Das warten hat ein Ende

Endlich wieder ein Turnier

Nachdem die Wettkämpfe in den vergangenen Monaten ausgefallen sind, eröffnete der RV Hubertus am Wochenende mit seinem Dressurturnier die Saison.
06.07.2020, 14:42
Lesedauer: 4 Min
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Endlich wieder ein Turnier
Von Rebecca Sawicki

Bremen. 18 Grad, bewölkter Himmel, leichter Wind: Die perfekten Bedingungen für ein Reitturnier. Wegen der Pandemie sind Wettkämpfe in den vergangenen Monaten ausgefallen, die Saison startet in diesem Jahr später. So auch beim Reitverein Hubertus in Bremen Oberneuland. Das Dressurturnier am vergangenen Wochenende war das erste in Bremen seit Beginn der Kontaktbeschränkungen.

Ein Turnier unter erschwerten Bedingungen. Eigentlich gibt es bei Außenveranstaltungen des RV Hubertus drei Plätze, auf denen geritten wird: Zwei für Dressurprüfungen, einer für Springreiter. Aber nicht an diesem Wochenende. „Diesmal konnten wir nur ein Viereck einrichten, da nicht zu viele Menschen gleichzeitig hier sein dürfen“, erklärt Caroline Harren. Sie ist die Organisatorin und Sportwartin des RV Hubertus.

100 Zuschauer durften kommen, ganz so viele sind es am Sonnabend nicht gewesen. Sie sitzen in Gruppen um das Viereck, so nennt man den Platz, auf dem die Prüfungen stattfinden, herum. Die Reiter bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit. Bei anderen Turnieren stünden die Zuschauer mehr am Springplatz statt am Dressurviereck, erklärt Inken Tittel vom Pferdesportverband Bremen.

„Wir haben an Himmelfahrt begonnen, das Turnier zu planen. Dass wir überhaupt daran gedacht haben, dass es möglich sein kann, es stattfinden zu lassen, liegt auch an der Größe des Geländes“, sagt Harren. So habe sie zunächst ein Konzept entwickelt, das beinhaltete, dass die Reiter einen anderen Weg auf das Gelände nehmen konnten als wieder herunter. Umgesetzt werden musste dieser Plan dank der Lockerungen nicht. Sie ist an diesem Tag doppelt aufgeregt: einmal wegen der Organisation, einmal, weil ihre Tochter Carlotta an der M**-Dressurprüfung teilnimmt. Die Aufregung der Mutter wird am Ende unbegründet sein, das Turnier läuft glatt und Carlotta wird auf Samantha Fox fünfte.

Dass das Dressurturnier anders ist als ein Wettkampf unter normalen Bedingungen, ist trotzdem auffällig. „Normalerweise gibt es viel mehr Zuschauer, mehr Essensbuden und eine richtige Siegerehrung, bei der die Richter die Schleifen für die Pferde übergeben“, sagt Emily Marie Honermeier. Die 13-Jährige konnte sich ebenso wie Philine Otten für das Bundeschampionat im September qualifizieren. „Die vergangenen Monate waren schon seltsam, aber eigentlich ganz gut, weil ich so richtig Zeit hatte zu trainieren“, sagt Honermeier.

Die gewonnene Zeit, die der verspätete Saisonstart mit sich gebracht hat, war für manche Reiter ein Segen und für andere ein Fluch: „Gerade mit jungen Pferden kann es diese Saison problematisch werden, weil ihnen die Wettkampfroutine fehlt“, erklärt die Pferdetrainerin Birgit Wellhausen. Auf Turnieren gebe es viel zu sehen, viele Faktoren, die die Pferde ablenken können. „Anderen Duos hingegen kann die gewonnene Zeit dabei helfen, sich noch besser aufeinander einzustellen.“

Aber nicht nur für Pferde und Reiter ist die verkürzte Saison eine Herausforderung, sondern auch für die Landesverbände. Diese stellen ihre Auswahl für die Deutschen Jugendmeisterschaften generell durch Sichtungen der Ergebnislisten zusammen. In dieser Saison allerdings gibt es zu wenig Turniere, um so zu verfahren. Deshalb wird die Sichtung erstmals während des Test of Choice durchgeführt. Diesen Test gibt es bei den meisten Wettkämpfen, dort können sich die Reiter prüfen lassen, um eine Rückmeldung zu bekommen, ob sie in der richtigen Klasse starten. Mit einer Sichtung durch den Landesverband ist er allerdings für gewöhnlich nicht verbunden.

„Wir haben die Reiter, die in Frage kommen, ausgewählt und eingeladen“, sagt die Landesbeauftragte für Dressurreiten, Anna Schlensker. „In jeder Altersklasse haben wir einen Platz frei“, erklärt sie. Eingeladen wurden insgesamt sechs Reiter, gekommen sind zwei: Vivienne Lou Petermeier und Merle Schroth. Die anderen mussten wegen Krankheit absagen.

Die beiden jungen Frauen reiten während des Testes die FEI-Mannschaftsaufgabe, eine S*-Dressur für junge Reiter. Für die 21-jährige Petermeier kein Grund zur Aufregung, sie hat reichlich Turniererfahrung und war bereits 2014 Gewinnerin des deutschen Pony-Dressur-Derbys in Hamburg. Merle Schroth hingegen war nie bei Ponywettkämpfen: „Wir haben das Pferd seit acht Jahren. Merle ist immer auf La Speranza geritten“, sagt Gabriele Schroth, die Mutter. Dadurch habe sie erst später begonnen, Wettkampferfahrungen zu sammeln. Die Mütter der beiden jungen Frauen sind am Sichtungstag, wie bei allen anderen Turnieren, mit von der Partie.

„Meine Mutter unterstützt mich sehr, sie fährt mich zu den Wettkämpfen, weil ich keinen Lkw-Führerschein habe, und sie bereitet meine Pferde vor, wenn ich nach der Arbeit nur wenig Zeit habe“, sagt Petermeier. Gabriele Schroth coacht ihre Tochter beim Abreiten via Headset. Merle Schroth sitzt auf La Speranza, geht noch einmal die Figuren der S*-Dressur durch, ihre Mutter steht am Zaun, schaut zu, gibt Tipps.

Am Ende reiten beide Frauen gut. Petermeier sitzt fest im Sattel, hat ihr Pferd unter Kontrolle. Auch Schroth reitet souverän Pirouetten und Traversalen. Eine Entscheidung treffen, wer mit darf zu den deutschen Juniorenmeisterschaften, müssen die Richter an diesem Tag noch nicht. In der kommenden Woche wird es einen zweiten Termin zur Sichtung geben. Ein weiteres Stechen um den Platz in der Landesauswahl.

*In einer früheren Version des Textes stand geschrieben, dass Vivien Lou Petermeier bei den Schrittwechseln ein Fehler unterlief. Dem war allerdings nicht so, weshalb die entsprechende Textstelle entfernt wurde.

Info

Zur Sache

Qualifikationen und Platzierungen

Für die Teilnahme am Bundeschampionat konnten sich am Sonnabend zwei junge Reiterinnen qualifizieren: Die 13-jährige Emily Marie Hoenermeier auf ihrem Pony Kastanienhof Crimson Gold WE und die elfjährige Philine Otten auf dem Pony golden Surprise. Beim Test of Choice und der damit verbundenen Sichtung für die Landesauswahl mussten die Richter noch keine Entscheidung treffen, da es in der kommenden Woche eine weitere Sichtung geben wird. Insgesamt sieben von 21 Teilnehmerinnen wurden bei der M**-Dressurprüfung platziert. Darunter
vier Bremerinnen. Erste wurde Ariane Kuhls
auf Raffaillac vom RV Aller-Weser, Zweitplatzierte wurde Miriam Schulz auf Barabasado. Die Reiterinnen des RV Hubertus, Carlotta Harren auf Samantha Fox und Jette Katharina Brünjes auf Wie hieß er nochmal, wurden fünfte und sechste.

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