Stadtteil-Check Oberneuland "Eine Mischung aus Stadt- und Dorfcharakter"

Mit 47 Jahren zog die gebürtige Hessin Christine Bornkeßel aus beruflichen Gründen nach Oberneuland. Und auch jetzt noch, mit 62 Jahren, liebt sie ihren Stadtteil. Verbesserungswünsche hat sie dennoch.
09.09.2022, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Ein gemütliches Abendessen bei „Meyer am Boom“ war es, das Christine Bornkeßel und ihren Mann zu dem Entschluss brachte, im Ruhestand nach Oberneuland ziehen zu wollen. Die 62-Jährige erinnert sich sogar noch an die Gerichte, die ihnen an diesem denkwürdigen Abend serviert wurden: Schnitzel, Hering und Bratkartoffeln. „Ich mochte Norddeutschland schon immer“, erzählt die gebürtige Hessin, deren Weg sie immer wieder mal nach Bremen führte – der Heimatstadt ihres Ehemanns. Und insbesondere Oberneuland habe mit seiner Mischung aus Stadt- und Dorfcharakter all das vereint, was sie sich für einen gelungenen Ruhestand vorgestellt habe.

Doch nicht mit Mitte 60, sondern bereits mit 47 Jahren wurde Bornkeßel unerwartet Oberneulanderin. Ein berufliches Angebot aus der Hansestadt sorgte dafür, dass der Umzug bereits 2007 über die Bühne ging. Die Erwartungen der PR-Beraterin wurden nicht enttäuscht. „Wir haben eine sehr gute Gemeinschaft vorgefunden, in der Nachbarschaftshilfe selbstverständlich ist“, sagt sie. „Anders als in einer Großstadt eigentlich üblich, grüßt man sich in Oberneuland häufig auf der Straße und hält hin und wieder einen kleinen Schnack.“ Ohne eigenes Zutun funktioniere das freilich nicht. „Man muss sich natürlich auch aktiv in die Gemeinschaft einbringen.“

Mangelnde Anbindung an die Innenstadt

So sehr Bornkeßel den dörflichen Charakter ihres Stadtteils schätzt, so sehr bedauert sie auf der anderen Seite die mangelnde Anbindung an die Innenstadt. „Unsere beiden Buslinien führen über Horn-Lehe, wo man in die Straßenbahn umsteigen muss, wenn man ins Zentrum will“, sagt sie. Unterm Strich dauere das fast eine Stunde. „Ich würde mir stattdessen eine direkte Verbindung über die Franz-Schütte-Allee in die Innenstadt wünschen“, betont sie. Aber bezüglich des ÖPNV-Ausbaus tue sich im Stadtteil bislang bekanntlich wenig. „Unsere Parks werden gerne besucht, aber in unsere Infrastruktur wird nicht investiert“, kritisiert die Oberneulanderin.

Auch bezüglich des Ausbaus von Schul- und Kitaplätzen hat Oberneuland im Vergleich mit anderen Stadtteilen immer deutlich mehr zu kämpfen, sagt Bornkeßel. Dasselbe gelte für die Sanierung maroder Straßen und Fahrradwege. Es werde seitens der Stadt oftmals darauf verwiesen, dass andere Stadtteile wirtschaftlich schlechter gestellt und deshalb bevorzugt zu berücksichtigen seien. „Unsere Kinder haben aber ebenso ein Recht auf einen Schulplatz, wie alle anderen“, moniert Bornkeßel. „Spätestens wenn das Mühlenfeld wie geplant bebaut wird, werden die vorhandenen Plätze nicht mehr ausreichen“, prognostiziert sie.

Außenwahrnehmung der Oberneulander

Was die Außenwahrnehmung Oberneulands betrifft, stellt Bornkeßel immer wieder fest, dass diese vor allem von Schlagworten wie Bonzen und Arroganz dominiert werde. „Das betrübt mich sehr, weil es nicht der Realität entspricht“, sagt sie. Sicherlich gebe es im Stadtteil große Grundstücke mit großen Häusern, aber das sei nicht die Regel und mache die Bewohner zudem nicht automatisch zu arroganten Menschen, betont sie.

Wo genau sich das Zentrum ihres Wahlstadtteils befindet, ist aus Sicht von Christine Bornkeßel nicht ganz einfach zu beantworten. Auch wenn sie sich seinerzeit einen anderen Standort für den neuen Nahversorger an der Mühlenfeldstraße gewünscht habe, bemühe sich der Betreiber aktuell sehr darum, auf dem Platz vor dem Supermarkt einen Zentrumscharakter zu schaffen, betont sie. Frage man die Jugendlichen aus dem Stadtteil nach ihrem zentralen Treffpunkt, mache vermutlich das Bistro an der Ecke Rockwinkeler Heer- und Mühlenfeldstraße das Rennen. „Dort hat man einfach einen optimalen Überblick.“ Aber auch das Areal rund um die Kirche werde sicherlich von vielen Oberneulandern als Teil des Zentrums wahrgenommen. Das nördliche Pendant im lang gezogenen Stadtteil sei ihrer Auffassung nach der Kreuzungsbereich an der Apfelallee mit seinen diversen Geschäften und Restaurants.

Förderkreis Overnigelant

Seit drei Jahren engagiert sich Christine Bornkeßel ehrenamtlich beim Förderkreis Overnigelant, deren Vorsitz sie 2019 von Karl-Heinz Müller übernommen hat. Ein Schwerpunkt des Vereins ist die Instandsetzung der Oberneulander Parkanlagen. Die aktuellen Veranstaltungserlöse wie jüngst von „Ein Sonntag im Park“ sollen in die Sanierung von Ikens Park fließen. Die Brücke, die der Förderkreis Overnigelant als eines seiner ersten Projekte im Jahr 1988 restauriert hatte, muss erneuert werden. Da bei der Beschaffung der Denkmalschutz berücksichtigt werden müsse, koste das Unterfangen den Verein rund 35.000 Euro, erzählt Bornkeßel. Mehr Sorge als diese Summe bereite ihr allerdings die mäßig erfolgreiche Nachwuchsakquise des Förderkreises. „Wir sind darauf angewiesen, dass sich auch künftig engagierte Menschen finden, die unseren Verein tatkräftig unterstützen“, sagt sie. Ihre Hoffnung sei, dass vor allem die gut frequentierten Veranstaltungen des Vereins im Nachgang auch das eine oder andere aktive neue Mitglied mit sich bringen.

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