Verkehrsentwicklungsplan

Oberneuland fühlt sich übersehen

Oberneuland kann sich in der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans 2025 „kaum bis gar nicht“ wiederfinden und gibt im Verkehrsausschuss eine Stellungnahme ab.
14.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter
Oberneuland fühlt sich übersehen

Der ÖPNV in Oberneuland ist Thema in der Stellungnahme des Beirates zum Verkehrsentwicklungsplan.

Petra Stubbe

Der Beirat Oberneuland hat sich im Verkehrsausschuss mit der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) 2025 befasst und dazu eine Stellungnahme verabschiedet. Im Fokus der Fortschreibung stehen die Bereiche „autofreie Innenstadt“, „Parken in Quartieren“, „ÖPNV-Strategie“ und „Stadt-Regionales Verkehrskonzept“. Anzumerken sei zunächst, dass sich Oberneuland in den besagten Teilbereichen „kaum bis gar nicht“ wiederfinde, heißt es in der Stellungnahme eingangs.

Als Stadtteil im Randbereich seien nur einige wenige Berührungspunkte zu erkennen. Der Stadtteil sei nicht ausreichend auf die Verkehrswende und die älter werdende Gesellschaft eingestellt, stellte der Beirat fest. Die aktuelle Infrastruktur fördere den motorisierten Individualverkehr, den es in Zeiten des Klimawandels zu vermeiden gelte. Die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer sei indes nur mangelhaft ausgebaut. Das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sei für die Bürger wenig attraktiv und alternative Angebote, wie Carsharing gebe es überhaupt keine. Der Beirat erwarte daher, dass ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zügig sichergestellt wird. Einerseits aus klimapolitischen Gründen, andererseits als Entlastung für den Stadtteil, der durch den motorisierten Individualverkehr zum Teil stark belastet sei.

Hinweis auf die drängenden Themen

Wenngleich die Fortschreibung des VEP im Beiratsbereich kaum Anwendung finde, nutzte der Beirat seine Stellungnahme, um sich zum allgemeinen Stand des VEP zu äußern und auf die aus seiner Sicht drängendsten Verkehrsthemen im Stadtteil hinzuweisen. So reiche etwa die Anbindung Oberneulands an den ÖPNV nach wie vor nicht aus, obwohl der Beirat dazu in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Beschlüsse gefasst habe. Zu den dringlichsten Aufgaben zähle aktuell die Einrichtung des geplanten Haltepunkts Horn/Achterdiek, um den Bürgern Oberneulands und Horn eine direkte Verbindung in die Innenstadt zu ermöglichen. Außerdem stehen auf der Prioritätenliste des Beirats Parkplätze für Park&Ride und Park&Bike am Oberneulander Bahnhof in Verbindung mit einem gesicherten Fahrradparkhaus.

Um die Tobias-Schule und die Sportvereine an den ÖPNV anzubinden, fordert der Beirat zudem seit geraumer Zeit, die Buslinie 33 über die Rockwinkeler Landstraße zu führen. Auch die im VEP als Linie G geplante Querverbindung zwischen Borgfeld und Sebaldsbrück müsse zügig umgesetzt werden, um den Individualverkehr durch Oberneuland zu entlasten. Weitere Forderungen des Beirats zur ÖPNV-Anbindung sind eine Erweiterung der Buslinie 31 bis zur Berliner Freiheit ein Stadtteilbus, eine Schnellbuslinie in die Innenstadt und ein zügiger Ausbau der Barrierefreiheit an allen Haltestellen im Stadtteil.

Anbindung an Premiumrouten gefordert

Zur Verbesserung des sicheren Radverkehrs fordert der Beirat neben dem generellen Ausbau der Fahrradwege insbesondere eine umfassende Anbindung Oberneulands an das Fahrrad-Premiumrouten-Netz. Angesichts des teils schlechten Zustands der Fußwege im Stadtteil sei die Mobilität von Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen stark eingeschränkt, kritisiert der Beirat in seiner Stellungnahme. Zudem fehlten an den meisten Nebenstraßen Fußwege, während sie an den Hauptstraßen entweder nur auf einer Fahrbahnseite vorhanden oder zu schmal seien. Aufgrund der besonderen Gegebenheiten in Oberneuland fordert der Beirat unter anderem ein völlig neues Verkehrskonzept, das Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern gleichermaßen gerecht werde. Bei Neubebauung sei zudem darauf zu achten, dass Fuß- und Radwege eingeplant werden.

Den Zustand der Straßen in Oberneuland beschreibt der Beirat in seiner Stellungnahme angesichts zahlreicher Schlaglöcher und Unebenheiten als dringend sanierungsbedürftig. Insbesondere die Oberneulander Landstraße bestehe im Grunde nur noch aus Schlaglöchern, die nicht nur den Autoverkehr, sondern vor allem den Radverkehr extrem gefährdeten.

Um im Stadtteil Carsharing zu etablieren, würden sich aus Sicht des Beirats der neue Supermarkt an der Mühlenfeldstraße, der Wohn- und Büropark und das Oberneulander Karree an der Ecke Apfelallee und Oberneulander Heerstraße als Standorte eignen. Von der Senatorin für Mobilität erwarte der Beirat, entsprechende Möglichkeiten in Oberneuland mit den Anbietern zu erörtern.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+