Bilder aus 70 Jahren

Expressionistische Landschaften

Ausstellung in der Galerie Mönch zeigt Werke des im Frühjahr verstorbenen Künstlers Dietmar Lemcke
16.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Silja Weißer

Alles kam anders als gedacht. Anfang des Jahres war die Ausstellung mit Dietmar Lemcke in der Galerie Mönch angedacht. Dann kam Corona dazwischen. Das Galeristenpaar Christine und Jochen Mönch verwarf seine Pläne, verschob die Eröffnung auf Anfang November, doch den Herbst sollte der Künstler nicht mehr erleben. Er verstarb im Februar, kurz nach seinem 90. Geburtstag.

Seine Kunst überdauert. Sie befindet sich in großen Museen, im New Yorker MoMa, in der Berlinischen Galerie, in der Kunsthalle Bremen und nun auch für einige Wochen in der Galerie Mönch in Oberneuland. Zum vierten Mal sind Arbeiten von Lemcke in dem denkmalgeschützten Hofmeierhaus im Heinekens Park zu sehen. „Hier in der Umgebung hängen einige seiner Werke in den Häusern“, berichtet Jochen Mönch über eine regelrechte Fangemeinde in Oberneuland.

Mit großformatigen Landschaften und Stillleben, Ölbildern und Aquarellen aus 70 Jahren zeigt er einen Querschnitt des Berliner Künstlers, der Jahrzehnte lang an der Hochschule für Bildende Künste als Professor für Malerei tätig war. Skulpturen von sieben verschiedenen Bildhauern, die ebenfalls in der Galerie Mönch ausgestellt wurden, lockern die kleine Retrospektive auf. Manche von ihnen kommunizieren mit den Bildern und den Besuchern, so wie Eberhard Szejsteckis kleine Bronze. Sie reckt gleich eingangs ihren Kopf um die Ecke und scheint neugierig zu beäugen, wer eintritt.

Manche der Bilder, die ausschließlich aus der privaten Sammlung des Ehepaares Marianne und Dietmar Lemcke stammen, sind zuvor noch nie der Öffentlichkeit präsentiert worden. Sie alle vereint eine Handschrift. Selbstbewusst, mit sicherer Strichführung, starken Kontrasten und dunklen Umrisslinien übersetzt Lemcke Landschaften und Gegenstände in seine ganz eigene Bildsprache. Da können Berge und Felder blau sein, Wolken gelb oder ein Berg Pfirsiche überdimensioniert groß in leuchtend Orange dem Betrachter durch die starke Aufsicht fast entgegenkullern. Großzügige, vereinfacht wiedergegebene Formen und große Flächenzonen bestimmen die Kompositionen. Innerhalb der Kontur entfalten die Farben jedoch ihr Eigenleben. Inspiriert von Landschaften in der Provence oder anderen Gebieten im Süden, in denen das Licht eine besondere Farbigkeit unterstreicht, verliert sich der Künstler nicht in Details, sondern arbeitet das Charakteristische der Ansichten heraus. Dabei konstruiert er seine eigene abstrakte Interpretation der Wirklichkeit.

Die Farb- und Formensprache hat expressiven Charakter, geprägt durch seine Lehrer. Der Maler und Grafiker studierte bei Karl Schmidt-Rottluff und Karl Hofer an der Hochschule für Bildende Künste. Zu der Zeit als Fernand Léger Direktor an der der Académie de Montmartre in Paris war, absolvierte Lemcke dort ein einjähriges Stipendium.

Durch Zufall stieß Jochen Mönch vor etlichen Jahren in Berlin auf Lemckes Kunst. Galerist und Künstler waren sich sofort einig, dass die großen Formate und der Kabinettcharakter der Ausstellungsräume nicht im Widerspruch stehen, sondern eine reizvolle Art der Präsentation ermöglichen. Ganz im Sinne der Expressionisten, die Betrachter mit der Kunst emotional zu bewegen und unmittelbar anzusprechen, findet eine sehr intime Auseinandersetzung mit den Bildern statt.

Gedränge bei der Betrachtung ist zudem ausgeschlossen. Ein Besuch der kleinen Schau ist coronabedingt nur nach telefonischer Anmeldung unter der Nummer 25 66 52 möglich. Die Ausstellung läuft mindestens bis Weihnachten. Eine Verlängerung ist laut Jochen Mönch nicht ausgeschlossen.

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