Austauschschüler kochen im Schulzentrum Rockwinkel gemeinsam mit ihren Gastgebern Frikadellen sind für junge Franzosen neu

Oberneuland. Ein kurzer Moment der Überwindung, doch dann steckt Theo seine Hände in die kalte, feuchte Masse aus rohem Hackfleisch und Zwiebeln. Während er mit dem Manschen und Kneten beginnt, nimmt David ein Ei, schlägt die Schale am Rand der Schüssel auf und lässt den Inhalt in die Mischung plumpsen. "Zu Hause in Frankreich koche ich auch manchmal", erzählt David. "Aber nur Crepes."
10.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Frikadellen sind für junge Franzosen neu
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Ein kurzer Moment der Überwindung, doch dann steckt Theo seine Hände in die kalte, feuchte Masse aus rohem Hackfleisch und Zwiebeln. Während er mit dem Manschen und Kneten beginnt, nimmt David ein Ei, schlägt die Schale am Rand der Schüssel auf und lässt den Inhalt in die Mischung plumpsen. "Zu Hause in Frankreich koche ich auch manchmal", erzählt David. "Aber nur Crepes."

Frikadellen - davon haben die 16 französischen Schüler aus der kleinen Stadt Martignas bei Bordeaux noch nie etwas gehört. Noch bis morgen sind sie zu Gast im Schulzentrum Rockwinkel. Neben dem Besuch von Roland und Bremer Stadtmusikanten gehört auch die traditionelle norddeutsche Küche auf den Plan. "Wir haben überlegt, was wir ihnen zumuten können. Jugendliche in dem Alter sind ja sehr wählerisch", sagt Französischlehrerin Susanne Wigger. Labskaus sei zwar ein norddeutscher Klassiker, aber diese geheimnisvolle rötliche Masse wollte man den Gästen dann doch nicht zumuten. Braunkohl - zu aufwendig. "Wir sind dann auf Frikadellen mit Bratkartoffeln gekommen, das geht eigentlich immer", ergänzt Referendarin Valérie Sinn-Wittchow.

Sechs Kilo Hackfleisch sowie etliche Zwiebeln, trockene Brötchen, Eier und Gewürze wurden in der Schulküche verarbeitet, um die hungrigen Mägen zu füllen. Beim Vorbereiten und Kochen der unbekannten Frikadellen waren die französischen Schüler mit Eifer bei der Sache. An den vergangenen Tagen hatten sie ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm absolviert. So lernten sie die Innenstadt kennen und besuchten das Universum. "Bremen ist eine schöne Stadt. Wir sind hier sehr freundlich aufgenommen worden", lobt der 14-jährige David. Auf einem Ausflug nach Hamburg unternahmen die Schüler eine Hafenrundfahrt, besuchten die dortige Kunsthalle sowie eine Musicalaufführung. Täglich stand auch "ein bisschen Unterricht" auf dem Programm. Allerdings nur wenig, wie Susanne Wigger erzählt. "Nicht den ganzen Tag, das wäre für sie zu anstrengend."

Der Schüleraustausch des SZ Rockwinkel mit dem französischen College Aliénor d?Aquitaine besteht seit 30 Jahren und ist damit der älteste der Schule. Möglicherweise ist die Zukunft des Austausches gefährdet. "Bei uns gibt es schon in der Mittelstufe eine starke Französisch-Fraktion. In Frankreich wird das Interesse an der deutschen Sprache aber immer geringer", berichtet Susanne Wigger. Nur noch wenige Schüler wollten Deutsch lernen. Ein Grund sei, dass Spanisch in französischen Schulen stark im Kommen sei. Mit dieser Entwicklung wollen sich die Lehrer am Schulzentrum Rockwinkel jedoch nicht abfinden. Sie versuchen, ihren Einfluss geltend zu machen, damit der Austausch weitergeht.

Denn von dem Sinn ist Susanne Wigger mehr denn je überzeugt. Sie ist zum ersten Mal als Lehrerin dabei und sieht dabei viele positive Effekte.

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