50-jähriges Bestehen des Studio Nord Bremen

Musikalische Tradition trifft Moderne

Prominente Gäste im Tonstudio in Oberneuland: Hein Simons besucht die Feier zum 50-jährigen Bestehen des Studio Nord Bremen.
31.08.2019, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann
Musikalische Tradition trifft Moderne

Seinen größten Hit "Mama" hat Heintje 1967 bei Wolfgang Roloff in Bremen aufgenommen. Der hat zwei Jahre später das Studio Nord Bremen als erstes, privates Tonstudio Deutschlands eröffnet. Jetzt feierten Besitzer und Betreiber das 50-jährige Bestehen, zu dem auch der frühere Kinderstar kam, der bis heute als Hein Simons Schlager singt.

Karsten Klama

Für Hein Simons ist es ein emotionaler Tag. Zwölf Jahre alt war er, als er 1967 bei dem Bremer Wolfgang Roloff (Ronny), noch in einem Keller in der Innenstadt, sein erstes Lied aufgenommen hat. Als Roloff zwei Jahre später sein Tonstudio in Oberneuland eröffnete, war Heintje mit dem Lied „Mama“ bereits im ganzen Land ein Kinderstar. Mittlerweile hat das Studio Nord Bremen einen Namen in der Musikwelt, und Hein Simons feierte mit den heutigen Betreibern das 50-jährige Bestehen.

„Ich habe mich richtig gefreut, wieder hier her zu kommen“, sagt der mittlerweile 64-jährige Hein Simons, sonst würde er eher selten auf solche Veranstaltungen gehen. Aber dieser Ort ist für den Schlagersänger mit vielen Erinnerungen verbunden. Wolfgang Roloff war bis 1976 der deutsche Produzent für den Jungen aus den Niederlanden, ein Tüftler im Studio, der auch dem jungen Heintje jede neue technische Möglichkeit nahebrachte. Wieder zwei neue Tonspuren mehr – „kuck mal, was wir jetzt alles machen können, hieß es dann“, erzählt Simon. Um gute Musik zu machen, müsse die Chemie zwischen Musiker und Produzent stimmen.

Einen Hit wie Mama hat der Sänger als Erwachsener nicht wieder gehabt, aber er hat nie aufgehört, zu singen, hat mehr als 22 Studio-Alben aufgenommen, darunter 2017 „Heintje und ich“, in dem er seine eigenen Stücke als Erwachsener mit einsingt. „Das Album hat Goldstatus erreicht“, erzählt Hein Simons stolz. Jetzt kommt sein Album „Lebenslieder“ auf den Markt. Lieder, „die ich immer gut fand, die mich begleitet haben“, singt er und geht auch auf Tour damit, obwohl er nicht mehr so viel machen wollte, sich auch auf seinem Bauernhof im Dreiländereck Belgien/Holland/Deutschland wohlfühle, wo er einen Reitstall betreibe und ihn niemand erkennen würde, wenn er in Arbeitskleidung mit anpacke. Im Publikum säßen aber immer auch viele junge Leute, und ein ehrgeiziger Mensch sei er auch.

Gregor Hennig (von links), Besitzer Peter Roloff, Oliver Sroweleit und Pascal El Sauaf betreiben das Studio Nord.

Gregor Hennig (von links), Besitzer Peter Roloff, Oliver Sroweleit und Pascal El Sauaf betreiben das Studio Nord.

Foto: Fotos: Karsten Klama

Im idyllischen Garten des ältesten, privaten Tonstudios Norddeutschlands sammeln sich immer mehr Gäste zum Jubiläum, Hein Simons muss Interviews geben, ebenso wie Peter Roloff, der Sohn des 2011 verstorbenen Wolfgang Roloff und Besitzer des Studios – „der Hülle“, wie er sagt. Für ihn und seine Mutter habe nach dem Tod des Vaters festgestanden, dass das „Potenzial nicht wegfallen darf“, dass dieser Ort mit dem großen Saal und der Ausstattung von Vintage bis modern erhalten werden soll und die langjährige musikalische Tradition fortgeführt werden muss.

Peter Roloff, der als Filmproduzent, zwischen Berlin und Bremen pendelt, sitzt auf einer Bank neben Wolfgang Börner, mit 89 Jahren der älteste Gast an diesem Tag. Börner, der mit Roloff und Valerie Hück in den 50er-Jahren als Valerie-Trio auftrat, gründete 1959 ein Tonstudio über dem Schweinestall auf dem Jürgenshof und brachte Wolfgang Roloff damit erst auf die Idee zum eigenen Tonstudio, wie Peter Roloff erzählt.

Der Besitzer hat gemeinsam mit den heutigen Betreibern des Studio Nord zum Jubiläum eingeladen, der Rückblick auf 50 Jahre soll gleichzeitig in die Zukunft weisen. Gregor Hennig (45), Oliver Sroweleit (52) und Pascal El Sauaf (38) haben aus verschiedenen Gründen ein Studio in Bremen gesucht und gefunden, „ein riesiger Glücksfall“. Niemand traue sich sonst, ein so großes Studio zu betreiben. Jeder hat eigene Schwerpunkte, aber alle drei schwärmen von dem Ort, der viel Platz bietet, einen Aufnahmeraum mit einzigartigem Klang – „das wird so gar nicht mehr gebaut“ –, den großartigen Möglichkeiten, der idealen Lage. Bremen sei weit weg von den Musikmetropolen, aber das Studio habe einen Ruf, der Musiker aus ganz Deutschland anfragen lasse. Im Obergeschoss des über 100 Jahre alten Gebäudes gibt es eine großzügige Musiker-Wohnung, dazu die technische Ausstattung von klassischer Analogtechnik bis modern digital, die Aufnahmen wie in den Sechzigern ermöglicht. Heinz Rudolf Kunze war schon dort, Bela B., Rhonda oder Die Sterne.

Roloff-Freund Wolfgang Börner (89)

Roloff-Freund Wolfgang Börner (89)

Foto: xxx

Zum 50-jährigen Bestehen eines Tonstudios gehört Livemusik dazu, für die Party am Abend hatten sich unter anderen Johanna Zeul, Joe Astray, Schwester, Glamour & Gloom, Lena Geue, Deniz Jaspersen (Herrenmagazin), Frank Spilker (die Sterne), Bürgermeister der Nacht und DJ Winkhorst Reisen angesagt.

Mehr Informationen und Kontakt über www.studio-nord.net.

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