Hoffnung auf Soforthilfe

Tierfutter wird knapp: Circus Belly in Oberneuland gestrandet

Eigentlich wollte der Circus Belly seine Norddeutschland-Tour schon längst fortgesetzt haben. Doch aufgrund der Corona-Auflagen sitzen Artisten und Tiere in Oberneuland fest – und langsam wird das Futter knapp.
06.04.2020, 09:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Tierfutter wird knapp: Circus Belly in Oberneuland gestrandet

Zirkusdirektor Klaus Köhler muss sich auch um das Futter für die etwa 50 Tiere kümmern – und das Geld ist nach der Winterpause knapp.

PETRA STUBBE

Eigentlich wollte der Circus Belly sein Zelt längst in Oldenburg aufgebaut haben – doch im Moment sitzt das Familienunternehmen in Oberneuland fest. Seit Ende Februar gastiert der Zirkus auf dem Platz gegenüber der Festwiese an der Rockwinkeler Heerstraße. Seit Mitte März gibt er aufgrund der Corona-Auflagen keine Vorstellungen mehr. Doch auch in den 14 Tagen davor seien die Vorstellungen angesichts der sich ausbreitenden Pandemie nur schwach besucht gewesen, erzählt Zirkusdirektor Klaus Köhler. 15, manchmal 20 Zuschauer seien es pro Vorstellung gewesen, mehr nicht.

Seine Gastartisten hat Köhler nach Hause geschickt, als klar war, dass es bis auf Weiteres keine Auftritte mehr geben wird. Gemeinsam mit seiner 25-köpfigen Familie harrt er nun in Oberneuland aus und versucht, den Betrieb am Leben zu halten. Das bedeutet neben der Verpflegung für die Familie vor allem, genügend Futter für die rund 50 Tiere heranzuschaffen. Die finanziellen Reserven seien allerdings schon in der Winterpause aufgebraucht worden, erzählt Köhler. Das Frühjahrsgeschäft hätte eigentlich die Kassen wieder auffüllen sollen – doch das falle ja nun gerade flach. „Im Frühjahr gehen die Leute gerne in den Zirkus, weil es dann noch nicht so heiß im Zelt ist“, sagt Köhler. Außerdem sei die Konkurrenz für Zirkusse durch andere Veranstaltung im Frühling noch nicht so groß wie im Sommer.

Futter reicht noch etwa zwei Wochen

Für etwa zwei Wochen hat der Zirkus noch Futtervorräte für seine Tiere. Bis dahin hofft Köhler, dass die beantragte Soforthilfe ausgezahlt worden ist. Andernfalls müsse er auf die Unterstützung einiger befreundeter Landwirte setzen. In anderen Zirkussen, mit denen er in Kontakt stehe, sehe die Lage ähnlich prekär aus.

Circus Belly

Die Manege ist momentan verwaist und wird derzeit nur als Übungsplatz genutzt.

Foto: PETRA STUBBE

Was ihren Standplatz in Oberneuland betrifft, müssen sich die Köhlers keine Sorgen machen, betont Wiebke Felderhoff. Ihre Familie hat die Wiese von der Lür-Kropp-Stiftung gepachtet und an den Zirkus vermietet. Von ihrer Seite gebe es weder zeitlichen noch finanziellen Druck. „Wir haben uns mit Familie Köhler darauf geeinigt, dass sie kein Geld für den Platz bezahlen muss, sondern stattdessen den Zaun rund um das Gelände wieder auf Vordermann bringt“, erzählt Felderhoff. Der Circus Belly stehe nicht zum ersten Mal hier, die Zusammenarbeit sei entsprechend gut, und von der Abmachung profitierten beide Seiten, betont sie. Wenn auf der Wiese kein Zirkus gastiere, werde sie unter anderem an eine Puppenbühne vermietet. Die Wiese müsse nämlich in erster Linie der Kinderbespaßung dienen, erzählt Felderhoff. So sei es im Pachtvertrag festgelegt.

Tour durch Norddeutschland

Sobald der Circus Belly wieder auftreten darf, wird sich Familie Köhler von Oberneuland voraussichtlich auf den Weg nach Delmenhorst machen. Danach stehe Oldenburg auf dem Tourplan, und dann soll die Reise weiter durch Ostfriesland gehen, erzählt Klaus Köhler. Die Zelte in Oberneuland abzubrechen und bis auf Weiteres zurück ins Winterquartier zu ziehen, sei zu aufwendig – denn das liege genau in entgegengesetzter Richtung: in Celle.

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Neben der unsicheren finanziellen Situation sorge bei den Artisten vor allem das wochenlange Warten auf den nächsten Auftritt zusehends für Frust, erzählt Köhler. „Alle haben hart trainiert und wollen in die Arena“, sagt er. Köhler selbst fülle seinen Alltag vor allem mit dem Training der Tiere. Der Circus Belly hat Pferde, Hunde, Riesenschlangen, Kamele, Lamas, Alligatoren und einen Schimpansen im Programm. Bei Tierschützern stand der Zirkus in der Vergangenheit deshalb mehrfach in der Kritik. Der Fokus lag dabei auf der Einzelhaltung des Menschenaffen Robby, der sogar ein Fall fürs Oberverwaltungsgericht wurde. Das entschied vor zwei Jahren, dass der Schimpanse bei Klaus Köhler bleiben darf und nicht, wie von den Tierschützern gefordert, in eine Auffangstation für Artgenossen umziehen soll. Die Tierrechtsorganisation Peta fordert seither, dass zumindest das Gehege für den Schimpansen vergrößert wird. Für Köhler indes ist die Angelegenheit mit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts erledigt, sagt er. Auf Tiernummern perspektivisch zu verzichten, sei für ihn undenkbar, erklärt er auf Nachfrage. Für Kinder seien die Tiere eine besondere Attraktion, und überhaupt gehörten zu einem Zirkus seit jeher auch Tiere. Außerdem vergewissere sich das Veterinäramt beim Eintreffen des Zirkus’ in jede neue Stadt, dass es den Tieren gut gehe, sagt er.

Um die geplante Tour durch Norddeutschland so schnell wie möglich antreten zu können, baut Köhler jetzt vor allem darauf, dass die Corona-Verhaltensregeln ausnahmslos eingehalten werden. Je strikter die Leute diese befolgten, desto wahrscheinlicher sei es, dass die Regelungen wieder gelockert werden könnten – und damit auch die Hängepartie des Zirkus’ in absehbarer Zeit ein Ende habe. Im Moment hofft Köhler auf Ende April.

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