Wohneinheiten an der Mühle

Oberneulander Beirat stellt sich gegen geplante Bebauung

Die Haltung sämtlicher Fraktionen im Beirat Oberneuland zur geplanten Bebauung eines neun Hektar großen Areals an der Oberneulander Mühle ist eindeutig.
18.07.2018, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Oberneulander Beirat stellt sich gegen geplante Bebauung
Von Jürgen Hinrichs
Oberneulander Beirat stellt sich gegen geplante Bebauung

An der Mühle Oberneuland soll gebaut werden ‒ die geplanten Reihenhäuser lehnt der Beirat aber ab.

Christina Kuhaupt

So nicht, so auf keinen Fall – das ist die Haltung sämtlicher Fraktionen im Beirat Oberneuland zur geplanten Bebauung eines neun Hektar großen Areals an der Oberneulander Mühle. In einem Schreiben, das am Dienstag an die Bauverwaltung gegangen ist, wenden sich die Ortspolitiker vor allem dagegen, dass in ihren Augen extrem verdichtet gebaut werden soll. „Alle Beiratsmitglieder sind sehr irritiert darüber, dass sich die Baudichte von ursprünglich geplanten 70 Wohneinheiten auf nunmehr mindestens 260 Einheiten fast vervierfacht hat“, heißt es in dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt. Ein klares Nein formuliert der Beirat zur Absicht, Reihenhäuser zu bauen, stattdessen sollten bevorzugt Einfamilienhäuser entstehen oder mehr Doppelhäuser. Schließlich wird gefordert, einen Teil der Grundstücke in den freien Verkauf zu geben, sie also nicht allein einem Bauträger zu überlassen.

Eigentümer des größten Teils der Fläche an der Mühle und zugleich Bauträger ist die Bremer Zuhause Beteiligungs GmbH. Als Geschäftsführer der Firma mit der Adresse Am Wall 196 fungieren Marco Bremermann, Dieter Rausch und Peter Sakuth. Die drei Unternehmer sind mit Bauprojekten auch in anderen Teilen der Stadt stark engagiert. Sakuth zum Beispiel, der für die SPD früher im Senat saß und als Vorsitzender der Mandatskommission in seiner Partei immer noch Macht hat, gehört zu den Investoren bei der Gartenstadt Werdersee, die gerade im Bau ist.

Ein Identifikationspunkt für den Stadtteil

So wie bei der Gartenstadt darüber gestritten wird, ob durch die Bebauung der Charakter der näheren Umgebung verloren geht, in diesem Fall von Habenhausen, das mal ein Dorf war – so ist es auch in Oberneuland. „Eine Bebauung mit Reihenhäusern ist untypisch für Oberneuland, gerade in dieser exponierten Lage wollen wir das nicht haben“, erklärt Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Mühle selbst und das Gebiet drumherum seien für den Stadtteil ein Identifikationspunkt. Nichts dagegen, dass dort gebaut werde, aber nicht in dieser Form, betont die CDU-Frau. Sie ist sich darin im Beirat mit der SPD, den Grünen und der FDP einig. Alle Fraktionen haben den Brief unterschrieben und die Verwaltung aufgefordert, die Planung entsprechend zu verändern.

Der Entwurf mit dem Titel „Grüne Mitte“ sieht den Bau von 74 Reihenhäusern vor. Hinzu kommen elf Mehrfamilienhäuser, vier Doppelhäuser und 14 alleinstehende Häuser. 64 Wohnungen werden öffentlich gefördert – der mittlerweile übliche Anteil von einem Viertel, wenn in Bremen Neubaugebiete ausgewiesen werden. Der Blick auf die Mühle soll erhalten bleiben.

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Im vergangenen Monat wurden die Pläne bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt. Die rund 120 Teilnehmer im überfüllten Saal der Oberneulander Kirchengemeinde machten aus ihrem Ärger kein Hehl. Das Vorhaben mit den vielen Reihenhäusern entspreche wegen der Bebauungsdichte nicht dem „Oberneulander Stil“, war aus den Reihen zu hören. Die Bauverwaltung erwiderte bei der Veranstaltung, dass sie dieses Argument nicht nachvollziehen könne, in dem Stadtteil sei nämlich kein durchgehender Stil zu erkennen. Der Beirat nahm die ablehnende Haltung unter den Bürgern auf und entschloss sich jetzt zu einer „fraktionsübergreifenden Meinungsbildung“, wie der Brief an den Bausenator überschrieben ist.

Es bleibt dabei

Die Verwaltung sieht freilich keinen Grund, bei der Bebauung von der geplanten Größenordnung abzurücken. „Das bleibt dabei“, sagt Behördensprecher Jens Tittmann. Man werde im Einzelnen zwar noch einmal genau hingucken, und es könne sein, dass „eine Idee“ weniger dicht bebaut werde, aber im Prinzip solle es in die angekündigte Richtung gehen. „Bremen hat einen angespannten Wohnungsmarkt. Es gibt einen Bedarf insbesondere für junge Familien und Menschen mit geringem Einkommen, den wir in Oberneuland bedienen können“, so Tittmann.

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