Zum Schutz des Wildnachwuchses

Mit Drohnen Rehkitze aufspüren

Oberneulander Betrieb berichtet dem Landwirtschaftsausschuss – Umweltressort prüft Möglichkeiten
22.07.2020, 16:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Mit Drohnen Rehkitze aufspüren

Kleine Rehkitze auf Wiesen, Kornfeldern oder wie hier im Mais werden beim Mähen der Felder schnell übersehen.

Patrick Pleul

In der kommenden Mähsaison will sich der Beirat Oberneuland für die Rehkitzsuche engagieren – und hofft dabei auf breite Unterstützung und Kooperation. Wie der Wildnachwuchs am effektivsten geschützt werden kann, wurde jetzt im Fachausschuss für Umwelt und Landwirtschaft diskutiert. Anlass für den Tagesordnungspunkt war ein Vorfall in der Osterholzer Feldmark – dort hatte ein Oberneulander Landwirt im Juni – wie berichtet – vier Kitze während der Mahd getötet.

Der Oberneulander Betrieb von Familie Haltermann setzt seit einiger Zeit auf Drohnen, um Rehkitze aufzuspüren, bevor die Wiesen gemäht werden. Der Milchwirtschaftsbetrieb nutzt dabei die Unterstützung der Initiative Rehkitzrettung Fischerhude, die Kontakte zu Drohnenpiloten vermittelt. Diese suchen den Rehnachwuchs mithilfe von Wärmebildkameras – und finden ihn meistens auch

„Das funktioniert hervorragend“, berichtete Karen Haltermann jetzt dem Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Oberneulander Beirats im Rahmen einer Videokonferenz. Zwar gebe es keine hundertprozentige Garantie, aber das Prinzip sei sehr erfolgversprechend, erzählte Haltermann, die auch im Vorstand des Bremischen Landwirtschaftsverbandes sitzt. Über den verbandsnahen gemeinnützigen Verein „Mensch Natur Landwirtschaft“ hoffe sie nun, dass sich die Drohnensuche perspektivisch auch als Verfahren in Bremen etabliert.

Derzeit setze der Verein noch auf ehrenamtliche Helfer, die sich auf seiner Internetseite in eine Freiwilligenliste eintragen und nach Absprache mit dem jeweiligen Jagdpächter die Landwirtschaftsflächen, auf denen eine Mahd ansteht, systematisch nach Rehkitzen absuchen. Ein zeitintensives Unterfangen, das angesichts der vielen großen Flächen kaum noch zu bewerkstelligen sei, so Haltermann.

Im Landwirtschaftsreferat des Umweltressorts habe man sich unlängst am Rande einer anderen Veranstaltung durchaus interessiert an dem Thema gezeigt, berichtete sie dem Ausschuss. Eine Aussage dazu, ob sich das Ressort unterstützend einbringen will, habe es aber nicht gegeben.

Aus dem Fachausschuss für Umwelt und Landwirtschaft gab es fraktionsübergreifende Zustimmung für das geplante Drohnenprojekt. Ausschusssprecher Simon Zeimke (CDU) regte an, sich mit anderen Beiräten zusammenzuschließen, um den Verein bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Derik Eicke (SPD) schlug vor, dass sich die Umweltausschüsse der einzelnen Beiräte mit dem Landwirtschaftsverband an einen Tisch setzen sollten, um gemeinsam das weitere Vorgehen zu planen. Cemal Kocas (Grüne) sprach sich dafür aus, aufgrund ihrer Interessensbekundung auch gleich die Behörde mit ins Boot zu holen, und Uwe Bornkeßel (FDP) erachtete ein Treffen zwischen Landwirten und Bevölkerung unter dem Motto „Bauer trifft Bürger“ für aussichtsreich, um für das Projekt möglichst breite Unterstützung zu bekommen.

Um die Rehkitze auf Bremens landwirtschaftlich genutzten Flächen per Drohne schützen zu können, bräuchte es laut Haltermann insgesamt vier Teams, „mindestens“. Ein Team bestünde aus je einem Piloten und mehreren Helfern, die auf Funkansage des Piloten die Kitze vor Ort mittels einer umgedrehten Wäschewanne vor den Mähmaschinen in Sicherheit brächten.

Ganz billig sei diese Form des Wildschutzes allerdings nicht, sagte Haltermann. Rund 7500 Euro seien für eine Drohne einzurechnen, weitere 1500 Euro für die Ausbildung eines Drohnenpiloten. Zuzüglich Wartungskosten und Aufwandsentschädigungen sei man somit bei rund 10 000 Euro pro Team. Dass es mit nur einem Team für Bremen nicht getan sei, liege nicht nur an der Größe der landwirtschaftlichen Flächen. Die beträgt nach Auskunft des Ressorts insgesamt rund 8500 Hektar – 80 Prozent davon Grünland und 20 Prozent Ackerfläche. Ein weiterer Faktor, der mehrere Teams nötig mache, seien die von der Witterung vorgegebenen engen Zeitfenster für die Mahd, in denen zumeist mehrere Landwirte gleichzeitig mit ihren Maschinen unterwegs seien.

Beim Drohneneinsatz im Hochsommer gebe es zudem eine weitere Einschränkung: Ab etwa 10 Uhr morgens erwärme sich der Boden so stark, dass sich die Kitze mit ihrer Körperwärme für die Wärmebildkameras nicht mehr erkennbar vom Untergrund abheben würden. Entsprechend verkleinere sich das Zeitfenster für die Piloten damit ein weiteres Mal.

Was die Finanzierung für die Drohnensuche betrifft, kann man sich im Fachausschuss eine Beteiligung von Beiratsseite vorstellen. „Möglicherweise wäre ein Drei-Säulen-Modell aus Beirat, Behörde und Landwirten denkbar“, sagte Tamina Kreyenhop (CDU).

Auf Nachfrage des Stadtteil-Kuriers im Umweltressort berichtete Sprecher Jens Tittmann, das Thema werde derzeit „in verschiedene Richtungen geprüft“. Zum einen, inwieweit eine rechtliche Verpflichtung der Landwirte bestehe, Felder und Wiesen vor der Mahd nach Rehkitzen abzusuchen. Zum anderen wolle man sich im Ressort zunächst selbst ein Bild von den Möglichkeiten, Grenzen und Kosten der Suche per Wärmebildkamera machen. Zu diesem Zwecke werde man testweise Drohnen vom Landesamt Geo-Information einsetzen, sagte Tittmann. Auf dieser Grundlage könne man sich dann gegebenenfalls Gedanken über ein Kostenmodell machen. Hieran würde sich das Ressort allenfalls beteiligen, betonte Tittmann. Die Hauptverantwortung bleibe bei den Landwirten.

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