Bürger kritisieren Informationspolitik des Beirats Heftiges Gerangel um neuen Supermarkt

Oberneuland. Den Stadtteilpolitikern blies während der jüngsten Beiratssitzung heftiger Gegenwind ins Gesicht: Der auf dem ehemaligen Sportplatzgelände geplante Supermarkt bringt örtliche Geschäftsleute und Bürger auf die Barrikaden. In ihren Wortbeiträgen schwang deutliche Kritik an der Beiratspolitik mit.
03.03.2010, 18:20
Lesedauer: 2 Min
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Heftiges Gerangel um neuen Supermarkt
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Mit starker Gegenwehr hatten die Mitglieder des Beirats Oberneuland gerechnet. Dass ihnen auf ihrer jüngsten Sitzung der Gegenwind so heftig ins Gesicht blasen würde, das hätten sich die Stadtteilpolitiker nicht träumen lassen. Der geplante Supermarkt auf dem ehemaligen Sportplatzgelände (siehe Grafik unten) hat örtliche Geschäftsleute und Bürger schon zum zweiten Mal auf die Barrikaden gebracht. Hinzu kommt, dass am Beirat grundsätzliche Kritik geübt wurde.

Obwohl am Ende keine Entscheidung für oder gegen den Supermarkt gefällt wurde, schwang in den Redebeiträge aus der Bevölkerung vielfach der Tenor mit, man fühle sich vom Beirat nicht vertreten. Mehrfach äußerten Redner den Verdacht, die Politik wolle den Supermarkt möglichst ohne Widerspruch durchwinken.

Birte Baraczewski kritisierte auch die kurzfristige Einladung zur Sitzung. In den Schaukästen des Ortsamts sei erst am Vortag auf den Termin hingewiesen worden. 'Das schürt den Verdacht, dass die Sitzung ohne Beteiligung der Bevölkerung über die Bühne gehen sollte', so die Inhaberin eines Buchladens.

Europaweite Ausschreibung

Es waren allerdings nicht nur Einzelhändler, die wie in der vorigen Sitzung Sturm gegen die Pläne der Stadt liefen. Diese bereitet zurzeit eine europaweite Ausschreibung vor, um einen Investor für das rund 18000 Quadratmeter große Gelände zu finden.

Wie Beiratssprecher Siegfried Fliegner (CDU) erläuterte, hat die Bremische Bürgerschaft im November ein Nahversorgungskonzept für die Ansiedlung weiterer Supermärkte beschlossen. Das Sportplatzgelände sei als fester Standort eingeplant, um durch den Verkauf des Geländes Geld in die leeren Kassen der Stadt zu bringen.

'Wir brauchen so etwas nicht. Sehr viele Bürger, die hier kein Geschäft haben, sind auch dagegen', wetterte ein Redner. Durch eine solche Ansiedlungspolitik würde der ganze Stadtteil ruiniert. 'Der Reiz des Stadtteils lebt auch von den kleinen Geschäften, von einer gewachsenen Struktur.

Das wäre alles gefährdet, wenn hier ein Investor einfach losklotzt', hieß es. Für sein Statement, er habe den Eindruck, von der Politik nicht ernst genommen zu werden, erntete der Redner lauten Applaus.

Unterschriftensammlung übergeben

Seit der Sitzung des Beirats vor zwei Wochen haben die Einzelhändler Unterschriften gegen den Supermarkt gesammelt. Eine erste Liste mit 64 Gegnern des Projekts wurde am Dienstag an Ortsamtsleiter Rainer Kahl übergeben.

Außerdem stellte Birte Baraczewski eine Liste mit möglichen alternativen Nutzungen des Geländes vor, unter anderem Wohnbebauung und die Verlegung der neuen Grundschule auf das Grundstück. Auch Lutz Kleemeyer (Grüne) konnte sich andere Verwendungen vorstellen. Er nannte etwa den Bau von Spielplätzen, Bolzplätzen und Basketballfeldern.

Für den Supermarkt sprachen sich Heinrich Auffarth und Heinz-Rüdiger Wanke von der SPD aus. Auffarth sagte, dass die Verkaufsfläche pro Einwohner im Stadtteil deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liege.

Sozialdemokrat Wanke gab zu bedenken, dass sich Oberneuland ohnehin bereits stark verändert habe. 'Es ist nicht mehr so wie bei Oma', sagte er. Am Ende nahm der Beirat die Planung zur Kenntnis.

Ein Beschluss soll erst gefasst werden, wenn ein Meinungsbild aus der Bevölkerung vorliegt. Nach Ansicht der Initiative gegen den Supermarkt wird das nicht vor Mai der Fall sein.

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