Blüh-Sträucher für Wildbienen

Hecke soll Insektenvielfalt fördern

Schlehe, Kornelkirsche, Kreuzdorn, Eberesche oder Vogelkirsche. Landwirt Hajo Kaemena hat mit Unterstützung des Nabu erneut ein Stück seiner Fläche für den naturschutz bereitgestellt.
01.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Hecke soll Insektenvielfalt fördern

Das Pflanzen einer Hecke erledigt sich natürlich nicht von selbst. Zum Glück gibt es immer wieder Freiwillige, die bei solchen Aktionen mit anpacken.

Jörn Hildebrandt

Der Trecker-Anhänger ist voll beladen: Große Wasserkanister stehen dicht an dicht neben zahlreichen Bündeln von Sträuchern, die der Nabu Bremen mit Pflanzennamen beschriftet hat: Schlehe, Kornelkirsche, Kreuzdorn, Eberesche oder Vogelkirsche.


Landwirt Hajo Kaemena fährt mit seinem Trecker ein Stück über das Betriebsgelände, bis eine große Wildniswiese erreicht ist, auf der noch die Überreste von Sonnenblumen in den Himmel ragen. Dahinter soll die neue Hecke gepflanzt werden.
Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Nabu Bremen, hat die Sträucher besorgt und gibt eine kurze Anweisung, wie man sie richtig pflanzt: „Die Sträucher bitte im Abstand von einem Meter voneinander einsetzen, und möglichst drei von einer Art hintereinander. Und das Pflanzloch muss so tief sein, dass alle Wurzeln unter der Erde bleiben.“ Die rund zehn Helfer holen sich Spaten und heben tiefe Löcher aus, setzen die Sträucher ein und versorgen sie mit reichlich Wasser.


„Die Pflanzung einer Hecke aus einheimischen Sträuchern ist für uns ein weiterer Baustein, um bedrohte Wildbienen und die Insektenvielfalt generell zu fördern“, sagt Hajo Kaemena, der in Oberneuland einen Hof betreibt, auf dem vor allem Erdbeeren und Spargel angebaut werden.

Einmaliges geschaffen


Auf seinem Gelände hat er im Bremer Raum wohl etwas bisher Einmaliges geschaffen: ausgedehnte und vielfältige Lebensräume für Wildbienen auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen. Denn Wildblumenwiesen aus ein- und mehrjährigen Kräutern, Stauden, sandige Hügel, steile Wände aus Sand sowie große Totholzstämme bilden eine Kombination, die zahlreichen Wildbienenarten Brut- und Nahrungshabitate schafft.


„Dank eines Spendenaufrufs der SPD Oberneuland kamen knapp 1700 Euro für die Heckensträucher zusammen“, sagt Sönke Hofmann, „damit können wir rund 500 Sträucher kaufen.“ Mit dem Geld ist die Neupflanzung von drei Hecken möglich, doch wegen der trockenen letzten Jahre wird im Frühjahr nur eine Hecke gepflanzt, die anderen beiden sollen im Herbst folgen.

Trockenheit ist Gefahr für frisch gepflanzte Sträucher

„Die Trockenheit infolge des Klimawandels ist nicht nur eine Gefahr für die frisch gepflanzten Sträucher“, sagt Sönke Hoffmann, „sondern hat auch zu Lieferproblemen geführt: Viele Jungsträucher sind aufgrund des fehlenden Regens nur kümmerlich gewachsen.“ Für die Förderung der Insektenwelt sei es extrem wichtig, dass die neuen Hecken mit einheimischen Gehölzen bestückt werden, betont Hofmann – nur dann bieten sie einer großen Zahl von Wildbienen- oder Schmetterlingsarten, aber auch Käfern oder Zweiflüglern Nahrung – mit exotischen Arten wie Rhododendron oder Kirschlorbeer können die meisten Insektenarten nichts anfangen.


Die Heckensträucher auf Hof Kaemena bieten nicht nur Insekten ein reiches Blütenangebot, sie sind besonders auch für die Vogelwelt attraktiv, da sie im Spätsommer oder Herbst zahlreich Früchte tragen, die Kleinvögeln Nahrung bieten. So wird der Hof zu einem El Dorado für eine vielfältige Fauna.
„ Über unsere Facebook-Seite für Oberneuland und auch über das Oberneuland-Magazin haben wir die Spendenaktion publik gemacht“, sagt Derik Eike, Vorsitzender der SPD Oberneuland, „und symbolisch zum 111-jährigen Bestehen der SPD haben wir eine Fläche von 111 Quadratmetern gepachtet.“ Auf einer Blühlandkarte sind auf Hof Kaemena derzeit sieben Flächen eingezeichnet, die Wildbienen und anderen Insekten neue Lebensräume bieten.

Bewusst viele dornenreiche Sträucher ausgewählt

Sönke Hofmann vom Nabu schneidet mit der Gartenschere die Triebspitzen ab, als die vielen Sträucher in der Erde stecken. „Damit wird ein dichter Wuchs gefördert, doch drei bis fünf Jahre wird es dauern, bis sich eine dichte Hecke entwickelt“, sagt er, „Und damit nicht alles von Rehen abgefressen wird, haben wir bewusst viele dornenreiche Sträucher ausgewählt.“


Wenn die Hecken höher aufgewachsen sind, will Landwirt Hajo Kaemena die Pflege selbst in die Hand nehmen. Aber auch die angelegten Sandhügel für die Wildbienen machen Arbeit: Sie müssen immer wieder vor allem von Gräsern befreit werden, die schnell die kahlen Flächen grün werden lassen – was zu vermeiden ist, denn viele Wildbienenarten brauchen für ihre Brutröhren offenen Sand.
„Ein Biologe wird mir exakte Daten liefern, welche Wildbienenarten sich nach und nach ansiedeln“, sagt Hajo Kamena, „und diese Erfolgskontrolle schafft Belege dafür, dass sich der Aufwand auch lohnt.“

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