Markantes Erkennungszeichen

Oberneulander Sendemast nur noch Schrott

Oberneuland. Oberneuland hat ein markantes Erkennungszeichen weniger. Der Mittelwellen-Sender von Radio Bremen am Holler Deich steht nicht mehr.
30.01.2014, 09:32
Lesedauer: 2 Min
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Von Rainer Kabbert
Oberneulander Sendemast nur noch Schrott

Der Sendemast von Radio Bremen in den Wümme-Wiesen ist nur noch Geschichte.

Holger Nordloh

Oberneuland hat ein markantes Erkennungszeichen weniger. Der Mittelwellen-Sender von Radio Bremen am Holler Deich steht nicht mehr. Anfang Januar wurde mit dem Rückbau begonnen, jetzt ist das Radio-Bremen-Areal in den Wümme-Wiesen plattgewalzt. Im Oktober 1998 war der Sendemast in Betrieb gegangen und belieferte vor allem Autoradios auf der digitalisierten Mittelwelle.

Ein gutes Jahrzehnt hat der 45 Meter hohe Sendemast von Radio Bremen in den Wümme-Wiesen das Programm von „Bremen Eins“ gesendet. Seit März 2010 ist der stählerne Riese abgeschaltet, am 8. Januar wurden nun die Stahltrossen gekappt und der Sendemast aus dem Gleichgewicht gebracht.

Zuvor hatte der Bürgerverein Oberneuland schon „mit großer Freude“ registriert, dass Radio Bremen seinen Sendemast abreißen wollte. Bürgervereins-Vorsitzender Kay Entholt sah in dem technischen Bauwerk eine „Verschandelung der Landschaft“ und erinnert an die Proteste der Bevölkerung in den neunziger Jahren gegen die Errichtung des Sendemastes.

Radio Bremen musste damals erst diverse Bedenken gegen die Anlage ausräumen. Das Ökumenische Gymnasium in der Oberneulander Landstraße etwa befürchtete anfangs Strahlenbelastungen durch den Sendemast. Zudem führten dicke Stromkabel der Anlage über fremdes Gelände, sodass Verhandlungen über Überwegungsrechte mit Anrainern geführt werden mussten – auch mit dem Ökumenischen Gymnasium, das sich mit dem Sender auf eine Entschädigung einigte. Ein Landwirt hatte sogar Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen den Betrieb erhoben.

Allerdings sah sich Radio Bremen auch mit Kritik konfrontiert, als der Oberneulander Sendemast 2010 ausgeknipst wurde – zuerst probeweise, dann endgültig. In der vierwöchigen Testphase hatten sich – so die Pressemitteilung des Senders – rund 200 Hörerinnen und Hörer kritisch zur Abschaltung der sogenannten Reusenantenne für Rundstrahlung geäußert, weil sie Bremen Eins weit außerhalb des Sendegebiets nicht mehr hören könnten.

Nach Ansicht von Radio Bremen war dies eine zu geringe Resonanz, um die Mittelwelle nach der Testphase wieder anzuschalten. Zumal, argumentierte der Sender, die große Mehrheit der Hörerschaft Bremen Eins über UKW und ja auch über Kabel empfangen könne. Zudem würden auch digitale Verbreitungstechniken wie Internet und Satellit bereitstehen.

Fest steht: Die technische Entwicklung ist an dem reichweitenstarken Sender vorbeigerauscht. Die Hoffnungen auf die Mittelwelle als Trägerfrequenz in der digitalisierten Welt haben sich nach Einschätzung von Radio-Bremen-Sprecher Michael Glöckner nicht erfüllt. Die Industrie habe sich von der Mittelwelle entfernt und auf die DAB-Frequenz gesetzt, den Signalen des Digital Audio Broadcasting. Diese Frequenz, vermutet Glöckner, werde wohl auch die Ultrakurzwellen (UKW) ablösen. Die Politik überlege jedenfalls, UKW in nicht weiter Zukunft abzuschalten.

Der Sendemast am Holler Deich hatte also seine Existenzberechtigung verloren. Nun ist er nur noch Schrott. Fünf Tonnen schwer. Die Abbruchkosten werden mit dem Schrottpreis gegengerechnet, wobei Radio Bremen nach Ansicht von Glöckner nicht allzuviel Bares erwarten kann, denn die Verstrebungen des Mastes bringen eher wenig als viel. Die rund sechs Hektar Land, auf der die Anlage stand, sind nun renaturiert und sollen verkauft werden. Allerdings nicht als Bauland, denn das Areal liegt im Naturschutzgebiet.

Vor dem Oberneulander Fall gab es weiter westlich schon einmal einen Umsturz: Vor knapp 14 Jahren wurden in Horn-Lehe ein Mittelwellen- und ein UKW-Sendemast von Radio Bremen gefällt, letzterer mit dem stattlichen Gardemaß von 211 Metern. Seit dem Abbau des Mittelwellen-Sendemastes im Januar 2014 hat Radio Bremen kein eigenes Gelände mit Sendeanlagen mehr: „Jetzt sind wir in punkto Sendemasten nur noch Mieter“, meint Sprecher Michael Glöckner – etwa in Utbremen auf dem Gebäude der Telekom.

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