Seltene Käferart siedelt in maroden Eichen des Parks Höpkens Ruh Hohe Drahtgitter schützen den Eremiten

Oberneuland. Hohe Drahtgitter halten die Besucher von Höpkens Ruh seit kurzem von einem kleinen Teil des Parks fern. Verantwortlich für diese Maßnahme ist ein seltener Gast: der vom Aussterben bedrohte Eremitenkäfer.
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Hohe Drahtgitter schützen den Eremiten
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Mit ihrem Hund geht die Oberneulanderin Christiane Brunnée täglich spazieren. Meist geht es in den nahegelegenen Park Höpkens Ruh, wo sie mit anderen Hundebesitzern eine Runde dreht. Seit einiger Zeit ist der gewohnte Rundweg jedoch versperrt. Hohe Drahtgitter halten die Besucher von einem kleinen Teil des Parks fern. Verantwortlich für diese Maßnahme ist ein seltener Gast: der vom Aussterben bedrohte Eremitenkäfer.

Auf der Liste der schützenswerten Arten steht der Eremit ganz oben. "Höpkens Ruh gehört als FFH-Gebiet zu den europäischen Schutzbereichen für diesen Käfer", sagt der Bremer Käferexperte Axel Bellmann. Nach Aussage von Kerstin Doty, Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen (ehemals Stadtgrün), wurden die Zäune im Park allerdings noch aus einem anderen Grund aufgebaut. In dem abgesperrten Bereich stehen einige Eichen, die teilweise oder ganz abgestorben und damit bruchgefährdet sind. "Wir können diese Bäume aber nicht entfernen, weil sich der Eremit darin angesiedelt hat", so Doty. Die Zäune dienen also gleichermaßen dem Schutz der Bürger und des bedrohten Käfers.

Beschränkter Lebensraum

Der Eremit ist in Europa selten geworden, weil sein Lebensraum auf alte, abgestorbene Bäume beschränkt ist. "Der Käfer wandelt das verpilzte Holz in Mulm um und ernährt sich davon", erzählt Axel Bellmann. Der 41-Jährige ist der einzige Käferexperte in Bremen und Umgebung. Seit 25 Jahren sammelt er nicht nur die Tiere und erforscht ihre Lebensweise, sondern setzt sich auch für den Schutz bedrohter Arten ein. Regelmäßig wird er als Gutachter hinzugezogen, wenn irgendwo alte Bäume gefällt werden sollen. Dann untersucht er, ob sich dort möglicherweise der Eremit eingenistet hat. "Da der Käfer unter Schutz steht, ist das unerlaubte Entfernen der Bäume eine Straftat", sagt Bellmann.

In Bremen ist der Eremitenkäfer zwar in etlichen Parks und Grünanlagen verbreitet - insgesamt, so schätzt Bellmann sind zwischen 50 und 100 Bäume besiedelt. Die Zahl der Tiere nimmt aber trotz aller Schutzbemühungen immer weiter ab. "Geeignet als Lebensraum sind Bäume erst ab einem Alter zwischen 150 und 200 Jahren. Es dauert einfach unheimlich lange, bis diese Bäume nachwachsen und die Art von Höhlungen bilden, die die Eremiten brauchen", so der Experte. Ein Problem ist auch die intensive Besiedlung und Bebauung - nicht zuletzt in Oberneuland. Hier sei der Grund so wertvoll, dass immer mehr Freiflächen bebaut würden.

Zurzeit sind in den Bäumen Larven und Puppen zu finden. Diese sind wegen der winterlichen Temperaturen komplett durchgefroren, was ihnen aber nichts ausmacht. "Die nehmen keinen Schaden", so Bellmann. In seiner Garage hat er zurzeit 500 bis 600 Larven und Puppen des Eremiten untergebracht, die er kurzfristig retten konnte. "Manchmal findet man die Höhlungen erst, wenn der Baum bereits gefällt wird. In solchen Notfällen nehme ich die Tiere zu mir und lagere sie." Wenn die Käfer ab Ende Juni schlüpfen, wildert Bellmann sie aus - möglichst am ursprünglichen Standort.

Als Hauptfeind des Eremiten, der unter anderem auch rund um den Lür-Kropp-Hof anzutreffen ist, bezeichnet Bellmann die Verkehrssicherungspflicht der Kommunen. Sie sei verantwortlich dafür, dass alte, schadhafte Bäume möglichst schnell entfernt werden. Dieses Schicksal erwartet auch die maroden Eichen im abgesperrten Gebiet von Höpkens Ruh. Kerstin Doty: "Wenn die Käfer entfernt sind, müssen wir die Bäume entfernen oder zumindest die betroffenen Stellen wegschneiden."

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