Einzelhandel besorgt über Planungen für altes Sportplatzgelände Kritik an Einkaufszentrum

Oberneuland. Das auf dem ehemaligen Sportplatz geplante Einkaufszentrum in Oberneuland ruft bei Anwohnern nicht nur Begeisterung, sondern auch Kritik hervor. Die kleineren Geschäfte würden unter einem Vollsortimenter leiden und der Verkehr würde stark zunehmen, argumentierten die Gegner des Vorhabens.
17.02.2010, 13:51
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Kritik an Einkaufszentrum
Von Andreas D. Becker

Oberneuland. Die geplante Ansiedlung eines Einkaufszentrums auf dem ehemaligen Sportplatzgelände in Oberneuland stößt im Stadtteil nicht nur auf Begeisterung. Auf der jüngsten Sitzung des Beirats musste sich Stadtplanerin Josefa Weth teilweise drastische Kritik anhören. Vor allem die Einzelhändler machten starke Bedenken geltend.

'Was sollen wir hier mit einem Vollsortimenter?', fragte ein Zuhörer. 'Klar ist die Stadt pleite und braucht dringend Geld. Aber dieser Plan ist nicht ausgegoren. Eine Unverschämtheit, uns sowas anzubieten'.

Allgemeiner Tenor der Besucher: Die kleinen Geschäfte werden unter der Ansiedlung eines großen Marktes leiden, und der Verkehr wird deutlich zunehmen.

Geschäftsinhaber sind besorgt

'Wofür brauchen wir einen weiteren Markt?', wollte der Inhaber eines Weinhandels in der Apfelallee wissen. Er vertrete 40 Geschäfte, die sich inzwischen zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hätten.

Angesichts guter Einkaufsmöglichkeiten in der Vahr, im Weserpark und in Horn-Lehe sei der Sinn eines weiteren großen Anbieters in Oberneuland zweifelhaft. 'Die Geschäftsinhaber vor Ort sind sehr besorgt über die Pläne', sagte er.

Angesichts der brisanten Thematik war der Lür-Kropp-Hof am Dienstagabend fast überfüllt. Und entsprechend aufgeheizt war zeitweise die Stimmung.

'Das ist das Allerletzte. Die Stadt muss das Grundstück auf Biegen und Brechen verkloppen. Und die kleinen Geschäfte gehen alle ein', machte ein Anwohner aus der Mühlenfeldstraße seinem Unmut Luft.

Keine Wohnbebauung mehr

Zuvor hatten die Stadtplanerin Weth und Roswitha Eckerle von Immobilien Bremen einen Überblick über den aktuellen Stand der Ausschreibung und Planungen gegeben.

Im Gegensatz zur alten Planung mit Einkaufszentrum, Stellplätzen und Wohnungsbau, sieht die neue Variante nur noch einen Vollsortimenter vor.

Dieser soll auf 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche Nahrungsmittel und sonstige Artikel für den täglichen Bedarf anbieten. Dazu kommen mindestens 100 Autostellplätze und der Wochenmarkt. Über einen Fußweg soll der Markt mit der Mühlenfeldstraße verbunden werden.

Synergieeffekt

Davon verspricht sich die Planerin einen gegenseitigen Vorteil. 'Kunden, die auf kurzen Wegen zur Mühlenfeldstraße gelangen können, werden auch die Einkaufsmöglichkeiten dort nutzen', zeigt sich Josefa Weth überzeugt.

Dass die Bahn der Forderung der Anlieger nach einer Lärmschutzwand nachgibt, ist nach ihren Angaben mehr als unwahrscheinlich. 'Die Bahn sieht keine Veranlassung dafür, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu ungünstig ist', sagte sie.

Stattdessen setze die Bahn auf passive Lärmschutzmaßnahmen an den Häusern. Dies sei preiswerter zu verwirklichen.

Planerin hält an Lärmschutzwand fest

Nach den Vorstellungen der Planerin sollte trotzdem eine Lärmschutzwand gebaut werden. Diese soll als Auflage in die Ausschreibung aufgenommen und letztlich vom Investor bezahlt werden.

Laut Immobilien Bremen wird das Grundstück EU-weit angeboten. Mit einem Verkauf sei erst in einem Jahr zu rechnen. Der Beirat Oberneuland gab jetzt noch keine Stellungnahme ab.

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