Beirat Oberneuland

Filialplanung der Sparkasse stößt auf Skepsis

Bargeld könnte in Oberneuland bald nur noch am Automaten zu haben sein. denn die Sparkasse stellt sich dort neu auf. Das passt nicht jedem im Stadtteil.
30.11.2018, 18:12
Lesedauer: 4 Min
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Von Antje Noah-Scheinert
Filialplanung der Sparkasse stößt auf Skepsis
Fabian Sommer / DPA

Die Sparkasse Bremen stellt sich neu auf. Und das wird sich auch auf den Stadtteil Oberneuland auswirken. Laut Plan wird es ab 2020 keine Filialen mit Ansprechpartner vor Ort im Stadtteil mehr geben. Auf der Sitzung des Beirats Oberneuland sorgte dieser dritte Tagesordnungspunkt für reichlich Diskussion. Als Leiter des Marktbereichs Horn/Lehe und somit auch Oberneuland kam Marc Erigson, um den teilnehmenden Bürgern das neue Konzept der Sparkasse zu erklären. Tatsache für die Bewohner: Die Berater aus der Filiale Apfelallee werden im Sommer kommenden Jahres in den neuen Standort im Mühlenviertel umziehen, die aus der Filiale Mühlenfeldstraße folgen in ein bis zwei Jahren. Beide Standorte bleiben – ohne Bankschließfächer – als Automatenfilialen bestehen.

„Wir werden die Digitalisierung nicht aufhalten“, argumentierte Marc Erigson. Online- und Mobile-Banking würden sehr gut angenommen. So gut, dass in der Filiale Mühlenfeldstraße im Schnitt nur fünf bis acht Kunden pro Tag noch nach Bargeldauszahlungen gefragt hätten. „Deswegen ist die Filiale bereits seit Sommer ohne Kasse, wohl aber noch mit Beratungen“, erklärt der Sparkassenbetriebswirt. Im Vergleich, merkte er an, gäbe es zwischen 150 und 180 Kontobewegungen in der Filiale Berckstraße. „Der persönliche Kontakt ist uns wichtig“, versprach Marc Erigson. „Die Ansprechpartner beider Filialen ziehen ins Mühlenviertel.“ Das allein schien kein Trost für die Oberneulander. Uwe Bornkessel merkte an, dass die Sparkasse dem Stadtteil etwas wegnähme und in den Nachbarstadtteil ziehe. „Bei jeder Bank hätte ich das verstanden, bei der Sparkasse finde ich das schade“, führte er aus. „Wir sind Marktführer und an 90 Standorten vertreten“, konterte der Banker selbstbewusst und wies darauf hin, dass die Sparkasse vier Millionen Euro ausgäbe, um Kultur und Initiativen für alle Bürger zu unterstützen. So soll auch die Stadtteilfiliale im Mühlenviertel nicht nur Bank, sondern auch Begegnungszentrum sein.

Bargeld per Bote

Den Sorgen, dass ältere Mitbürger vielleicht nicht mobil genug seien, um sich auf den Weg in Mühlenviertel zu machen, begegnete Erigson mit einem Hinweis auf das 24-Stunden-Service-Telefon. Per Hotline könne unter der Telefonnummer 17 90 an jedem Tag und zu jeder Stunde jegliches Bankgeschäft getätigt werden – von der Umbuchung bis zum Bargeldservice. Das Bargeld wird dann per Bote direkt nach Hause geliefert. Gegen eine Gebühr von neun Euro. „Das kann man im Supermarkt auch günstiger bekommen“, kam der Kommentar aus dem Publikum. „Setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wir werden eine adäquate Lösung finden“, sagte Marc Erigson – denkbar seien auch Computer-, Tablet- oder Smartphone-Schulungen.

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Einer digitalen Zukunft sehen sich auch der Beirat und das Ortsamt gegenüber. „Wir müssen uns in Social Media besser aufstellen“, lautet die Devise. Gemeinsam mit dem Jugendbeirat und einem Experten wird ein Marktplatz Oberneuland geplant. „Wir sind froh, dass wir die jugendlichen Experten an unserer Seite haben“, sagte Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop. Diese hatten sowohl ihr als auch Jens Knudtsen versichert, dass der jetzige Auftritt „gar nicht geht“. Für den Anfang werden 2000 Euro der Globalmittel für die Social-Media-Planung genehmigt. Weitere Globalmittel verteilte der Beirate an die DLRG zur Einzäunung der Anlage am Achterdieksee (1700 Euro), 5000 Euro erhält die Lür-Kropp-Hof-Stiftung für Pflasterarbeiten vor dem Haupteingang. 6600 Euro an Globalmitteln stiftet der Beirat dem Förderkreis Overnigelant für drei Parkbänke. Alle Anträge auf Globalmittel wurden einstimmig angenommen.

Weniger Zustimmung gab es bei der Beschlussfassung zu den Tempo-30-Maßnahmen. Dass an der Oberneulander Heerstraße auf Höhe des Kindergartens Sternschnuppe das Tempo gedrosselt werden soll, fand allgemein Zustimmung. Kopfschütteln und den Ausruf „das ist idiotisch“ allerdings der zweite Ort: Die Rockwinkeler Landstraße ab Wendekreis Lür-Kropp-Hof. Da gab es sechs Gegenstimmen, eine Enthaltung und zwei Zustimmungen.

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Einen weiteren Beschluss fasste der Beirat: Er beantragte die Änderung des Bebauungsplans am Achterdieksee, damit eine Wakeboard-Anlage geplant werden kann. „Das heißt noch nicht, dass die Entstehung der Anlage in greifbare Nähe gerückt ist“, machte der Ortsamtsleiter deutlich. Es müssten noch weitere Hürden genommen werden. Sicher sei aber, dass der Beirat hinter der Idee stehe, den Stadtteil für Jugendliche interessanter zu gestalten. Tamina Kreyenhop konnte bestätigen, dass auch die Beiräte von Osterholz und der Vahr hinter der Idee stünden. Sie selbst erinnerte an die Skater-Anlage, die vor einigen Jahren angedacht wurde, und möchte diese Idee ebenfalls wieder mit ins Rennen schicken.

Gegenwind für alte Linienführung

Jens Kundtsen nutzte die Beiratssitzung, um sich bei dem Beirat und dem Publikum für die konstruktive Arbeit in den vergangenen dreieinhalb Jahren zu bedanken. „Ich werde zum 1. Februar ausscheiden und möchte mich für diese Zeit und dieses Ehrenamt bedanken“, sagte er und versprach in einer Sache aber noch schnellstmöglich aktiv zu werden: Die BSAG möchte weiterhin an ihrem Plan festhalten und mit dem neuen Fahrplan nach der Fertigstellung des Tunnels die alte Streckenführung der Linien 33 und 34 wieder einführen. „Wir sind entschieden dagegen und das werden wir noch einmal zum Ausdruck bringen.“ Bei der letzten Beiratssitzung im Jahr am 11. Dezember wird sich der künftige Ortsamtsleiter zur Wahl stellen. Dem wünscht Jens Knudtsen schon jetzt, dass er so gut aufgenommen wird, wie er seinerzeit. In den politischen Ruhestand verabschiedet sich mit Ende der Legislaturperiode auch Heinz-Rüdiger Warnke. Als junger Spross habe er begonnen, habe viel erlebt und bewegt und nun sei es gut.

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