Abfälle in der Natur Grünflächen am Achterdieksee werden zur Müllhalde

Pizzakartons, Plastiktüten und Essensreste: Mit Eröffnung der Bade- und Grillsaison strömen die Menschen an die Badeseen und hinterlassen dort ihren Müll – auch am Achterdieksee in Bremen-Oberneuland.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Britta Kluth

Die Mülleimer quellen über, Pizzakartons, Plastiktüten und anderer Abfall liegen verstreut auf den Grünflächen herum, Essensreste bleiben achtlos zurück und leere Flaschen – nicht selten scherbenweise – zeugen von dem, was am Abend zuvor so alles getrunken wurde. Das Bild am Achterdieksee in Oberneuland ist bei sommerlichen Temperaturen dasselbe, das sich an vielen Bremer Grünflächen bietet. Mit Eröffnung der Bade- und Grillsaison strömen die Menschen in Scharen an die Badeseen. Ihren Müll lassen sie oftmals zurück. Die Stadtreinigung kommt kaum noch hinterher. Doch das Problem stinkt vielen Bremerinnen und Bremern gewaltig, zwei von ihnen sind Nicole Herrmann aus Blockdiek und Joern-Rasmus Mohr aus der Gartenstadt-Vahr. Beide beobachten die Situation an dem Baggersee neben dem Oberneulander Golfplatz seit Längerem. Besonders in den Sommermonaten werde das Müllaufkommen von Jahr zu Jahr schlimmer, sagen beide.

„Manchmal sieht man vor lauter Abfall die Wiese nicht mehr“, klagt Nicole Herrmann. Jeden Tag ist sie am Achterdieksee unterwegs, geht spazieren oder dreht eine Walking-Runde. Seitdem sie sich bei den Aktionstagen von „Bremen räumt auf“ beteiligt, hat sie dabei häufig eine Tüte parat. „Ich sammle auf, was mir vor die Füße kommt. Das ist natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es muss endlich etwas passieren, damit das Müllproblem in den Griff bekommen wird.“ Die 56-Jährige vermisst unter anderem große Schilder, die die Gesetzeslage verdeutlichen, und die regelmäßige Präsenz des Ordnungsdienstes.

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Ähnlich sieht es Joern-Rasmus Mohr. Mit Nicole Herrmann ist er schon seit Kindertagen befreundet. Die beiden sind gemeinsam in Oberneuland aufgewachsen. Der See und die Wiesen ringsherum waren einst ihr Spielplatz. „Früher war es hier immer sauber. Aber in den letzten Jahren hat der achtlose Umgang mit Müll immer stärker zugenommen. Je wärmer es wird, desto mehr liegt rum. Kaum werden die Abfallbehälter geleert, sind sie auch wieder voll, sofern sie überhaupt benutzt werden.“

Für den Juristen ist es ein wachsendes Problem. Immer mehr Menschen teilen sich den öffentlichen Raum. „Die Eigenverantwortung nimmt ab und die innere Einstellung scheint bei vielen zu fehlen“, meint der 58-Jährige. „Anstatt den Müll wieder mitzunehmen, wird er einfach liegengelassen.“ „Oft wehen die Tüten und andere Hinterlassenschaften dann irgendwann ins Wasser und verbleiben dort“, hat Herrmann bereits beobachtet. Nicht selten bringt sie auch einen Einkaufswagen zurück zum einige Kilometer weit entfernten Supermarkt. „Nachdem die Leute ihr Grillgut damit transportiert haben, bleiben die einfach in der Gegend stehen“, erzählt sie kopfschüttelnd.

Stadtreinigung kennt die Problematik

Die Bremer Stadtreinigung, die für die Säuberung der Grünflächen am Achterdieksee und die Leerung der Abfallbehälter zuständig ist, kennt die Problematik. Sie reagiert auf den saisonbedingten Anstieg mit zusätzlichen Mülleimern – vieles landet dennoch daneben. „Wir stellen im Sommer schon zahlreiche Saisonbehälter auf“, sagt Lena Endelmann von der Bremer Stadtreinigung. „Am Achterdieksee stehen insgesamt 13 Abfallbehälter, die in der Regel täglich geleert werden. Wenn es richtig warm wird, fahren wir den Bereich sogar zwei Mal am Tag an. Zusätzlich gibt es auf dem Parkplatz einen Zehn-Kubik-Container.“ Neu in diesem Jahr sei der Grillaschebehälter, damit wolle man die Gefahr von Bränden reduzieren. Die Grünflächen am Achterdieksee werden zudem einmal wöchentlich gereinigt, zumeist am Wochenende.

„Wir sind wirklich bemüht, aber es bleibt auch ein gesellschaftliches Problem. Deshalb versuchen wir, die Menschen dahingehend zu bewegen, achtsamer mit der eigenen Umwelt umzugehen“, sagt Endelmann. Mit der Kampagne „Noch ist nicht alles im Eimer“ zum Beispiel will die Bremer Stadtreinigung ein neues Bewusstsein für Müll schaffen. Verschiedene Maßnahmen sollen aufklären und zu einem veränderten Verhalten aufrufen. Außerdem geht das Unternehmen neue Wege, in dem es mit Influencern zusammenarbeitet. „Wenn Blogger zum Beispiel über das Thema Zero Waste Grillen berichten, unterstützen sie damit unser Anliegen. Uns ist wichtig, die Menschen auf allen Kanälen anzusprechen und einen persönlichen Bezug zu dem Thema zu schaffen.“

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Auch der Oberneulander Ortsamtsleiter Matthias Kook appelliert an die Badegäste, ihren Müll mitzunehmen, wenn die Abfallbehälter voll sind. Fast täglich fährt er mit dem Rad am See vorbei und weiß deshalb genau, wie es während der Sommermonate dort aussieht. „Wir müssen die Menschen für unsere Umwelt und Natur sensibilisieren“, sagt Kook. „Zu Hause lässt man den Müll ja auch nicht einfach liegen.“ Ein bewusster Umgang mit dem Thema müsse selbstverständlich werden. Das wünschen sich auch Nicole Herrmann und Joern-Rasmus Mohr. „Pädagogische Begleitmaßnahmen an Schulen wären sicher eine sinnvolle Maßnahme. Wenn man von klein auf lernt, Verantwortung für die Umwelt zu übernehmen, wird man auch später darauf achtgeben“, glaubt Herrmann. Beide hoffen auf die Einsicht der Menschen, damit der Achterdieksee wieder lebenswerter wird, egal zu welcher Jahreszeit.

Weitere Informationen

Mit dem „Mängelmelder“ kann online unter www.bremen.maengelmelder.de oder per App Müll im öffentlichen Raum an die Bremer Stadtreinigung gemeldet werden.

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