Bremens größtes Reitturnier

Erfolgsgeschichte am Rosenbusch

Die Oberneulander Reiterfamilie Forkert hat aus einem kleinen Turnier ein echtes Event gemacht, auch an diesem Sonntag pilgern bis zu 4000 Besucher auf die Reit-Anlage und verfolgen, wer den Großen Preis gewinnt.
11.05.2019, 19:08
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Erfolgsgeschichte am Rosenbusch
Von Mathias Sonnenberg
Erfolgsgeschichte am Rosenbusch

Besonders das familiäre Ambiente des Turniers in Oberneuland hat es vielen Reitern seit Jahren angetan.

Anne Werner

Als das Handy klingelt, muss Esther Forkert kurz das Gespräch unterbrechen. „Meine Tochter“, sagt sie. Es geht um den ­Muttertag und ob denn jetzt am Sonnabendnachmittag noch ein Blumenladen geöffnet habe. „Ich glaube nicht“, sagt die Mutter zur Tochter. „Aber dann pflücken wir hier welche, das geht schon.“ Ruckzuck ist das Telefonat und Problem erledigt. Typisch für Esther Forkert, die an diesem Wochenende Turnier-­Organisatorin, Reiterin und Kümmerin in einer Person ist. „Ist ganz schön was los“, sagt sie und lacht.

Neben ihr steht Jörn Forkert. Er ist der Schwager, Vorsitzender des RC Rosenbusch und zu großen Teilen dafür verantwortlich, dass hier an der Oberneulander Straße alles reibungslos abläuft. Das riesige Areal liegt fast ein wenig versteckt abseits der Straße. Und wer eine Sekunde nicht aufpasst, ist schnell an der Einfahrt zum RC Rosenbusch und Reit-Anwesen der Familie Forkert vorbei gefahren. „An 361 Tagen im Jahr ist es uns ganz recht, dass wir hier so abseits liegen“, sagt er. Aber an den vier anderen Tagen sollen sie strömen, die Pferde-Fans und Reiter, die das Turnier zu etwas ganz Besonderem machen.

Ein überschaubarer Anfang im Jahr 2005

Und so werden auch an diesem Sonntag wieder bis zu 4000 Besucher auf die Reit-Anlage der Familie Folkert pilgern und verfolgen, wer den Großen Preis gewinnt und die 10 000 Euro Preisgeld. Aus einem kleinen, überschaubaren Reit-Turnier ist in den vergangenen 14 Jahren ein echtes Event geworden, das Olympiasieger und Weltmeister nach Oberneuland bringt. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis? Rolf-Göran Bengtsson, Olympiasieger und erfolgreicher Springreiter, sagt: „Es ist gemütlich, aber professionell. So möchte man es als Reiter haben.“ Jörn Forkert kann das nur unterstreichen. Er kennt die Anfänge des Turniers, schließlich war er einer der Initiatoren.

2005 wurde der RC Rosenbusch gegründet, Forkert ist seitdem erster Vorsitzender, seine Frau Kassenwartin, Bruder Hergen zweiter Vorsitzender. Marten Forkert, der zweite Bruder, ist Platz-Organisator, Schwägerin Esther kümmert sich um alles andere. Wenn der RC Rosenbusch (66 Mitglieder) eine Vorstandssitzung hat, „dann ist das eigentlich eine Familiensitzung“, sagt Jörn Forkert.

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Alle zusammen haben sie 2005 mit einem kleinen Turnier angefangen, auf einem überschaubaren Platz, einem kleinen Zelt, einem geliehenen Richterturm und einen Stromgenerator, damit zumindest Musik und Ergebnisse aus den Lautsprechern kamen. Aber dabei blieb es nicht. „Marten, Hergen und Esther sehen das Jahr über viele Turniere, da bringen sie immer neue Ideen mit“, sagt Jörn Forkert, der selbst nicht mehr reitet. Als Internist springt er beim Turnier als Arzt ein, falls sich ein Reiter verletzen sollte. „Aber bislang ist noch nie was Schlimmeres passiert.“

Groß ist das Turnier geworden, über 220 Reiter aus 15 Nationen sind in diesem Jahr am Start. „Aber dieser familiäre und damit ganz spezielle Charakter, der hat sich nicht verändert. Und den genießen hier alle“, sagt Jörn Forkert. Dafür braucht es viele Helfer. Viele kommen aus der Nachbarschaft, einige weisen die Autos auf die Parkplätze ein, andere kümmern sich um die Stallzelte mit den 150 Gastboxen. „Mit zehn Helfern haben wir begonnen, heute sind es über 40“, sagt Forkert. Viele seien ehrenamtlich dabei, teilweise schon seit 14 Jahren.

"Wir verknüpfen hier Reitsport und Wirtschaft"

„Für einen Problemstadtteil kann persönliches Engagement hier in Oberneuland erstaunlich viel bewegen“, sagt Forkert und grinst. Ein Seitenhieb auf Bürgermeister Carsten Sieling, der unlängst den Stadtteilen Oberneuland und Schwachhausen indirekt zu wenig Bürgerbeteiligung attestierte. Der Bürgermeister oder einer der Senatoren hätten sich hier trotz Einladung noch nie blicken lassen. Und auf finanzielle Unterstützung setze man auch nicht. Deshalb, sagt Forkert, „machen wir unser eigenes Ding“.

Der Abreiteplatz hat optimale Bodenbedingungen, der Springplatz auch am Sonnabend nach über 500 Startern nicht viel von seinem satten Grün verloren. Das Catering haben die Forkerts längst vergeben, rund um die Plätze stehen viele kleine Zelte, in denen Sponsoren ihre Produkte anbieten. „Wir verknüpfen hier Reitsport und Wirtschaft“, sagen die Organisatoren. Und so endet der Sonnabend jetzt immer mit einem Gala-Abend im Festzelt. „Das ist kein VIP-Abend, sondern ein Fest, bei dem Reiter, Helfer, Gäste und Sponsoren zusammen kommen, um gemeinsam zu feiern“, sagt Esther Forkert. Und das können Reiter ja bekanntlich außerordentlich gut.

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