Mühlenfeld in Oberneuland

Weniger Raum zum Wohnen

Stadtentwickler stellen im Beirat überarbeitetes Bauvorhaben an der Rockwinkeler Landstraße vor
29.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Brandstätter

Die Liste der Einwände war lang, als die Baubehörde ihre Wohnbauplanungen für das Mühlenfeld im Sommer 2018 erstmals dem Beirat und den Bürgern des Stadtteils Oberneuland vorstellte. Seitdem hat sich einiges getan. Nicht nur die Pläne wurden geändert, sondern auch die Zuständigkeit innerhalb der Behörde: Das Bauvorhaben an der Rockwinkeler Landstraße wird nicht länger von Stadtplanerin Josefa Weth betreut. Stattdessen stellte Claudia Schulze dem Beirat jetzt die geänderten Planungen vor.

Ein erstes Aufatmen seitens des Beirats war hörbar, als Schulze auf die Dimension des Projekts zu sprechen kam. Während 2018 noch von knapp 250 Wohneinheiten auf dem Gelände rund um die Oberneulander Mühle die Rede war, ging es am vergangenen Dienstagabend nur noch um 198. Zehn weitere könnten allerdings noch auf privaten Flächen im Planungsbereich entstehen, berichtete Schulze.

Die meisten Abstriche haben die Planer bei den Reihenhäusern und beim geförderten Wohnungsbau gemacht. Im Einzelnen verteilen sich die Wohneinheiten jetzt auf zwei statt drei Mehrfamilienhäuser für geförderten Wohnungsbau mit 49 statt vormals 64 Wohneinheiten, drei Mehrfamilienhäuser nördlich der Mühle (44/vormals 48) und fünf Wohnblöcke an der Rockwinkeler Landstraße (39/39). Außerdem sollen auf dem Areal 36 statt 74 Reihenhäuser, 16 Doppelhäuser (vormals vier) und nach wie vor 14 Einfamilienhäuser entstehen. Neu in der Planung ist eine therapeutische Wohneinrichtung für junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen angrenzend an das „Hofmeierhaus“ im Süden des Plangebiets.

Die viel kritisierte, zu schmale Sichtachse von der Rockwinkeler Landstraße zur Mühle wurde von den Stadtplanern ebenfalls überarbeitet. In diesem Punkt habe neben Beirat und Bürgern auch der Denkmalschutz Einspruch erhoben, berichtete Schulze. Der Grünzug zwischen Mühle und Ikensdamm soll deshalb nun an der Einmündung zur Rockwinkeler Landstraße von 40 auf 60 Meter verbreitert werden. Durch die verringerte Bebauung grenze er außerdem direkt an die umliegenden Gärten, was den Grünzug optisch noch einmal erweitere. Rund um die Mühle werde „quasi als Rahmen“ eine großzügige Grünfläche entstehen, die im Entwurf der Behörde als „grüne Mitte“ geführt wird.

Angrenzend an den Grünzug werde außerdem gemäß Ortsgesetz ein Kinderspielplatz von etwa 1400 Quadratmetern Größe entstehen, berichtete Schulze. Der sei dem Wesen nach eigentlich privat, was der Beirat aber von vornherein kritisiert habe. Daher stehe sie inzwischen im Austausch mit dem Sozialressort, aus der Fläche einen öffentlichen Spielplatz zu machen, womit die Zuständigkeit für die Unterhaltung bei Soziales läge, sagte die Stadtplanerin. Ein endgültiges Okay aus dem Ressort habe sie zwar noch nicht, aber es gebe bereits positive Signale.

Optisch sind die Gebäude im geplanten Mühlenfeldquartier derzeit in einheitlicher Klinkeroptik angedacht. „Uns wäre es lieber, die Grundstücke gingen in den freien Verkauf und könnten entsprechend individuell gestaltet werden“, wandte Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop (CDU) ein. Man sei mit dem Investor diesbezüglich im Gespräch, ob alles „aus einem Guss“ sein solle, oder ob es gewisse Gestaltungsspielräume geben soll, erklärte Schulze dazu. Bezüglich des Verkehrs im Quartier teilte sie mit, man habe den Wunsch des Beirats umgesetzt, auf eine Anbindung der Planstraße an den Mühlenweg zu verzichten. Am Ende der Straße sei deshalb jetzt ein Wendehammer mit klappbarem Poller für die Müllfahrzeuge vorgesehen. Auf Nachfrage einer Bürgerin nach Parkmöglichkeiten für die Bewohner der Mehrfamilienhäuser, erklärte sie, dass diese mit Tiefgaragen ausgestattet werden sollen.

Beirat und Bürger äußerten sich im Anschluss an die Präsentation insgesamt recht zufrieden mit der überarbeiteten Planung. Ortsamtsleiter Matthias Kook hob seinerseits die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bauressort hervor. Kritik gab es aus den Reihen des Beirats allerdings in Hinblick auf die ÖPNV-Anbindung des Neubaugebiets. Der Beirat hatte wie berichtet mehrfach darauf gedrängt, dass angesichts des Wohnbauprojekts entweder die Buslinie 33 oder 34 künftig über die Rockwinkeler Landstraße geführt wird. Dort sollte dann – insbesondere für die Schüler der Tobiasschule - die Haltestelle Ikensdamm reaktiviert werden. In diesem Punkt habe ihr die BSAG allerdings eine Absage erteilt, berichtete Schulze. Man wolle die attraktive Anbindung des Bahnhofs an zwei Buslinien beibehalten, habe es geheißen.

Zur Auswirkung der geplanten Bebauung des Mühlenfelds auf den Autoverkehr werde derzeit ein Gutachten erstellt, berichtete Schulze auf eine Bürgernachfrage zur allgemeinen Infrastruktur. Um die Attraktivität des ÖPNV als auch des Radverkehrs zu erhöhen, seien neben 2,50 Meter breiten Fahrradwegen auch 30 öffentliche Fahrradbügel in direkter Nähe zum Bahnhof geplant, sagte die Stadtplanerin. Zusätzlicher Bedarf an Kita-Plätzen entstehe durch das Neubaugebiet nicht. Was das Schulplatzangebot betreffe, stünden noch Gespräche mit dem zuständigen Ressort aus.

Nach ihrem Zeitplan und den nächsten Schritten befragt, erklärte Schulze, dass sie den Bebauungsplan gerne im kommenden Frühjahr fertig für die Auslegung hätte. Ob sich dieser Wunsch realisieren lasse, könne sie zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

Die Präsentation der überarbeiteten Planung ist für die kommenden 14 Tage über die Internetseite des Ortsamtes unter dem Menüpunkt „Sachstand Mühlenfeld“ abrufbar: www. ortsamt-oberneuland.bremen.de

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