Extremsportler starten in Namibia

Wüstenlauf für einen guten Zweck

Neustadt. Sie ist mit rund 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Erde und eine der unwirtlichsten Gegenden auf diesem Planeten: die Namib. Es gibt Temperaturschwankungen von 70 Grad Celsius und jahrlange Trockenperioden. Die Extremsportler Anne Schmidt und Emin Da Silva schrecken solche Bedingungen nicht ab. Im Gegenteil, sie suchen die Herausforderung. Im Dezember werden der Fitnesstrainer und die Diplom-Geographin gemeinsam am 'Namib Desert Run' teilnehmen.
29.04.2010, 08:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Eike Nienaber
Wüstenlauf für einen guten Zweck

So sollte man es nicht machen: Besser ausgestattet wäre dieser Jogger mit Schal, warmer Mütze und Handschuhen.

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Neustadt. Sie ist mit rund 80 Millionen Jahren die älteste Wüste der Erde und eine der unwirtlichsten Gegenden auf diesem Planeten: die Namib. Es gibt Temperaturschwankungen von 70 Grad Celsius und jahrlange Trockenperioden. Die Extremsportler Anne Schmidt und Emin Da Silva schrecken solche Bedingungen nicht ab. Im Gegenteil, sie suchen die Herausforderung. Im Dezember werden der Fitnesstrainer und die Diplom-Geographin gemeinsam am 'Namib Desert Run' teilnehmen.

Namib ist Programm: Ihr Name bedeutet in der Sprache der Nama soviel wie 'Leerer Platz' oder 'dort, wo nichts ist'. Sandstürme sind nahezu an der Tagesordnung und haben über Jahrmillionen die weltweit höchsten Dünen geformt. Dennoch gibt es hier eine reiche Flora und Fauna. So wie die Welwitscha-Pflanze, die in ihrem bis zu 2000 Jahre dauernden Leben gerade einmal zwei Blätter produziert oder der kleine Sandgecko, welcher mit seinen netzartig gespreizten Füßen auf bis zu 60 Grad heißem Untergrund die mächtigen Dünen nahezu im Zeitraffer erklimmt.

Und wo leben dort Menschen? Sie haben ihren Lebensmittelpunkt in den wenigen Städten des südwestafrikanischen Landes, dem die Wüste als Namensgeber dient: Namibia! Normalerweise laufen sie dort aber keine Sanddünen hoch. Und das ausgerechnet im namibischen Hochsommer, wenn die Temperaturen auf exorbitante Höhen klettern. Ein Grenzgang zwischen körperlichem Wahnwitz und sportlichem Abenteuer für die einen - kalkuliertes Risiko im Zeichen der guten Sache für Da Silva.

Beitrag zur Völkerverständigung

Sicher, der Austragungsort des Laufes sei schon ein großer Anreiz, sagt der 37-Jährige Emin Da Silva. 'Ich habe schon immer versucht, durch meinen Sport einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten zu können', erzählt Da Silva. So initiierte er unter anderem im Jahre 2002 für die türkisch-kurdische Aussöhnung einen Lauf von Hamburg nach Berlin. Mit dem 'Desert Run' verfolgt der gebürtige Kurde jedoch ein anderes Anliegen. Neben der sportlichen Ambition, das Ziel, den 'Big Daddy' - die mit 380 Metern höchste Düne der Welt - zu erreichen, steht der karitative Zweck im Vordergrund.

Da Silva und Anne Schmidt möchten in ihrem Gastgeberland mehr als nur Spuren im Sand hinterlassen. Auch wenn die Hauptstadt Windhoek auf den ersten Blick für afrikanische Verhältnisse modern, wohlhabend und fast schon europäisch wirken mag, sind Armut, eine HIV/AIDS-Rate von über 20 Prozent und eine Vielzahl struktureller Probleme doch allgegenwärtig.

Der Bremer Harald Schütt erkannte dies bereits vor zweieinhalb Jahrzehnten und gründete gemeinsam mit Familie und Freunden den Verein 'Praktische Solidarität International' (PSI), der sich seitdem für die Menschen Namibias einsetzt. Mittlerweile hat Schütt auch seinen Wohnsitz nach Windhoek verlegt. So kann er unbürokratisch dort aktiv werden, wo die Hilfe von PSI am dringendsten benötigt wird.

Die Vereinsgeschicke in der Hansestadt leitet fortan Mutter Edith - eine weise Personalentscheidung, wie sich herausstellen sollte. So bekam die heute 87-Jährige für ihr Engagement 2001 die Bundesverdienstmedaille verliehen. Edith Schütt ist eine alte Bekannte von Anne Schmidts Vater. Als Schmidt ihrem Vater von dem Vorhaben berichtete, durch die namibische Wüste zu laufen, war die Idee geboren.

Verein wird 25 Jahre alt

'Der Verein feiert im September sein 25-jähriges Bestehen - da bot es sich einfach an, unserem Lauf auch einen wirklichen Sinn zu geben', erklärt die 32-Jährige. Mit dem Training habe jetzt auch ein Spenden-Marathon begonnen, der im Dezember - so hoffen die beiden - genügend finanzielle Mittel mobilisiert hat, um damit vor Ort in Namibia helfen zu können. So würden gezielt zwei PSI-Projekte unterstützt: 'Invest in People?s Future' hat sich die Förderung benachteiligter Kinder zum Ziel gesetzt. Ihnen soll unter anderem eine Schulbildung ermöglicht werden. Ebenso ist dort die Stromversorgung noch lange nicht allen Haushalten zugänglich. Deshalb möchten Schmidt und Da Silva zudem ein Sonnenenergie-Projekt fördern. 'Die Spenden fließen ohne bürokratische Umwege zu 100 Prozent direkt in die Projekte', verspricht Anne Schmidt.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Spender und Sponsoren müssen gefunden und ein strikter Trainingsplan eingehalten werden. Auf die Unterstützung seines Chefs, Peter Ernst, kann Da Silva schon einmal zählen. Der Inhaber eines Fitness-Studios an der Volkmarstraße übernimmt zu 25 Prozent die Kosten für Startgelder, Unterkunft und Anreise in die ehemalige Kolonie Deutsch-Südwestafrika.

Sportlich gilt es, einen Drei-Stufen-Plan zu erfüllen. Die erste Phase dient dem langsamen Aufbau der körperlichen Ausdauer. In rund 15 Wochen sollen die konditionellen Grundlagen auf dem Laufband gelegt werden. Diese wollen Schmidt und Da Silva dann in den darauffolgenden zwei Monaten mit zusätzlichem Krafttraining intensivieren. Wichtig sei dabei, mit dem Training nicht zu übertreiben und auf den Punkt fit zu werden. Die dritte Phase über neun Wochen steht dann größtenteils im Zeichen der Regeneration. Anne Schmidt gibt sich derweil guter Dinge: 'Ich könnte schon jetzt die Strecke bewältigen.'

Die 32-Jährige ist sich durchaus bewusst, dass in Namibia ganz andere körperliche Hürden auf sie warten. Hürden, auf die hierzulande nur sehr schwer hintrainiert werden kann. Auch ein sehr heißer mitteleuropäischer Sommer ist mit den extremen klimatischen Bedingungen der Namib nicht im Ansatz vergleichbar. 'Das eine oder andere Work-Out in der Sauna werden wir sicherlich absolvieren und alles andere auf uns zukommen lassen. In puncto Klima haben wir einfach keine andere Wahl', weiß Da Silva. Und so werden bis Dezember noch Kilometer um Kilometer zurückgelegt, die eine oder andere Nordsee-Düne im Laufschritt genommen und so mancher Schweißtropfen vergossen. Denn eines haben die Geographin und der Fitnesscoach gemeinsam: Die Motivation, an die Grenzen zu gehen sowie den Willen, die Ziellinie auf der höchsten Düne der Welt zu überqueren, irgendwo im südwestafrikanischen Nirgendwo.

Wer die Bremer Wüstenläufer und/oder den Verein Praktische Solidarität International unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das PSI-Konto 160 831 80 bei der Sparkasse Bremen, BLZ: 290 501 01 unter dem Verwendungszweck 'PSI-desert run'.

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