Personen sind authentisch und wurden genauestens überprüft", versichert er. "Ich habe auf meinem Schreibtisch immer eine Karte mit allen Atomkraftwerken auf den japanischen Inseln vor mir liegen und überprüfe, was in Zone eins, zwei und drei passierte und passiert", so Wolfgang Schlott. Er schreibe nicht, um vor den Gefahren der Atomkraftwerke zu warnen, das könnten andere viel besser, sagt er. "Es geht mir darum, in Erfahrung zu bringen, was kommt an bei den Menschen." So habe er nicht nur Informationen verarbeitet, sondern sich in eine beliebige Person versetzt, die plötzlich Angstzustände bekam. Teilweise seien diese Angstzustände tatsächlich auf ihn selbst übergegangen. Und er habe das dann in

überzogener Form, in surrealen Bildern und Albtraumzuständen festgehalten. "Ich verwende verschiedene Texte, wie es auf den Bürger wirken kann", berichtet er.

Seit seinen Traumerlebnissen nimmt Wolfgang Schlott "die Sintflut wieder ernst und baut an einer Arche Noah aus Eichenholz", steht in dem Manuskript geschrieben. Ein Satz mit Tiefgang, im wahrsten Sinne des Wortes, wie viele in seinem Tagebuch, der sehr nachdenklich macht.

Wolfgang Schlott stellt am Sonntag, 11. März, um 19 Uhr im KunstRaum, Rückertstraße 23, Auszüge aus "Fukushima: mein radioaktives Tagebuch" in einer literarischen Gedenkveranstaltung vor. Musikalisch wird er von Dieter Weische begleitet, der die Shakuhachi-Bambusflöte spielt.

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