Oberneuland

Beständigkeit und Ruhe in Doppelausstellung der Galerie Mönch

Stillleben und Landschaften in realistischer Manier sowie Keramikgefäße geben sich in dem kleinen Fachwerkhaus ein Stelldichein. Till Warwas und Martin McWilliam prägen die Doppelausstellung der Galerie Mönch .
16.09.2021, 16:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Silja Weißer

Beständigkeit und Ruhe. Diese Schnittmenge aus den Kunstwerken von Till Warwas und Martin McWilliam prägt die Doppelausstellung in der Galerie Mönch – und ist offensichtlich ein Publikumsmagnet. Stillleben und Landschaften in realistischer Manier sowie Keramikgefäße geben sich in dem kleinen Fachwerkhaus an der Oberneulander Landstraße ein Stelldichein. Mehr als 50 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Galeristenpaares Christine und Jochen Mönch. Die Eröffnungsrede von Künstler und Kunstwissenschaftler Dieter Begemann musste kurzerhand nach draußen verlegt werden.

Rund zwei Drittel der Arcrylarbeiten von Warwas sind neu, führen aber das fort, was den Bremer Künstler seit Jahrzehnten beschäftigt. Der 59-Jährige arrangiert Früchte, Gefäße und Blumen auf stoffbedeckten Tischen. Den Hintergrund schlicht gehalten, reizt ihn der Dialog der Stofflichkeiten von Gegenständen. Fotografisch genau gibt der Maler Spiegelungen auf einer Sake-Karaffe wieder, das Tuch darunter glaubt man fühlen können.

Simples wie offensichtliches Geheimnis des Künstlers

Warwas Geheimnis seiner handwerklichen Präzision ist genauso simpel wie offensichtlich. „Ich male genau das, was ich sehe“, sagt er. Jede kleinste Erhebung, minimale Reflexe und Spiegelungen gibt er mit fotografischer Genauigkeit wieder.

Auf seiner Beobachtungsgabe ruht sich der Künstler nicht aus. Mit ungeduldigen Modellen in seinen Bildern liefert er sich wahre Wettläufe. Seien es Tulpen, die ihre Köpfe nach dem Licht neigen oder hängen lassen, Wolken in seinen Landschaftsbildern, die sich bilden und auflösen und Licht, das sich ändert. Warwas muss auf Tempo setzen und eine Verdichtung des Gesehenen erzeugen, Licht und Wasserbewegungen auf der Leinwand festhalten, auch wenn sie sich in stetigem Wandel befinden.

Einige seiner Naturdarstellung entstehen bei Besuchen in Kappeln an der nördlichen Ostseeküste bei seinem ehemaligen Lehrmeister Klaus Fußmann, der als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin tätig war. Andere fertigt er in Bremen und Umgebung.

Vielfach ausgezeichnet und weltweit ausgestellt

Viel in der Welt herumgekommen ist Martin McWilliam. Geboren in Kapstadt, verschlug es den Halbschotten nach Südwestengland. Auf Reisen durch Europa und nach Japan ließ er sich für seine Kunst inspirieren. Seine Holzbrandtechnik entstammt der japanischen Tradition. Seit fast 40 Jahren lebt und arbeitet der Künstler in der Nähe von Oldenburg. Für sein Werk, das er weltweit ausstellt, wurde er vielfach ausgezeichnet.

McWilliam fertigt Keramiken, die einen zwei Mal hingucken lassen. Seine Gefäße wirken wie Bilder im Raum. Scheibenartig entrücken sie der dritten Dimension, hin zu einer Leichtigkeit, die Vasen und Schalen ihrer Größe normalerweise nicht eigen ist. Wenn McWilliam bei einem Objekt die Oberfläche mit einem stumpfen Sägeblatt bearbeitet, dann habe ihn das Material herausgefordert, erläutert der 64-Jährige. Seine Arbeit sei von einer kontemplativen Stimmung geprägt, von einer stetigen Auseinandersetzung mit dem Material während des Schaffensprozesses.

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Angeregt durch archäologische Funde macht der Künstler auch den Bruch der Arbeiten erkennbar. Halbierte oder durch Glasscheiben sezierte Vasen wirken wie in Szene gesetzte Scherben, die McWilliam zu einem Ganzen zusammenfügt. Der Sockel wird dabei zum Teil der Werke gemacht. Er gibt den nahezu zweidimensionalen Arbeiten ihren Halt.

Einfachheit der Formen, Farben und Materialien verbindet die Künstler

In Japan habe man bei einer Schau Blumen in seine Vasen gesteckt, erzählt er schmunzelnd. Das passe dort zur Kultur und habe wie selbstverständlich gewirkt. Hier spreche das Kunstwerk für sich und bedarf keiner Funktion, meint McWilliam und führt aus: „Ich benutze ja auch keinen Türstopper für ein paar tausend Euro.“ Der Betrachter soll einfach nur hinschauen, sich faszinieren lassen und sich durch die Skulpturen auf das Umhüllen und Aufbewahren, das Präsentieren und Anbieten rückbesinnen, wünscht er sich.

Die Kunst, sich auf die Einfachheit von Formen, Farben und Materialien einzulassen, verbindet Warwas und McWilliam. „In der digitalen Welt auf dem gemalten Bild zu beharren, ist eine Setzung“, betont Begemann in seiner Einführung. Gleiches gilt für McWilliams Kunst. Er wertschätzt das Gefäß als Urform menschlicher Gestaltung und hebt es durch die angedeutete Zweidimensionalität hervor. Aufgeregte Effekte, schrille Farben oder abstrakte Formen brauchen beide Künstler nicht. Die Schau ist auch so absolut sehenswert.

Info

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Oktober in der Galerie Mönche, Oberneulander Landstraße 153 zu sehen. Geöffnet ist sonntags von 16 bis 19 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung. Anmeldung unter 0421/25 66 52.

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