150 Jahre Kirche Oberneuland Große Festgemeinde am vierten Advent

Oberneuland. Sie kommen in festlicher Kleidung, elegant gekleidete Frauen und vornehme Männer. Es ist der 4. Advent 1860, als die Festgemeinde durch den Schnee von einer zur anderen Oberneulander Kirche zieht.
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Große Festgemeinde am vierten Advent
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Sie kommen in festlicher Kleidung, elegant gekleidete Frauen und vornehme Männer. Nicht nur aus Oberneuland, sondern ebenso aus Rockwinkel, Osterholz, Tenever, Gröpelingen und Vegesack. Auch wohlhabende Kaufleute und Senatoren sind darunter. Es ist der 4. Advent 1860, als die Festgemeinde durch den Schnee von einer zur anderen Oberneulander Kirche zieht - von den Resten der alten romanischen zur gerade fertiggebauten neugotischen.

Laut Klaus Behrens-Talla, Vorsitzender der Vereinigung für bremische Kirchengeschichte, war der Neubau vor allem durch die Vergrößerung der Gemeinde notwendig geworden. "Außerdem war die alte Kirche baufällig und genügte nicht mehr den Anforderungen", sagt der Historiker. " Das Romanische war auch nicht mehr Stil der Zeit."Die Geschichte einer Kirche in Oberneuland beginnt jedoch nicht erst im 19. Jahrhundert, sondern bereits etwa 1200. In diesen Jahren, so die Quellenlage, werden die Siedler mit dem Bau einer Kapelle begonnen haben. Oberneuland und ein paar andere kleine Dörfer waren zu einem Kirchspiel zusammengefasst worden. Das bedeutete, dass ein geweihter Raum für die Gottesdienste geschaffen werden musste. Diese Kapelle war aus Feldsteinen so gebaut, dass der Altar nach Osten ausgerichtet war. Überliefert ist, dass sie bereits den heutigen Namen St. Johann (nach Johannes dem Täufer) erhielt. Urkundlich erstmals erwähnt wurde diese

Kapelle 1270. Sie stand auf einer alten Düne, der höchsten Stelle in der Umgebung. Alte Reste der Mauern kamen in den vergangenen Jahren immer wieder beim Ausschachten von Gräbern zum Vorschein.Als sie für die anwachsende Besucherzahl zu klein wurde, baute man zunächst an. 1671 bekam die Gemeinde eine Kanzel geschenkt. 1719 war die Kirche jedoch wieder zu klein geworden und baufällig obendrein. Also entschloss man sich zu einem Neubau. Die Kapelle wurde ganz abgerissen, der Kirchenanbau größtenteils.

In dem Neubau versammelte sich die Gemeinde 140 Jahre lang zum Gottesdienst. Vor der Kirche befand sich die Thingstätte, wo Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden. Der Richtstuhl lag dort, wo heute in der Straße "Uppe Angst" ein Gedenkstein an ihn erinnert.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde eine Vergrößerung der Kirche erwogen. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen entschloss man sich zu dem eingangs erwähnten Neubau.

Von der Einrichtung der alten Kirche ist wenig erhalten geblieben. Unbekannt ist, wo Altar und Kanzel geblieben sind. Der Taufstein stammt höchstwahrscheinlich aus der ursprünglichen Kapelle. Eine Kirchentür zierte später die Hufschmiede Kaars in der Oberneulander Heerstraße. Der Schmied konnte sich deshalb rühmen, häufiger durch die Kirchentür gegangen zu sein als jeder Oberneulander Pastor.

Planer des neuen Gotteshauses war der bekannte und begehrte Architekt Heinrich Müller, Planer der Rembertikirche, der Börse und anderer öffentlicher Gebäude. Dem Zeitgeschmack entsprechend entstand ein Backsteinbau mit dreiteiligen Spitzbogenfenstern.

Um den Bau errichten zu können, musste ein Teil der alten Kirche abgerissen werden. Der Kirchhof rund um den Neubau wurde verlängert - bis heute insgesamt fünfmal. Die neue Kirche kostete mehr als 25000 Reichsthaler, die größtenteils durch Sammlungen, Spenden und den Verkauf von Kirchplätzen zusammenkamen. Allerdings musste man auch Land verkaufen, um die Schulden abzutragen.

Kurz nach der Einweihung wurden allerdings erste Klagen laut. Die Kirche sei viel zu kalt, hieß es. Ein Gottesdienst wegen der niedrigen Temperaturen kaum auszuhalten gewesen.

Die Verantwortlichen befassten sich in vielen Sitzungen mit dem Problem. Schließlich wurde beschlossen, mehr zu heizen, um das Mitbringen von glühenden Kohlen als Fußwärmer zu unterbinden.

Bis heute blieb die Kirche jedoch nicht unverändert. Laut Klaus Behrens-Talla wurde sie vielfach umgebaut und verändert. 1939 wurde besonders im Innern viel gearbeitet. Der bekannte Maler Otto Fischer-Trachau wurde engagiert, um die Decke und den Altarraum auszumalen.

Im Vorraum der Kirche malte der Künstler die Symbole der vier Evangelisten, die heute noch zu sehen sind. Optisch beherrschend im Inneren ist das Christusfenster. Es befand sich früher im St.-Petri-Dom und wurde vor 1850 geschaffen.

Ein weiteres Relikt in der Oberneulander Kirche ist eine Gruftplatte von 1640. Der älteste Grabstein auf dem Friedhof stammt aus dem Jahre 1628. Er erinnert an den Kleinstellenbesitzer Gebke Lachemundt und trägt die Inschrift "in Godt dem Here silich entslapen."

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