Freimaurerloge Clavis Argentum lädt zu einer offenen Veranstaltung ein / Loge besteht zehn Jahre Zu Gast beim Meister vom Stuhl

Geheimnisvolle Zeichen mit teils unbekannter Symbolik, ein Tempel, zu dem kein Außenstehender sonst Zutritt hat und Mitglieder, die in der Öffentlichkeit nicht damit hausieren gehen. Um mit Mythen und Geheimnissen rund um die Freimaurerei aufzuräumen, öffnete die Loge Clavis Argentum (Silberner Schlüssel) ihre Türen. Zum zehnten Jahrestag der Loge wurde eine weiße Arbeit vorgeführt und zum offenen Gespräch geladen.
27.09.2012, 05:00
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Von Sascha Rühl

Geheimnisvolle Zeichen mit teils unbekannter Symbolik, ein Tempel, zu dem kein Außenstehender sonst Zutritt hat und Mitglieder, die in der Öffentlichkeit nicht damit hausieren gehen. Um mit Mythen und Geheimnissen rund um die Freimaurerei aufzuräumen, öffnete die Loge Clavis Argentum (Silberner Schlüssel) ihre Türen. Zum zehnten Jahrestag der Loge wurde eine weiße Arbeit vorgeführt und zum offenen Gespräch geladen.

Neustadt. "Bitte gleich reingehen und direkt hinsetzen", wird den wenigen Gästen gesagt, die an der Tür zum Tempel Clavis Argentum warten. Die Tür öffnet sich, es erklingt liebliche klassische Musik, der kleine Raum ist dezent in warmes Licht getaucht, die Mitglieder der Loge setzen sich auf die Stühle, die im Raum an den Wänden stehen. die Meister und Aufseher setzen sich an ihre jeweiligen Tische. In der Mitte des Raumes stehen drei mit Blumen dekorierte Säulen, die das Zentrum bilden. Ein Hammerschlag erklingt.

"Ehrwürdiger Meister, unsere Gäste und unsere Logenmitglieder sind in unseren Arbeitstempel eingetreten, die weiße Arbeit steht bereit", verliest die Aufseherin. "Meine Schwestern und Brüder, wir erheben uns und begrüßen unsere Gäste. Auf alte Maurerweise, auf drei mal drei auf mich", befiehlt der Meister. Es wird in die Hände geklatscht.

Vor und nach der streng zeremoniellen weißen Arbeit gibt sich die Clavis Argentum locker und steht für allerhand Fragen zur Verfügung. So erklärt die Rednerin Ulrike Wend, dass in ihrem Leben vor allem der Maßstab mit 24 Einheiten eine große Rolle spiele. "Mit ihm kann ich einen Tag hervorragend einteilen. Jede Spalte steht für eine Stunde, und ich habe schnell gemerkt, dass ich mir so das Leben erleichtern kann und mehr Zeit für mich habe", findet die Freimaurerin.

Die Bremer Loge ist liberal, Männer und Frauen sind zugelassen, sogar ein vierbeiniger Bruder hat im Tempel einen Platz – der Rauhaardackel Pelle. "Daran erkennt man, dass wir eine wahre Erkennungsloge sind", witzeln die Freimaurer. Die 18 Mitglieder kommen teilweise von weit her, nicht nur aus dem Großraum Bremen. Warum die Arbeit in einer Loge an Rituale gebunden ist, erklären sie an einem Beispiel: "Wenn man morgens aufsteht und ins Bad geht, ist das ja auch eine Art Ritual. Mit einem Ritual schaffen wir einen Rahmen, in dem immer alles gleich ist, um sich besser auf unsere geistige Arbeit einstellen zu können, das ist wie in der Kirche." Freimaurer versuchen, Humanität zu finden und nach außen zu tragen.

Damit keiner die weiße Arbeit stören kann, wird die Tür nach Anweisung des Meisters vom Stuhl Fritz Gunst verschlossen. Hin und her gehen die Dialoge zwischen den zwei Aufsehern und dem Meister. Es werden Kerzen entzündet, gemeinsam mit jeder bedächtig angezündeten Kerze wird außerdem an einem Dimmer das Kunstlicht erhellt. Das Ritual wird fortgesetzt, sorgfältig gewählte und vorher festgelegte Worte werden gesprochen.

Schließlich wird das Kernstück verlesen. Die Rednerin Ulrike Wend beginnt nach Aufforderung mit einem vorbereiteten Vortrag, es geht um freimaurerische Symbolik. Die Symbole seien von einer großen mystischen Aura umgeben. Zahlreiche Schriftsteller würden sich Gedanken zu etwas machen, was sie nur als Freimaurer verstehen könnten. Die Symbole dienten nicht der geheimen Erkennung untereinander, diese sollen das eigenständige und freie Denken anregen. "Wir lernen nicht das Was, sondern das Wie. Ganz wichtig ist, wir arbeiten nur an uns selbst, nicht am Mitmenschen", betont Rednerin Ulrike Wend. Dies solle verhindern, auf jemanden mit anderem Leistungsstand herabzublicken.

Winkel und Zirkel, die beiden bekanntesten Symbole der Freimaurerei, würden oft als Erkennungszeichen getragen werden. Der Winkel stehe für gesellschaftliche Regeln, ein Bekenntnis zu Gesetzen und zur Demokratie, der Zirkel für den Kreislauf des Lebens.

Das 24-Zoll-Maß diene als Hilfe zur eigenen Zeiteinteilung. Lot und Senkblei symbolisierten Länge und Tiefe der Zeit. Der Tempel des Salomons sei ein Symbol für die menschliche Gesellschaft, die in ihrer Gesamtheit ein kunstvolles Bauwerk darstellt, daher käme der Begriff Tempelarbeit, man baue am Tempel der Humanität. Die Winkelwaage stehe für die Aufhebung des Standes in der Loge. Das allsehende Auge sei ein Symbol der Wahrheit. Weitere Symbole werden nicht gezeigt, die sind den Mitgliedern vorbehalten. Der Vortrag endet.

Die Berufe in der Loge seien sehr gemischt, sogar ein Pastor sei einmal Mitglied gewesen. "In der Freimaurerei treffen sich Weihnachtsmann und Osterhase. Leute, die sich sonst nie treffen würden. Wer welcher Religion angehört, ist uns auch egal", wird in der Festrunde gesagt. Allerdings wollen die meisten ihren Namen nicht preisgeben, denn ein Freimaurer trage seine Logenzugehörigkeit nicht nach außen.

Ein großes Geheimnis wird um die Aufnahme eines neuen Mitglieds gemacht. "Das ist geheim, es wäre nicht von Vorteil, darüber zu sprechen, weil wir dann den eventuellen neuen Mitgliedern den Spaß daran verderben würden. Es werden jedoch drei Fragen gestellt, auf die kann man sich nicht vorbereiten", geheimniskrämert die kleine Gruppe. 18 Mitglieder hätte die Loge Clavis Argentum, nicht viel mehr als bei der Gründung, aber auch nicht weniger, man bleibe sein ganzes Leben Freimaurer, einfach austreten, gehe nicht. "Man hat eine Verpflichtung, am eigenen rauen Stein zu arbeiten, seine eigenen Fehler zu erkennen und sich in die Loge einzubringen. Das ist wie in der Kirche, Organist und Küster können auch nicht einfach fernbleiben", finden die Logenmitglieder. Man sei eine kleine und lustige Loge.

Dem Meister Fritz Gunst habe die Freimaurerei in seiner Rolle als Chef in einer Firma sehr geholfen. "Damals war ich sehr aufbrausend, wenn mal etwas nicht funktioniert hat. Durch die Arbeit an meinem rauen Stein bin ich nun ruhiger und verständnisvoller geworden", findet Gunst. "Ich finde, man wird dadurch bescheidener, das wirkt sich auf viele Bereiche des Lebens aus, auf die Kindererziehung oder auf die Partnerschaft zum Beispiel. In all das fließen die freimaurerischen Gedanken mit ein", findet Ulrike Wend. So versuche man zum Beispiel, den Partner mehr sich selbst ausleben zu lassen. Wer Freimaurer werden möchte, könne dies nach etwa einem Jahr werden, man müsse sich jedoch absolut sicher sein, zum Ausloten gebe es die Gästenachmittage.

"Schwester zweiter Aufseher, welche Zeit ist es", fragt der Meister. "Es ist die rechte Zeit, diese Feier zu beenden", erklärt die zweite Aufseherin. Die Lichter im Tempel der Loge Clavis Argentum werden gelöscht, natürlich in der gewohnten bedächtigen Art des Freimaurerrituals. Mit einer Kette aus Händen endet schließlich die Arbeit. "Wir lösen die Kette der Hände, die Kette der Herzen aber bleibt", verliest Fritz Gunst.

Der nächste offene Gästenachmittag der Loge Clavis Argentum findet am Sonnabend, 27. Oktober, statt. Dann werden Vorträge über Mark Twain gehalten, der Autor war selbst ein bekannter Freimaurer. Weitere Informationen gibt es unter www.clavisargentum.de oder beim Meister vom Stuhl, Fritz Gunst, unter Telefon 04451/ 2611.

Zu Gast beim Meister vom Stuhl

Freimaurerloge Clavis Argentum lädt zu einer offenen Veranstaltung ein / Loge besteht zehn Jahre

Zitat:

"Damals war ich sehr

aufbrausend, wenn mal

etwas nicht funktioniert hat. Durch die Arbeit an meinem rauen Stein bin ich nun

ruhiger und verständnis-

voller geworden."

Meister Fritz Gunst

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