Fußballer steigen in Regionalliga Nord auf

Die etwas andere Meisterfeier des FC Oberneuland

Mit der Meisterschaft feiert der FC Oberneuland auch den Aufstieg in die Regionalliga Nord. So richtig feiern konnten die Fußballer aus der Bremen-Liga ihren Aufstieg aber nicht.
07.06.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye
Die etwas andere Meisterfeier des FC Oberneuland

Ein Team, eine ­Botschaft: Bei der ­coronabedingt ­vorgezogenen ­Meisterfeier nutzten die Spieler des FC Oberneuland die ­Gelegenheit, um mit einem ­kollektiven Kniefall ein deutliches ­Zeichen gegen ­Rassismus zu setzen.

Festlich war es nicht. Eher ganz normal. „Die sollen von meinem Rasen runterkommen, die Strolche“, meinte Wolfgang Barck. Er ist Platzwart des FC Oberneuland, und die Strolche, das waren vier Spieler, die sich vor einem Tor des FCO-Stadions die Bälle zuspielten. Rund eine Stunde zuvor waren sie und ihre Kollegen als Meister der Bremen-Liga geehrt worden. Nur merkte man das angesichts der wenig ausgelassenen Stimmung nicht so richtig. Als ein „bisschen gekünzelt“ empfand Trainer Kristian Arambasic die Veranstaltung; sein Keeper Hannes Frerichs fasste die Übergabe schulterzuckend mit nur einem Wort zusammen: „anders“. Nein, schön war es nicht, was sich da vor der kleinen Tribüne abgespielt hatte. Zwar blickte die Sonne immer mal wieder durch die dichte Wolkendecke. Aber es fehlte etwas. Es fehlte der ­Fußball.

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Doch so ist das eben in Zeiten von Corona: Eine Kontaktsportart hat es schwer, sie ist einfach keine gute Idee angesichts einer Pandemie. Deshalb ruhte der Spielbetrieb seit dem vergangenen März, und deshalb gab es auch keine sportliche Entscheidung. Erst am Donnerstag war auf einen außerordentlichen Verbandstag des Bremer Fußball-Verbandes der Abbruch aller Ligen beschlossen worden. Für die Bremen-Liga bedeutete dies: Nachdem die Abschlusstabelle per Quotienten-Regelung ermittelt wurde, ging der Titel an den FC Oberneuland, der die Liga ja auch anführte. „Ihr habt da schon einen deutlichen Abstand“, meinte BFV-Präsident Björn Fecker vor Übergabe der Meisterschale.

Die meisten Treffer erzielt

Die Oberneulander holten 2,68 Punkte im Schnitt und lagen damit klar vor dem Zweiten TuS Schwachhausen (2,40). Zudem erzielte keine Mannschaft mehr Treffer, und es kassierte auch keine weniger; die Tordifferenz sprach also ebenfalls klar für den FCO. Doch was immer der Präsident auch versuchte – so richtig wollte kein Überschwang aufkommen. Aber es ging ja auch gar nicht um eine Rechtfertigung der Entscheidung. Denn Zweifel, dass der FC Oberneuland verdient zum Meister gekürt wurde, bestehen eigentlich nicht. Aber Fußballer wollen gern aktiv sein, bevor sie eine Schale in die Höhe reißen. „Es ist schon schöner, nach dem letzten Spiel geehrt zu werden“, fand Denis Nukic.

Mit dem Innenverteidiger verbindet sich aber auch ein ganz anderer, nicht minder wichtiger Aspekt: Im Trikot des Bremer SV hatte Nukic in den vergangenen Jahren allein dreimal die Meisterschaft in der Bremen-Liga gewonnen. Danach war sein Team dann zur Aufstiegsrunde in die Regionalliga angetreten, hatte den Gang in die vierte Spielklasse aber jeweils verpasst. Das kann Denis Nukic diesmal nicht passieren, verzichtet die ebenfalls abgebrochene Regionalliga doch auf jegliche Qualifikation und nimmt gleich fünf Teams auf – auch den FC Oberneuland. „Wenn man es nach der Aufstiegsrunde schafft, ist das ein noch schöneres Gefühl, aber wir nehmen den Aufstieg dankbar mit“, meinte Nukic. Er weiß eben aus eigener Erfahrung, wie bitter es laufen kann.

Fußball Bremen Liga - Meisterfeier FC Oberneuland, Feier auf Abstand

Oberneuland-Kapitän Daniel Block stemmte die Meisterschale in den Himmel.

Foto: Frank Thomas Koch

Obwohl der FCO in dieser Saison einen stabilen Eindruck hinterlassen hatte, wäre damit keine Garantie auf den Aufstieg verbunden gewesen – als Laufkundschaft gelten die eigentlichen Gegner Phönix Lübeck (Schleswig-Holstein) und Teutonia Ottensen (Hamburg) jedenfalls nicht. Nukic: „Wir hatten mit dem BSV eigentlich auch immer eine Mannschaft, die die Fähigkeiten für die Regionalliga besaß.“ So gesehen verbarg sich hinter der etwas freudlosen Meisterehrung doch ein sehr freudiges Ereignis. „Vielleicht ist das noch viel wichtiger: Es gibt hier nun wieder Regionalliga zu sehen“, hatte Björn Fecker denn auch in seiner „Meister-Rede“ betont.

Etwas Jubel

Danach begaben sich die FCO-Kicker von ihren eigens markierten Tribünenplätzen hinter die eigens platzierten Hütchen auf dem Rasen – und Kapitän Daniel Block konnte endlich die Schale entgegennehmen. Etwas Jubel brandete auf, als der Spielführer die Trophäe daraufhin gleich mehrfach hochriss, um auch möglichst viele Fotomotive zu bieten. Dann zog sich der Himmel auch schon wieder zu, und die meisten Spieler eilten in die Kabine.

Wolfgang Barck blieb draußen und wachte über die Spielfläche. Er wurde durch den Abbruch übrigens auch um einen persönlichen Höhepunkt gebracht. Denn eigentlich sollte der Platzwart im letzten Saisonspiel gegen den SV Werder III eingewechselt werden, für etwa fünf Minuten. „Ich hätte es gemacht, wenn alles klar gewesen wäre“, erinnerte Trainer Kristian Arambasic noch einmal an die vor Wochen getroffene Absprache. Dabei waren Wolfgang Barck bereits erste Zweifel gekommen: „Fünf Minuten rumstehen kann ich, aber die rennen mich doch über Kopp.“ Ob er es wirklich gemacht hätte, blieb also unklar. Sicher ist dagegen, dass sich Barck derzeit um seinen Rasen sorgt: „Er ist gerade im Wachstum.“ Der FCO ja irgendwie auch.

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Zur Sache

Auch die U19 steigt auf

Die Ehrung der 1. Herren war nicht der einzige „Festakt“ beim FC Oberneuland: Rund zwei Stunden vor dem Bremen-Liga-Meister war der U19 des Vereins die Schale für den Titel in der Bremer Verbandsliga überreicht worden. Dabei hatte der Bremer Fußball-Verband allerdings nicht die Quotienten-Regelung herangezogen. Auf dem Verbandstag am Donnerstag war nämlich beschlossen worden, die Meisterschaft in den Juniorenligen durch die sogenannte Winterrunde zu ermitteln. Diese hatte der Nachwuchs des FCO relativ klar vor dem Blumenthaler SV für sich entschieden. „Sie waren seit dem fünften Spieltag dauerhaft Erster“, meinte der BFV-Präsident anerkennend. Eine Parallele zur Herrenmannschaft gibt es allerdings: Auch die U19 des FCO steigt nun in die Regionalliga auf.

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