Ortsmitte

Wunsch nach Verlässlichkeit

Beirat und Anwohner kritisieren Informationspolitik zum Thema Schulerweiterung. IB stellt Vorkonzeption vor.
07.11.2019, 06:14
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Von Matthias Holthaus

Um die 100 Schüler mehr sind in den kommenden Jahren in Oberneuland zu erwarten, doch die dortige Grundschule platzt aus allen Nähten. Nicht erst seit gestern ist ein Umbau der Grundschule zur Vierzügigkeit, zu einem Standort für „W&E-Klassen“ (Wahrnehmung und Entwicklung) sowie zum Ganztag im Gespräch. In der Sitzung des Beirates Oberneuland im Gemeindehaus der Kirchengemeinde haben Architekten und Vertreterinnen der Senatorin für Kinder und Bildung sowie Immobilien Bremen (IB) nun eine Vorstudie zur angedachten Erweiterung der Schule vorgestellt.

Wobei angesichts der vergangenen Zeit bereits das Wort „Vorstudie“ Verwunderung auslöste: „Wir sind überrascht“, meinte Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop (CDU). „Im November 2018 wurde der Auftrag an Immobilien Bremen gegeben, dann ist nichts passiert. Wir hatten dann vor, uns im Februar 2019 zu treffen, bis Juni haben wir dann nichts gehört. Wir hätten uns gewünscht, Informationen zu erhalten.“ Große Zeiträume seien das angesichts des Umstands, dass in Oberneuland großer Druck herrsche, weil viele Kinder aus den Kitas bald zur Schule gehen sollen: „Bereits 2008 gab es die Forderung nach Vierzügigkeit und Ganztag. Und ich bin entsetzt, dass 1600 Quadratmeter auf den Platz hinkommen sollen. Wir wollten eine Ortsmitte dort haben und mit dieser Studie wird das vom Tisch gewischt.“

Die zuvor vorgestellte Studie wartete mit einer Vielzahl von Optionen auf, wie die künftige Grundschule an diesem Standort aussehen könnte. Die bereits angesprochenen 1600 Quadratmeter beziehen sich dabei auf einen großen Erweiterungsbau für insgesamt acht Klassen, der an der Oberneulander Landstraße stehen soll. Ein schematischer Lageplan der zukünftigen Grundschule wurde von Hans Müller-Hirschmann von der Architektengruppe Rosengart und Partner an die Leinwand gebeamt: Mögliche Standorte der zu errichtenden Gebäude sowie Grundrisse folgten im schnellen Wechsel. Darin zeigte sich auch, dass Mensa und zwei Kitagruppen in einem Gebäude untergebracht werden sollen und dieser Neubau sich zwischen vorhandener Kita und Feuerwehr befinden soll. „Alle Erweiterungen sollen unter Beibehalt der Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr erfolgen“, sagte Müller-Hirschmann. Ein Baumkataster sei erstellt worden, lediglich am Rand des angrenzenden Wäldchens sollen Bäume weichen. Die Qualitäten des Ortes lokalisierte er ebenfalls – das alte Schulhaus in der Backsteinoptik verträgt sich demnach gut mit der Kirche gegenüber und auch die Bäume auf dem Schulgelände passen sich gut in die Umgebung ein. „Es muss qualitative Außenräume geben“, sagte er, und diese Außenräume seien groß genug, „um die vorgeschriebenen Bedarfe von fünf Quadratmeter pro Kind im Außenbereich zu erreichen.“ Auch die vorhandene Turnhalle habe einen städtebaulichen Wert und solle erhalten bleiben, ebenso das Ortsamtsgebäude. Als „Ideenansatz für zukünftige Schritte“ wurde in dieser Vorstudie dann noch an den „Quartiersplatz mit multifunktionaler Nutzung“ gedacht, der als Planspiel auch einen Abbruch der Feuerwehr vorsieht.

Tanja Krey (CDU) zeigte sich ebenfalls überrascht: „Sind die Dinge, die wir über Monate besprochen haben, nun vom Tisch gewischt? Und was ist mit der Verlegung der Feuerwehr?“ Das Thema Freiwillige Feuerwehr sprach anschließend auch Stefan Kraß von den Grünen an: „Ich hätte mich über Alternativen dazu, die Feuerwehr zu verlegen, gefreut.“ „Wir stimmen uns mit dem Innenressort und der Senatskanzlei ab“, sagte Tanja Meyer (IB), „uns ist nicht genannt worden, die Feuerwehr zu verlegen.“ Zumindest sei der Gedanke von der Vorstudie aufgenommen worden.

Tanja Meyer betonte daraufhin, dass noch nichts entscheiden sei: „Was Herr Müller-Hirschmann vorgestellt hat, ist eine städtebauliche Vorkonzeption.“ Dörte Kleemiß aus der Bildungsbehörde sagte daraufhin, sie seien froh, dass der geplante Schulbau auf das Gelände passe. „Wir sind im Zeitplan. Für uns heißt das, im zweiten Quartal 2020 mit konkreten Hochbauplanungen zu beginnen.“

Alexa von Busse (CDU) fragte nach: „Wenn das eine städtebauliche Vorstudie war, was ist dann mit der Machbarkeitsstudie, die im Februar vorliegen sollte?“ Und auch Parteikollege Simon Zeimke zeigte sich ernüchtert, auch deshalb, „weil es keine Möglichkeit gibt, mehrere Varianten durch zu sprechen. Da hätten wir uns diesen Abend ein wenig sparen können.“ Es könne sich noch etwas ändern, meinte Dörte Kleemiß, und es gebe auch noch ein bis zwei Workshops.

Kay Entholt (CDU) sagte daraufhin: „Es gab mehrere Workshops, wo es hieß, das Sinnvollste wäre eine Verlegung der Feuerwehr. Wäre ich in diesen Workshops gewesen, wäre ich jetzt sauer.“ Immobilien Bremen sei nicht Dienstleister des Beirates, sagte IB-Vertreterin Tanja Meyer daraufhin: „Die Aufträge kommen von den Ressorts. Wünsche des Beirates nehmen wir aber gerne an.“ Angesichts des Umstandes, dass die Bildungsbehörde nicht die Verlegung der Feuerwehr beauftragen kann, schlug Stefan Kraß daraufhin ein ressortübergreifendes Gespräch vor.

Matthias Kook wurde abschließend grundsätzlich: „Wenn man über Dinge in Workshops lange spricht und es immer ,Machbarkeitsstudie´ heißt, und wenn dann alles obsolet wird, dann ist das ein Problem, da Glaubwürdigkeit hineinzubekommen.“

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