Stiftungsresidenz Ichon Park

Photohaven stellt in der Reihe „Bremer Exterieurs“ aus

Sehenswert: Photohaven, eine Gruppe von Amateurfotografen stellt in der Reihe „Bremer Exterieurs“ Außenaufnahmen von Bremer Gebäuden aus.
13.04.2018, 08:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Martin Ulrich
Photohaven stellt in der Reihe „Bremer Exterieurs“ aus

Von Alexander Bulmahn stammt dieses Bild zur Fotoausstellung "Bremer Exterieurs in Schwarz-Weiß" von Photohaven.

Alexander Bulmahn

Die guten Nachrichten vorweg. Erstens: Die Ausstellung ist unbedingt sehenswert. Zweitens: Die Stiftungsresidenz Ichon Park wird als offenes Haus geführt, Gäste sind willkommen. Drittens: Der 33er Bus hält praktisch vor der Haustür.

Ausgestellt werden Fotografien, die allesamt von Mitgliedern der Gruppe Photohaven. Das ist ein Zusammenschluss von Amateurfotografen, die mit sehr viel Engagement und Leidenschaft fotografieren. Die Reihe „Bremer Exterieurs“ zeigt Außenaufnahmen von mehr oder weniger bekannten Gebäuden und Installationen in Bremen. Bremer Motive, von den Fotograf*innen von Photohaven entdeckt und individuell ausgelegt.

Es sind einzigartige Betrachtungen ganz alltäglicher Szenen: mal melancholisch, oft humorvoll, aber immer ungewöhnlich. In ihrer Eröffnungsrede der Vernissage würdigt Ute Duwensee, die Kulturvermittlerin der Stiftungsresidenz, die Arbeit der Fotogruppe. Sie sagt: „Photohaven betreibt die Fotografie als intensiv gelebte Leidenschaft.“ „Hinter der Mauer 7“ ist die Adresse des „Rufers“, einer drei Meter hohen Bronzeskulptur von Gerhard Marcks. Sie steht vor den Studios von Radio Bremen und soll die Aufgabe des Rundfunks symbolisieren, nämlich Nachrichten in die Welt hinauszurufen. Die Fotografie zeigt ihn von hinten. Er ruft auf die Weser hinaus. Die Lichtstimmung ist dramatisch, der Wolkenhimmel aufgewühlt. Das Bild hat Fitzi Bodensiek aus der Gete mit einer zweiäugigen Rolleiflex-Kamera analog, im quadratischen Format aufgenommen. Das verleiht ihm den Charme einer klassischen Aufnahme. Im zarten Spiel der Grautöne steht der Rufer im Zentrum des Bildes. Das Schwarz-Weiß hat hier einerseits eine abstrahierende Qualität, andererseits lenkt es den Blick auf den Kern des Bildes, auf seine einfache aber kraftvolle Komposition. Bodensiek sagt: „Durch den Sucher habe ich gelernt, vieles mehr und intensiver wahrzunehmen.“

Im Hemelingen steht ein alter Wasserturm. Wenn man entsprechend steht, sieht man im Hintergrund Flugzeuge, die auf Weg zum Neuenlander Feld sind. Ein Bild zeigt den Turm und ein Flugzeug, dass die Turmspitze mit einer Flügelspitze so zu berühren scheint, als sei das Flugzeug auf den Turm montiert. Ein interessantes Zufallsbild von Ralf Hemke aus Osterholz.

Ein recht klares Bild zeigt den Weser Tower und ein weiteres Gebäude im Vordergrund bei tiefblauem Himmel. Auch dieses Bild ist Schwarz-Weiß. Im Auge des Betrachters entsteht beim Anblick des Himmels dennoch ein tiefes Blau. Helmut Jahn, der Architekt des Hochhauses, dürfte seine Freude an dem Foto haben.

Der Elefant, das 1931 als Reichskolonialehrendenkmal errichtete Backsteindenkmal, heißt heute Antikolonialdenkmal. Es steht im Nelson-Mandela-Park, und wird von den zahlreichen Passanten meist eher beiläufig eines Blickes gewürdigt. Sandra Bulmahn aus der Vahr hat ihn vom Park aus so fotografiert, dass seine steinerne Masse einen interessanten Kontrast zu dem zarten Grün der Bäume bildet.

Der Aussichtsturm am kleinen Stadtwaldsee ist ein weiteres Motiv. Der Fotograf zeigt einen Ausschnitt, der von einer der steinernen Kugeln, die den Säulengang strukturieren, dominiert wird. Das Licht fällt so, dass es dem Motiv Tiefe gibt. Auf die Frage, wie lange er auf das Licht gewartet habe, sagt der Fotograf Werner Gieseke aus Osterholz: „Eigentlich gar nicht. Ich habe insgesamt etwa 25 Fotos gemacht. Dies war das Beste.“ Ein Bild zeigt das Universum in der Spiegelung der Glasfront des Atlantic Hotels.

Ein weiteres Bild zeigt den Fallturm. Hier hat der Fotograf Alexander Bulmahn aus der Vahr zwei Fahnenmasten in der Nähe des Turms durch geschickte Perspektivwahl so positioniert, dass Mast, Fallturm und Mast in einer Reihe stehen und annähernd gleich hoch zu sein scheinen. Die Flaggen selbst hat er durch eine Langzeitbelichtung abstrahiert. So sieht man nur eine unscharfe Grauzone dort, wo die Flagge weht.

An diesem Bild zeigt sich das Wesen der Gruppe Photohaven sehr deutlich. Hervorgegangen ist sie aus dem Fototreff des Medienhaven, eines Unternehmens für Mediengestaltung, Medien-IT, Bildbearbeitung und Reprofotografie. Der Medienhaven zeichnet auch für die exzellenten Fotodrucke der Ausstellung verantwortlich. Die Mitglieder der Gruppe Photohaven treffen sich regelmäßig, zeigen sich ihre Arbeiten und sparen weder mit Lob noch Kritik. Sie lernen voneinander und davon, dass sie sich fotografische Aufgaben stellen und deren Lösungen diskutieren. Jeder lernt durch sein eigenes Bemühen um die Lösung der Aufgabe und von den Lösungen, die die Kollegen präsentieren. Mehr ist unter https://www.photohaven.de/52-wochen/ zu erfahren.

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