Trainer Arambasic erfüllt sein Vorhaben

FC Oberneuland steigt auf

Der Norddeutsche Fußball-Verband bricht die Saison ab und stockt die Regionalliga auf. Auch Atlas Delmenhorst profitiert. Trainer Arambasic freut sich auf die Lokalderbys
23.05.2020, 06:52
Lesedauer: 3 Min
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FC Oberneuland steigt auf
Von Mathias Sonnenberg

Bremen. Es dauerte einige Augenblicke, bis Kristian Arambasic das ganze Ausmaß der Entscheidung bewusst wurde. Er nannte es einen „verhaltenen Jubel“, den er aufgeführt habe, als die Entscheidung des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) bis nach Oberneuland durchsickerte. In der offiziellen Mitteilung heißt es etwas lapidar: „Es wurde einvernehmlich abgestimmt, die aufstiegsberechtigten Mannschaften, die auch für die jeweils nächsthöhere Spielklasse eine Meldung abgegeben haben, aufsteigen zu lassen.“ Für den FC Oberneuland, Tabellenführer der Bremen-Liga, bedeutet dies, dass der Klub in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord spielen wird. Ende Juni muss der NFV-Verbandstag den Beschluss noch offiziell absegnen, aber das gilt als reine Formalie.

„Wir haben uns den Traum nach drei Jahren erfüllt“, sagt Arambasic. Er sei 2017 angetreten beim FCO mit dem klaren Ziel, die Mannschaft spätestens im Sommer 2020 in die vierthöchste Spielklasse in Deutschland zu bringen. Haken dran, Auftrag erfüllt, nun beginnt das, was der Trainer in einem Satz zusammenfasst: „Jetzt geht die ganze Arbeit erst richtig los.“ Dass der Verband jetzt doch schnell eine Entscheidung getroffen habe, sei wertvoll. „Wir haben jetzt genug Zeit, die Sachen auf das richtige Gleis zu bringen.“

Völlig offen ist allerdings, wann und wie die kommende Saison beginnen wird. Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußball-Verbandes (BFV), sagt denn auch: „Die anstehende Saison, von der noch niemand weiß, wann sie startet und wie sie abläuft, wird für alle teilnehmenden Vereine eine Herausforderung werden.“ 22 Mannschaften werden dort spielen, die Klubs erwartet also ein Mammutprogramm. Denkbar ist auch, dass es zwei Staffeln geben wird, um den Spielplan zu entzerren. Um solche Gedankenspiele kümmert sich nun der NFV-Spielausschuss. Auch beim BFV freut man sich über Oberneulands Aufstieg. „Seit klar war, dass der Abbruch ein realistisches Szenario werden wird, haben wir uns hinter den Kulissen immer für einen direkten Aufstieg stark gemacht“, sagt Fecker. „Endlich wird Bremen nun neben dem SV Werder auf der überregionalen Landkarte einen weiteren Verein haben.“

Und dort freut man sich auf attraktive Lokal-­Derbys. Gegen die U 23 von Werder sowieso, aber auch gegen Atlas Delmenhorst, das als zweiter der Oberliga Niedersachsen ebenfalls künftig viertklassig sein wird. „Das werden Hammer-Spiele“, sagt Arambasic, der sich auch auf die Spiele gegen den VfB Oldenburg, SSV Jeddeloh oder auch Altona 93 freut. „22 Teams bedeutet aber auch, dass es mehrere Absteiger geben wird. Für uns wird das ein Überlebenskampf.“

Aber egal, jetzt will der FCO den Aufstieg erst mal feiern – so weit das überhaupt möglich ist. „Eigentlich sehe ich die Jungs erst am Montag beim Training wieder“, meinte der Trainer am Freitag. Feiern sind in Zeiten des Abstands ja ohnehin untersagt, jetzt muss man in Oberneuland so lange warten, bis Präsident Fecker mit der Meisterschale am Vinnenweg vorfährt. Dann werde sich das Meistergefühl noch festigen, glaubt der Trainer. „Denn eigentlich willst du die Schale ja am letzten Spieltag in die Höhe recken und dich freuen.“ Geht aber in diesem Sommer nicht.

In Oberneuland hat Arambasic gestern wieder mit dem Vorstand zusammen gesessen, um die Zukunft zu planen. Das geht schon seit ein paar Wochen so, immer freitags wird drei, vier Stunden lang getagt. Das Ziel ist klar: Der Klub sucht Mittel und Wege, um die Viertklassigkeit finanziell stemmen zu können. An den Vorgaben wird sich nichts ändern: Nur das Geld ausgeben, was auch wirklich eingenommen wird. Was in Oberneuland ja nicht immer so war. Jetzt sucht der Klub neue Partner, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die für die vierte Liga notwendig sind. Ein Großteil der Aufstiegsmannschaft wird auch in der kommenden Saison unter Arambasic spielen. Sein Motto lautet: So viele Bremer Spieler wie möglich im Kader. „Ich möchte, dass die Jungs zu ihrer Heimat stehen, ich will sie moralisch begeistern.“ Es werde wenige, aber gezielte Neuzugänge geben. „Und die müssen dann aber auch sitzen.“

Mit dem Aufstieg will Arambasic den Verein noch fester verankern im Bremer Amateur-Fußball. „Wir haben noch keine große Fan-Kultur hier bei uns, aber das kann sich ändern. Ich kann die Bremer nur bitten: Kommt mit auf die Reise in die Regionalliga. Wir werden wie das gallische Dorf kämpfen und versuchen, uns zu behaupten.“ An der Leidenschaft des Trainers wird es nicht scheitern.

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Zur Sache

ATS Buntentor wird Viertligist

Nicht nur der FC Oberneuland jubelt über den NFV-Beschluss, auch die Verbandsliga-Frauen von ATS Buntenor. Als Tabellenführer wird die Mannschaft ebenfalls in die Regionalliga aufsteigen. Auch für die Bremen-Liga hat der Beschluss Folgen, denn neben Meister OSC Bremerhaven und dem Zweiten KSV Vatan Spor würde mit TuS Komet Arsten auch der Drittplatzierte der Landesliga aufsteigen. Für die Regionalliga wurde ebenfalls beschlossen, dass der VfB Lübeck als Aufsteiger in die 3. Liga gilt. Eine Relegationsrunde zwischen dem Zweitplatzierten VfL Wolfsburg und dem VfB Lübeck, wie von einigen Vereinen in der vergangenen Woche vorgeschlagen, lehnte das NFV-Präsidium einstimmig ab.

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