Bremen-Liga

DFB-Pokal als Trostpflaster für den FC Oberneuland

Nach dem vermeintlichen Scheitern im Aufstiegsrennen der Bremen-Liga hat sich der FC Oberneuland neue Ziele gesetzt und plant für die Zukunft. Der Einzug in den DFB-Pokal wäre zumindest ein gutes Trostpflaster.
03.05.2019, 18:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
DFB-Pokal als Trostpflaster für den FC Oberneuland

Da ist Musik drin: Karim Raho (rechts) will kürzertreten und hat seinen Abschied vom FCO angekündigt.

BAUMGART/Hansepixx

Der Schock ist überwunden, der Blick richtet sich wieder in die Zukunft. Zwar besitzt der FC Oberneuland nach der 1:2-Niederlage beim Spitzenreiter Bremer SV nur noch theoretische Chancen auf den Titel in der Bremen-Liga. Das bedeutet aber nicht, dass die Ostbremer nun ohne jede Aufgabe sind. Schließlich werden derzeit die Weichen für die kommende Saison gestellt, und dann gibt es ja noch ein großes Ziel: den Lotto-­Pokalsieg am 25. Mai, wenn der FCO im Endspiel zum dritten Mal in dieser Saison auf den BSV trifft.

Der Pokal

„Es wäre bitter, wenn wir den Pokal jetzt nicht holen“, sagt Kristian Arambasic. Der FCO-­Coach weiß natürlich genau um die Bedeutung dieses Titels. In der Liga vermochte sein Team nicht mit dem großen Rivalen aus Walle Schritt zu halten. Die 1:2-Niederlage am Karfreitag war ja bereits die zweite Pleite der Saison, das Hinspiel am Vinnenweg war mit 3:1 an den BSV gegangen. Die Meisterschaft in diesem Jahr, sie wurde zweifellos durch die direkten Duelle der beiden absoluten Topteams entschieden. Die verlorenen Spitzenspiele markieren schließlich die einzigen Niederlagen des FCO – die anderen 25 Partien gewann der Tabellenzweite. Trotzdem gibt sich Arambasic zuversichtlich: „Wenn wir unsere Leistung abrufen, werden wir gewinnen.“ Die Leistung abrufen, das war seinem Team oft gelungen in den vergangenen Monaten. Gegen den Bremer SV gelang es Oberneuland bisher noch nicht. Es wird also spannend.

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Am 25. Mai geht es aber nicht nur um den sportlichen Erfolg. Es geht auch um viel Geld. In den vergangenen Jahren kassierte der Lotto-­Pokalsieger durch den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals jeweils rund 140 000 Euro. Davon musste er stets eine ganze Menge investieren in die Heimpartie gegen die zumeist recht attraktiven Gegner. Es blieb aber regelmäßig ein ordentlicher Betrag übrig, mindestens im hohen fünfstelligen Bereich. „Unser Etat steht auch ohne Pokalsieg“, sagt Kristian Arambasic zwar. Er macht allerdings auch kein Geheimnis daraus, dass der FCO die finanziellen Vorteile eines Cup-­Erfolgs gut gebrauchen könnte – sie geben einem Verein eben Sicherheit. Daneben nutzt der Trainer die Gelegenheit, ein bisschen Druck auf den Gegner zu erzeugen: „Der Bremer SV würde sich sicher sehr freuen über das Geld.“ Gelingt dem designierten Meister in diesem Jahr der Aufstieg in die Regionalliga, müsste er ja tief in die Tasche greifen. „Das Minimum sind 250 000, und es ist utopisch, die mal eben so übrig zu haben“, so Arambasic.

Das Personal

Der Trainer hat bereits verlängert. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagt Kristian Arambasic. Auch Günter Hermann, der Sportliche Leiter des FC Oberneuland, wird bleiben: „Ich bin mir mit dem Verein einig.“ In diesen Tagen geht es deshalb vor allem um die Spieler. Viel ändern soll sich nicht. „Ich stehe hinter der Mannschaft und tausche jetzt nicht zehn Spieler aus“, betont Arambasic. Er setzt dabei ganz bewusst auf die Entwicklung seiner jungen Mannschaft – der FCO absolvierte eine starke Saison, sammelte gerade in den Partien gegen den BSV aber auch wichtige Erfahrungen.

„Beim BSV können sie auch Fußball spielen, vor allem hatten sie aber ein paar erfahrene Spieler, die mehr wollten in diesen Partien“, sagt Günter Hermann. Es werde deshalb nach zwei „gestandenen Spielern“ gesucht, einem Innenverteidiger und einem Stürmer. Die bisherigen Zugänge dürften zumindest vorerst lediglich als gute Ergänzungen gelten: So hat sich der FCO neben Nick Enghardt, 23-jähriger Angreifer von der SG Aumund-Vegesack, auch die Dienste von Leander Wasmus gesichert. Der Mittelfeldspieler kommt von Werders U 23, absolvierte zahlreiche Partien in den Junioren-Bundesligen und gilt als großes Talent.

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Das Problem: Wasmus hatte sich in den vergangenen vier Jahren drei Kreuzbandrisse zugezogen, den letzten Anfang dieses Jahres. Insofern ist durchaus fraglich, wann der 22-Jährige wieder angreifen wird und ob er in die Rolle eines Leistungsträgers findet. Entsprechend zurückhaltend gibt sich Günter Hermann: „Wir geben ihm die Gelegenheit, sich zu beweisen.“ Schließlich wird das Team auch noch auf Artur Degtjarenko (Bornreihe) verzichten müssen – er erlitt erst kürzlich einen Kreuzbandriss und fehlt bis zum Ende des Jahres.

Auf der anderen Seite wird das Team den ein oder anderen Abgang zu verkraften haben. Galten Raoni Carneiro Alves (zurück nach Brasilien) und Marcel Brendel (berufliche Belastung) eher als Ergänzungsspieler, dürfte der Abschied von Karim Raho eine Lücke hinterlassen. Aber der 23-Jährige will sich zukünftig nun mal auf die Musik konzentrieren und kürzertreten. „Doch sein Pass bleibt bei uns“, sagt Kristian Arambasic und legt Wert auf eine Feststellung: „Es gibt bei uns keinen Spieler, der unzufrieden zu einem anderen Verein wechselt.“

Die Zukunft

Diese noch ausstehenden drei Punktspiele fungieren angesichts der Lage im Meisterschaftskampf (Hermann: „Vier Punkte in drei Spielen sind nicht aufzuholen“) eher als Tests für das Pokalendspiel. Konkret sind die Pläne für ein neues Umfeld in der nächsten Saison. „Wir werden uns anders aufstellen“, sagt Kristian Arambasic. So sind zukünftig Pressekonferenzen und Aktionen bei den Heimspielen geplant, zudem möchte der Verein mit Maßnahmen (Videos) auf den eigenen Kanälen eine Öffentlichkeitswirkung erzielen. Dazu zählen weiterhin auch interessante Vorbereitungsspiele. So wird am 5. Juli (18.30 Uhr) der VfL Osnabrück zu Gast sein – immerhin ein frischgebackener Zweitligist.

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Zur Sache

Das Restprogramm im Titelkampf

Bei vier Punkten Vorsprung auf den FC Oberneuland und nur noch drei ausstehenden Partien dürfte dem Bremer SV der Titel in der Bremen-Liga nicht mehr zu nehmen sein. Die Frage lautet deshalb wohl eher: Wann feiert der Bremer SV die Meisterschaft? Bereits an diesem Sonntag? Oder am kommenden Freitag vor heimischer Kulisse und unter Flutlicht? Während der BSV im Saisonendspurt noch beim BSC Hastedt (Sonntag, 5. Mai), gegen die Leher TS (Freitag, 10. Mai) und bei Werders U 21 (Sonntag, 19. Mai) antreten muss, spielt Verfolger FCO jeweils am selben Tag bei der Leher TS, gegen Werders U 21 und beim Blumenthaler SV. Unterdessen hat der Norddeutsche Fußballverband beiden Aufstiegsaspiranten die Lizenz für die Regionalliga erteilt. Der BSV müsste indes noch sicherheitstechnische Auflagen erfüllen.

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