Heimtverein Oberneuland

Ganz ohne geht nicht

Alle Aktionen für Herbst und die Weihnachtsfeier hat der Heimatverein Oberneuland abgesagt. Doch gar nichts mehr machen? Das geht nicht. So ist der Verein mit abgeändertem Programm aktiv.
12.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Silja Weißer
Ganz ohne geht nicht

In der Ausstellung auf dem Klatte-Hoff gibt es alte Gegenstände zu entdecken, wie zum Beispiel Bügeleisen.

PETRA STUBBE

Die meisten sind im Ruhestand. Das älteste Mitglied ist 91. Jahre alt. So wundert es nicht, dass das Programm des Heimatvereins Oberneuland seit April weitestgehend der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Das Risiko und die Verunsicherung waren zu groß, die regelmäßigen Treffen im Klatte-Hoff in der Rockwinkeler Heerstraße 123 wie gewohnt fortzuführen. Alle Aktionen für Herbst und die Weihnachtsfeier wurden abgesagt. Nur ein Sommer-Grillen auf dem Hof konnte stattfinden.

Doch gar nichts mehr machen? Das geht nicht, stand für die 320 Mitglieder schnell fest. Damit eifern sie ihren Gründungsmitgliedern nach, die eine weitaus schlimmere Krise überstanden hatten. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, das Land zerbombt, Familien zerrissen, hatten sich fünf Männer aus Oberneuland getroffen, um am 9. Februar 1950 den Heimatvereen Oberneeland zu gründen, der die plattdeutsche Sprache und die alten heimatlichen Gebräuche erhalten und pflegen soll.

Für die Gilde, einer Sparte des Vereins, die handwerkliche Arbeiten übernimmt, ist die derzeitige Zwangspause eine willkommene Gelegenheit, sich dem übervollen Dachboden anzunehmen. Alte, längst vergessene Kulissen erinnern an Zeiten als die Theatergruppe des Vereins „de Speeldeel“ bis zu 20 Aufführungen jährlich in der damaligen Post-Aula (später Telecom-Aula) im Mühlenviertel in Horn zeigte. Bis zu 8500 Zuschauer pro Saison klatschten Beifall.

Filme statt Theater

Seit 1992, nach dem Aus- und Umbau des Klatte-Hoffs, probt und spielt das Ensemble in dem über 300 Jahre alten denkmalgeschützten Bauernhaus. Normalerweise. In Corona-Zeiten ist die Bühne verwaist. Stattdessen hängt eine große Leinwand von der Decke. „Wir mussten umdenken“, erklärt Vorsitzender Rolf Junge. Statt 24 Aufführungen im Jahr lädt der Verein nun zu 24 Filmvorführungen mit Stücken vergangener Zeiten ein. „Angst haben muss keiner“, betont Junge. Das Hygienekonzept ist ausgetüftelt, die Gehwege sind gekennzeichnet, die Publikumszahl ist reduziert, Sitzplätze haben Sicherheitsabstand.

Doch nicht nur die Abteilungen Gilde und Speeldeel sind tätig. Auch „de Padlöper“ denken nicht daran, ihre Wanderstöcke in die Ecke zu stellen. Mit 83 Mitgliedern zählt die Wander- und Radfahrgruppe unter Leitung von Dieter Freese zur größten Sparte des Vereins. 40 Aktive treffen sich einmal im Monat zu einem Ausflug in der Umgebung. Die 15 bis 20 Kilometer langen Wanderungen oder 40 bis 60 Kilometer langen Radwanderungen seien derzeit kein Problem, da sie unter freiem Himmel stattfinden, meint Freese. Die Gestaltung der Pausen in Landgasthöfen bereiten ihm weitaus größeres Kopfzerbrechen. Beim Vorwandern der Strecken beäugt er nun ganz genau, wie die Restaurants ihre Hygienekonzepte umsetzen. „Das bedeutet in der Vorbereitung mehr Aufwand, aber die Sicherheit geht vor“, sagt Freese. Die Touren für Oktober bei Hude, November von Garlstedt nach Hülseberg und für Dezember durch Fischerhude seien bereits akribisch durchgeplant, berichtet der sportliche 80-Jährige. Der Aufwand lohne sich. Das Wirgefühl fördern, die Erhaltung der Mobilität und die Freude an der Freizeit im Alter, all das wären die Mühen wert.

Heimatvereen Oberneeland

Werner Marpuwardt (v.l.), Dieter Freese und Rolf Junge engagieren sich für den Heimatvereen Oberneeland.

Foto: PETRA STUBBE

Das gemeinsame Reisen mit „de Rumdriever“ hat im Heimatverein auch eine lange Tradition. Doch da das Busunternehmen in diesem Jahr keine Reisen verantworten möchte, sind die geplante Schottlandfahrt im Sommer auf nächstes Jahr verschoben, ebenso wie die Reise ins Dreiländereck und die Tagesfahrt nach Groningen. „Dann holen wir alles nach“, gibt sich Junge zuversichtlich.

Auch der Singkreis hat bis auf das weihnachtliche Auftaktsingen am ersten Advent, das in diesem Jahr draußen stattfinden wird, keine weiteren Pläne. Dafür kloppen „de Kortenspeeler“ weiterhin Karten an großen quadratischen Tischen und mit begrenzter Teilnehmerzahl. „Sollten mehr als zehn Personen erscheinen, so weichen wir sofort auf die geräumige Diele aus“, plant Freese mit Blick auf den großen Hauptraum des Bauernhauses.

Nach nebenan gehe es auch, wenn beim monatlichen Klönschnack, jeden zweiten Mittwoch im Monat von 19 bis 21 Uhr, zu viele Interessierte Lust auf einen lockeren Austausch in der Runde haben.

Ziel ist es nicht nur, den laufenden Betrieb zu erhalten, für die Zeit nach Corona schmieden die Verantwortlichen des Vereins bereits neue Pläne. „Es haben sich zwei Mitglieder gefunden, die einen Tanzkreis leiten würden“, berichtet Pressesprecher Werner Marquardt. Das wäre in der Diele gut möglich. Vielleicht würden dann auch Jüngere den Weg zum Klatte-Hoff finden, wünscht sich der Vorsitzende und betont: „Wir sind offen für alle Altersstufen“.

Info

Zur Sache

Filmvorführungen im Bauernhaus

Karten für die Lichtspiele auf dem Klatte-Hoff sind nur telefonisch unter 0151/18375070 erhältlich. Freitag, 16. Oktober, steht um 20 Uhr „Gold in de Kehl“, auf dem Programm. Sonnabend, 17. Oktober, 15 Uhr ist die „Moral in Müggenhusen“ zu sehen und um 19 Uhr „De hillige Grootmudder“. Am Sonntag, 18. Oktober, 15 Uhr, geht es „Rund um Kap Horn“. Jeweils von Freitag bis Sonntag werden bis zum 21. Oktober Filme weitere Filme zu sehen sein. Der Eintritt, inklusive eines Getränks, beträgt zehn Euro.

Weitere Informationen

Kontakt zum Heimatvereen Oberneeland gibt es unter Telefon 25 90 36, per E-Mail an hvo@heimatverein-oberneuland.de und im Internet unter www.heimatverein-oberneuland.de und. Der Jahresbeitrag beträgt 30 Euro.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+