Planungskonferenz in Oberneuland

Eine böse Überraschung

Unangenehme Überraschung für den Beirat. Eigentlich wollte der wissen, wann das Gebäuder der Obernschule Rockwinkel ausgebaut wird – und erfuhr, dass die Schule nicht fünfzügigbleibt, sondern vierzügig wird.
27.02.2020, 06:00
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Von Maren Brandstätter
Eine böse Überraschung

Platz ist an der Oberschule Rockwinkel aufgrund der hohen Anwahlzahlen derzeit knapp. Schule und Beirat hofften daher auf einen Ausbau – und wurden enttäuscht.

PETRA STUBBE

Fachräume sind an der Oberschule Rockwinkel mittlerweile Mangelware. Vor drei Jahren wurde der Textilraum zum Klassenzimmer umgewidmet, inzwischen ereilte zwei Computerräume dasselbe Schicksal. Grund für die Platznot an der Oberneulander Oberschule sind die seit Jahren konstant hohen Anwahlzahlen. 2016 begann die Schule deshalb, fünfzügig zu fahren – entsprechend ausgereizt sind inzwischen die räumlichen Kapazitäten. Eine der zentralen Fragen im Rahmen seiner sogenannten Planungskonferenz Bildung und Soziales war für den Beirat Oberneuland daher die nach einem Ausbau-Termin, um an der Oberschule ein entsprechendes Raumangebot zu schaffen. Die Antwort aus dem Ressort sorgte nicht nur im Beirat für maßloses Erstaunen. Die Schule soll perspektivisch wieder auf vier Züge heruntergefahren werden, teilte Udo Stoessel mit.

Stoessel leitet im Bildungsressort das Referat Liegenschaften und begründete die Entscheidung damit, dass man stattdessen in Horn-Lehe an der Wilhelm-Focke-Oberschule und am Gymnasium Horn mit je einem weiteren Zug und an der Oberschule Ronzelenstraße perspektivisch mit insgesamt sechs Zügen plane. Nicht nur im Beirat sorgte diese Information für Sprachlosigkeit, auch dem stellvertretenden Leiter der Oberschule Rockwinkel, Wolfgang Kirst, war diese Planung gänzlich neu. „Ich bin total perplex“, sagte er. „Dass wir wieder vierzügig werden sollen, ist unbegreiflich – die Zahlen sprechen eine völlig andere Sprache.“ Stoessel erklärte, neuesten Erhebungen zufolge werde der Bedarf an der Sekundarstufe I im Planbezirk bis 2028 um 93 Schüler zurückgehen, daher sei ein Ausbau der Oberschule Rockwinkel nicht mehr erforderlich. Neben dem Unverständnis über die Entscheidung wurde aus dem Beirat mehrfach auch Kritik daran geäußert, dass die Schulleitung von der Behörde bislang nicht über diese neue Planung informiert wurde.

Nach Darstellung des Bildungsressorts war ein Ausbau der Oberschule Rockwinkel in der Schulstandortplanung 2018 lediglich als Option in Aussicht gestellt worden, falls die steigenden Schülerzahlen dies erforderlich machen sollten. „Eine Konkretisierung dieser Ausbauoption wurde in den letzten beiden Jahren mit Ausnahme der Prüfung der generellen Machbarkeit nicht vorgenommen“, teilt Sprecherin Annette Kemp auf Anfrage mit. Durch die geplante Aufstockung an den Horn-Leher Schulen stünden für den Planbezirk künftig 2688 Plätze an den Oberschulen und Gymnasien zur Verfügung. Damit werde die Prognosezahl von 2484 Schülern deutlich überschritten, um einerseits den Anstieg im Primarbereich mit zu berücksichtigen und andererseits zusätzliche Schulplatzkapazitäten für die angrenzenden Planbezirke Schwachhausen und Vahr vorzuhalten, erklärt Kemp. Auf einen Ausbau der Oberschule Rockwinkel über die Vierzügigkeit hinaus könne daher vorerst verzichtet werden. Das wiederum ermögliche, die sonstigen baulichen Bedarfe, zum Beispiel beim Schulsport und bei der Herrichtung für die Aufnahme von Schülern mit besonderem Förderbedarf im Bereich Wahrnehmung und Entwicklung in Angriff zu nehmen, stellt die Ressort-Sprecherin in Aussicht.

Der Sport ist neben dem allgemeinen Raummangel das zweite Sorgenkind der Oberschule Rockwinkel. Die Schulsporthalle reicht bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken – entsprechend weite Wege müssen die Schüler zu den diversen Ausweichstandorten in Kauf nehmen. Außerhalb der Schule finde der Sport in der Uni-Halle, der Halle und dem Fitnessstudio vom TV Eiche Horn, auf der Fritzewiese, den Golfanlagen im Stadtteil, im Uni-Bad und in der Halle der Marie-Curie-Schule statt, zählte Bildungsausschuss-Sprecherin Alexa von Busse (CDU) auf. Die Curie-Halle ist seit Kurzem allerdings keine Option mehr, da sie infolge eines Wasserrohrbruchs außer Betrieb ist. Laut Ressort-Sprecherin Kemp wird die Halle aller Voraussicht nach langfristig ausfallen. Auch die Uni-Sporthalle ist perspektivisch eine unsichere Kandidatin. Wie lange sie noch für den Schulsport zur Verfügung stehen wird, steht laut Udo Stoessel aktuell noch nicht fest. „Wir haben hier ein Riesenproblem“, räumte der Ressortmitarbeiter ein. Aktuell sei man dabei, sich einen Überblick über die Belegung der Sportstätten zu verschaffen, um abschätzen zu können, was künftig noch gewährleistet werden kann. „Wir wollen das Problem so zügig wie möglich lösen“, versicherte er. Es würden vielfältige Szenarien durchgespielt, eine konkrete Aussage könne das Ressort allerdings erst für den kommenden Monat zusagen.

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