Ausstellung Künstlerischer Blick auf "Glaubensdinge"

Dass sie 700 Kilometer nördlich ihres Wohnorts in Bremen ausstellt, verdankt Pia-Christina Stephan unter anderem einem Zufall. Ab dem 4. September sind ihre Werke in der Kirchengemeinde Oberneuland zu sehen.
16.08.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Silja Weißer

Was sehe ich? Wie ist meine Sicht der Dinge auf die Welt? Diese philosophisch anmutenden Fragen stellt sich Pia-Christina Stephan berufsbedingt ständig. Sie ist Augenärztin. Dass die visuelle Erfassung der Welt noch andere Dimensionen hat, zeigt sie mit ihren Werken, die ab 4. September für einen Monat in der Kirchengemeinde in Oberneuland zu sehen sind. „Glaubensdinge“ ist die Bilderreihe betitelt.

Stephan ist Autodidaktin und malt seit sechs Jahren in ihrer Freizeit. Was zunächst als Verschönerung der eigenen vier Wände gedacht war, entwickelte rasch eine eigene Dynamik. Drei Jahre intensive Arbeit stecken in den Ausstellungswerken, in farbintensiven Acrylmalereien, die mit Collagen ergänzt sind.

Biblische Texte als Inspiration

Stephan wohnt in Bayern, in Horgau bei Augsburg. Die Protestantin bezeichnet sich als gläubig und machte sich seit Februar 2019 auf zu nahegelegenen Wallfahrtskirchen. Sie tragen Namen wie Violau, Maria Vesperbild, Maria Brünnlein und Maria Birnbaum. Ihre Eindrücke und Gedanken brachte Stephan auf die Leinwand. Auch Ausstellungen zum Reformationsjubiläum in Wittenberg und Werke des Leipziger Malers Michael Triegel haben sie angeregt, den Pinsel zu schwingen. Thematisch lässt sich die Künstlerin dabei treiben.

Es geht nicht um richtig oder falsch. Es geht um Glauben.
Pia-Christina Stephan

Inspiriert von biblischen Texten und Gleichnissen, macht sie sich an die Darstellung der Reformation und der Erschaffung des Himmels oder erhebt Paradiesapfel und Schlange zum Bildsujet. Dabei geht es ihr nicht um eine Illustration von Bibelinhalten. Stephan wünscht sich eine Auseinandersetzung mit den Bildern und möchte sie als Anstoß zum Nachdenken verstehen. Die Konfession spiele dabei keine Rolle, betont die Künstlerin und bekräftigt: „Es geht nicht um richtig oder falsch. Es geht um Glauben.“

Die Arbeiten machen es leicht, sich mit ihnen zu befassen. Neben konkreten Formen wie Herz, Dornenkranz oder wie in dem Werk „Märtyrerhand“ einem echten Rosenkranz, bringt eine mutige Pinselführung Dynamik in die Werke. Breite Striche und Schlieren durchkreuzen die Motive, Kleckse und Tupfen zeugen von einem impulsiven Farbauftrag. Die sichtbare Energie des Malprozesses bringt Bewegung in die Gedankenwelt des Betrachters. Mit ihren künstlerischen Freiheiten, die sich Stephan herausnimmt, erweitert sie Interpretationsspielräume.

Verwandtschaft und Zufall führen die Künstlerin nach Bremen

Die Reihe „Glaubensdinge“ wurde bereits 2019 in der Leipziger Taborkirche gezeigt und habe die Besucher dort zu regen Gesprächen animiert. „Das freut mich. Das ist genau das, was ich möchte“, sagt die Malerin. Bei ihren Wallfahrten zu zahlreichen Kirchen und Kapellen in Bayern und Schwaben kam es zur Begegnung mit Darstellungen von Jesus in Windeln gewickelt, sogenannten Fatschenkindern, mit Reliquien und dem Schweißtuch der Veronika. Mit ihren Bildern möchte Stephan an „Glaubensdinge“ und christliche Traditionen erinnern. „Sie können uns trösten, bestärken, aufregen und begleiten“, weiß sie.

Dass sie im 700 Kilometer nördlich gelegenen Bremen ausstellt, verdankt sie ihrer Nichte und Großnichte, die in Bremen wohnen sowie einem Zufall. Auf einer Familienfeier machte sie die Bekanntschaft mit Sara Flesch, pädagogisch-diakonische Mitarbeiterin der Gemeinde Oberneuland. Schnell war diese von den Arbeiten Stephans begeistert. Profit aus der Schau möchte die Künstlerin nicht schlagen. Zwar sind alle Werke käuflich zu erwerben. Der Erlös jedoch gehe als Spende an die Gemeinde, kündigt sie an.

Info

Die Schau ist ab Sonntag, 4. September, im Tabeasaal des Gemeindehauses in der Evangelischen Kirchengemeinde Oberneuland, Hohenkampsweg 6, zu sehen. Pia-Christina Stephan wird ab 11.30 Uhr nach dem Gottesdienst durch die Ausstellung im Tabeasaal führen. Das Event ist kostenlos, Spenden sind willkommen. Die Werke werden vier Wochen zu den Öffnungszeiten des Gemeindebüros zu sehen sein: montags, dienstags und donnerstags jeweils von 9 bis 12 Uhr. Fotos von den Bildern und weitere Informationen finden sich auf www.galerie-pia-christina.de.

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