Ausstellung in der Galerie Mönch

Ein Wechselspiel aus Farben und Formen

Die Galerie Mönch zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung Werke der Malerin Julia Steinberg und des Bildhauers Peter Hermann.
05.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Silja Weißer
Ein Wechselspiel aus Farben und Formen

Julia Steinberg gestaltet grafisch strukturierte Ölbilder mit kontrastierenden Farben. Boote sind dabei immer wieder ein Hauptthema, das sie in ihren Arbeiten behandelt.

PETRA STUBBE

Kommen sie oder kommen sie nicht? Die Blicke von Jochen Mönch wandern immer wieder Richtung Eingang. Unruhig geht der Galerist aus den Ausstellungsräumen im Fachwerkhaus an der Oberneulander Landstraße unter das säulengetragene Vordach.

Die Sorge ist begründet. Zur ersten Schau in Corona-Zeiten kam vor ein paar Monaten nur eine Hand voll Besucher. Der Künstler selbst reiste nicht an. Zu groß war die Unsicherheit. Für das Galeristen-Paar Christine und Jochen Mönch ein Trauerspiel in der 40-jährigen Geschichte des Ausstellungshauses.

Doch diesmal wurden sie nicht enttäuscht. Zahlreich machten sich Kunstinteressierte zur Vernissage der Malerin Julia Steinberg und des Bildhauers Peter Hermann auf den Weg – einen Weg, der sich lohnt. So grundverschieden die Werke der Beiden sind, so anregend ist das Wechselspiel ihrer Arbeiten. Eine klare künstlerische Handschrift durchzieht sowohl die farbintensiven Ölmalereien Steinbergs als auch die bemalten Bronze- und Holzfiguren Hermanns. Mutige Kontraste auf der Fläche begegnen selbstbewussten Posen im Raum. Der Untertitel, „Cordial Meeting“ (herzliches Treffen), bezieht sich jedoch nicht auf die treffende Auswahl der Ausstellungsmacher, sondern auf den seltsamen Zufall, dass Steinberg und Hermann bereits einmal zusammen ausgestellt haben, vor zehn Jahren in Frankfurt.

Große Köpfe und kurze Beine

Hermanns Figuren empfangen die Besucher vor der Galerie, oder besser: Sie stellen sich ihnen auf Sockeln in den Weg. Ein 36 Zentimeter großer Kerl in Bronze starrt in die Luft, den Kopf in den Nacken geworfen. „Der Himmel fängt am Boden an“ besagt der Titel der Arbeit. Der „Große Boxer“, geschickt illuminiert in einer Fensternische, blickt starr am Betrachter vorbei, die roten Fausthandschuhe an der Hosennaht. Die Skulpturen haben große Köpfe, kurze Beine und stehen ohne Gewichtsverlagerung, felsenfest, frontal. Sie bleiben für sich, suchen weder Interaktion noch Aufmerksamkeit. Die Gesichtsmuskeln sind ohne Regung. Was in ihnen vor sich geht, verrät Hermann nicht. „Ich halte mich zurück“, meint er und sagt: „Da bin ich auch zu viel selbst mit drin.“

Der gelernte Steinbildhauer, ehemals Meisterschüler von Professor Bernd Altenstein an der Hochschule für Künste in Bremen, identifiziert sich mit seinen Figuren. Vielleicht sei das der Grund, warum unter seinen 18 Exponaten nur eine weibliche Figur zu sehen ist, spekuliert er.

Galerie Mönch

Bildhauer Peter Hermann identifiziert sich mit seinen Figuren.

Foto: PETRA STUBBE

Seit mehr als 20 Jahren ist der 58-Jährige als Bildhauer in der Nähe von Stuttgart tätig. Das menschliche Thema begleitet ihn schon lange. Vieles sei der Beobachtung geschuldet, erzählt der Künstler. Wie bewegen sich Leute in der Stadt? Wie verhalten sie sich, wenn sie warten?

Neben den Bronzen führen Holzskulpturen das Thema weiter. „Ich nehme lieber weg, als dass ich modelliere“, erklärt Hermann, der ein Faible für diese Art des Schaffensprozesses hat.

Am Rande der Schau wartet ein alter Bekannter: Linus, Comic-Figur der Peanuts, gekleidet in einem blauen Overall. Das markante Accessoire, seine Schmusedecke, hält er fest in der Hand.

Mit den aufgetragenen spärlichen Kleidungsstücken führt Hermann die Bronzen in die Alltagswelt. Um die Oberfläche schwarz zu patinieren und die natürliche Oxidation des Metalls voranzutreiben, greift er zu Schwefelleber. Mit Zaponlack erreicht er die bunte Färbung auf der Oberfläche.

Bunt geht es auch bei Steinberg zu. Die 1956 in Münster geborene Künstlerin hat ihr Studium ebendort an der Kunstakademie Düsseldorf absolviert. Sie lebt und arbeitet in Dortmund und Berlin, ist aber auch gerne ab und an in Venedig zu Besuch. Davon zeugen ihre Arbeiten, in denen neben Landschaften immer wieder Boote die Hauptrolle spielen. In leichter Aufsicht liegen sie dicht gedrängt an der Kaimauer. Sie dienen weniger dem Transport. Menschen tummeln sich nicht in den Bildern. Es sind kubische Elemente in Steinbergs grafisch strukturierten Werken, deren Innen- und Außenleben mit stark kontrastierenden Farben versehen werden. Sonnengelb erstrahlt neben Dunkelblau und Rosa, Weinrot an der Seite von Hellblau und Violett. Giftig-aggressiv wirken die Bilder jedoch nie. Kleine weiße Kreise als abstrahierte Lichtreflexe lockern das Gefüge zusätzlich auf. Die Kombinationen der Farben ordnen die Fläche. Sie schaffen Räumlichkeit und verdichten die Arbeiten zu einer Komposition, in der die Töne oftmals in einem neuen Zusammenhang wieder aufgegriffen werden. Kurz gesagt: Alles ist stimmig.

Mit 19 Jahren fing die heute 64-Jährige an, sich der Malerei zu widmen. Das Gespür für Farben und der Mut, sie kontrastreich einzusetzen, sind ihr regelrecht auf den Leib geschnitten. In buntgemusterter Bluse, türkiser Hose und orangen Sneakers deutet sie mit blau lackierten Fingernägeln auf kleine, fast unmerkliche Details ihrer Arbeiten. „Blau“ steht unter einem Blau, „Rot“ schimmert durch ein Rot. Die Schriftzüge weisen unverhohlen auf, wie exakt Steinberg ihre Bilder plant. „Die Schrift verweist auf den Prozess und gibt zugleich eine sprachliche Ebene“, führt die Künstlerin aus. Merkt sie beim Arbeiten, dass die Planung nicht aufgeht, ändert sie die Farbe. Doch am Ende lasse sich nichts wegnehmen oder hinzufügen, urteilt sie über das Ergebnis.

Weitere Informationen

Ein Bild von Steinbergs Bildern sowie von den Figuren Hermanns kann sich jeder täglich nach telefonischer Vereinbarung unter 25 66 52 machen und zu den Öffnungszeiten, sonntags von 16 bis 19 Uhr. Die Ausstellung in der Galerie Mönch, Oberneulander Landstraße 153, geht noch bis zum 18. Oktober.

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