Streichung von In-Jobs trifft das Schulzentrum Rockwinkel Fahrradstation droht das Aus

Oberneuland. Schüler, Lehrer und Eltern sind sich einig: Die drei Mitarbeiter bei der Fahrradstation am Schulzentrum Rockwinkel machen gute Arbeit. Doch Michael Krüger, Sven Borchers und Peter Dauelsberg verlieren sehr wahrscheinlich zum Jahresanfang 2011 ihren Job.
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Fahrradstation droht das Aus
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Schüler, Lehrer und Eltern sind sich einig: Die drei Mitarbeiter bei der Fahrradstation am Schulzentrum Rockwinkel machen gute Arbeit. Michael Krüger, Sven Borchers und Peter Dauelsberg prüfen regelmäßig die Verkehrssicherheit der Räder und beugen damit Unfällen und Verletzungen vor. Auch die Zahl der Diebstähle ist durch ihre Präsenz zurückgegangen. Doch trotz dieser wichtigen Aufgaben verlieren sie sehr wahrscheinlich zum Jahresanfang 2011 ihren Job.

Weil der Bund bei den Langzeitarbeitslosen ein neues Konzept verfolgt und Mittel umschichtet, steht Bremen 2011 für Qualifizierungsmaßnahmen weniger Geld zur Verfügung. Es geht um fünf bis acht Millionen Euro. Im Vergleich zum riesigen Sozialhaushalt ist das zwar eine verhältnismäßig kleine Summe. Die Einschnitte treffen aber die sogenannten In-Job-Stellen. Langzeitarbeitslose können sich dabei zum regulären Hartz-IV-Satz pro Stunde 1,20 Euro dazuverdienen. Finanziert wird die Maßnahme aus mehreren Töpfen, unter anderem von der Agentur für Arbeit, der Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales (Bagis) und vom Europäischen Sozialfonds. Auch das SZ Rockwinkel zahlt jährlich 900 Euro dazu.

"Es geht vordringlich darum, die Teilnehmer wieder an regelmäßige Arbeit zu gewöhnen und ihrem Leben wieder einen Sinn zu geben", sagt Friedrich Buse, Projektleiter der Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (WaBeQ). Seit 2005 unterhält sie Fahrradstationen an 13 Bremer Schulen und hat in diesem Zeitraum rund 50 Teilnehmer qualifiziert.

Ziel der Maßnahme ist, die Erwerbslosen wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Können die Etatkürzungen nicht aus anderen Töpfen aufgefangen werden, stehen nicht nur Krüger, Borchers und Dauelsberg wieder vor dem beruflichen Aus. Insgesamt würden bei den Fahrradstationen 40 In-Job-Stellen wegfallen. Und nicht nur das. Von den 70 Angestellten der WaBeQ verlieren wohl mindestens 16 zum kommenden April ihre Stelle. "Im schlimmsten Fall müsste der Träger ganz schließen", befürchtet Buse, dessen Arbeitsplatz auch von den Kürzungen betroffen ist. Bremenweit droht von 3000 In-Job-Plätzen die Hälfte wegzufallen. Buse gibt die Hoffnung auf finanzielle Nachbesserungen noch nicht auf, an eine Rettung in letzter Minute glaubt er jedoch kaum noch.

Schüler und Lehrer des Schulzentrums Rockwinkel wollen nicht abwarten und auf ein Wunder hoffen. Sie haben bereits insgesamt rund 650 Unterschriften gesammelt, die sie Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) mit der Bitte um finanzielle Hilfe übergeben wollen. "Die Arbeit der Fahrradstation kommt sehr gut an, und wir hoffen, dass sie irgendwie erhalten werden kann. Sie ist ein Bestandteil unserer Schule geworden", sagt Schulleiterin Irene Kogel.

Schüler bieten Obolus an

Von den rund 1000 Schülern am SZ Rockwinkel fahren 800 regelmäßig mit dem Rad zum Unterricht. Wie groß der Rückhalt der drei Männer in der Schülerschaft ist, zeigt ein Brief der Klasse 5d an die Schulleitung: Darin bieten die Schüler an, jeden Monat einen Obolus (jeweils ein Euro) zu bezahlen.

Peter Dauelsberg macht vor allem die Arbeit mit den Schülern Spaß. Der gelernte Werkzeugmacher hat in seinem Leben alle möglichen Jobs gemacht. Seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren hat er aber kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Das ist eine sinnvolle Tätigkeit, keine Beschäftigungstherapie", betont der Horner. Im Gespräch geben sich die Männer zwar zuversichtlich. Projektleiter Friedrich Buse aber weiß: Der Verlust ihrer Jobs wäre für die Drei von der Fahrradstation "eine Katastrophe".

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