Habenhauser Kop geht in den Ruhestand 22 Jahre auf den Straßen unterwegs

Bei Alltagsproblemen eine Streifenwagenbesatzung anzusprechen, trauen sich viele Menschen nicht. Dafür braucht es Kops, sagt Hannes Leefers, der während seiner Dienstzeit einiges erlebt hat.
04.02.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel

Nur wenige Menschen kennen Habenhausen wohl so gut wie er: Hannes Leefers. Und dabei lebt der 63-Jährige nicht mal dort, sondern wohnt seit seiner Kindheit in Bruchhausen-Vilsen. Leefers war mehr als 40 Jahre bei der Polizei und mehr als die Hälfte davon als Kontaktpolizist auf den Straßen unterwegs.

Den Bewohnern fühlt er sich verbunden. „Der Bürger entschied, wann ich zum Dienst komme, nicht der Dienstvorgesetzte“, stellt er unumwunden klar. Seit Kurzem ist Leefers nun im Ruhestand.

Im Sommer 1999 nahm er den Posten an und gehörte damit zu den ersten Kontaktpolizisten, auch Kops genannt, die in Bremen ihren Dienst antraten. Er ebnete sozusagen den Weg für zahlreiche seiner Kollegen, die es ihm im Laufe der Jahre gleich taten. „Anfangs hießen wir intern Streichelpolizisten, aber im Laufe der Zeit lernten alle unsere Szenekenntnis zu schätzen“, meint er.

Ausbildung bei der Polizei 1974

Erste berufliche Verbindungen in den Bereich links der Weser hatte Leefers schon vorher. „Ich gehörte seit Ende 1978 zu den Einsatzzügen am damaligen 10. Revier“, erinnert er sich an eine seiner ersten Stationen nach der Ausbildung, die er 1974 begonnen hatte. Das brachte Vorteile: „Ohne Vorkenntnisse braucht man fünf Jahre, um sich so auszukennen, wie es nötig ist.“ Und damit meint er nicht nur die Ortskenntnis, sondern auch das Vertrauensverhältnis zu den Menschen im Stadtteil.

„Das ist schon ein Traum, es war eine tolle Zeit, in der ich viel Offenheit und Ehrlichkeit erlebt habe“, blickt er zurück – und er ist bekannt wie ein bunter Hund. „Kollegen, die mich im Stadtteil begleiteten, meinten nicht selten, dass ich eigentlich mehr als zwei Arme bräuchte, um allen zu winken, die mich grüßen.“ Ihm hat diese Bekanntheit nie zugesetzt. „Das war nie ein Job, das war schon immer eine Berufung für mich.“

Aufgrund der langen Zeitspanne seiner Tätigkeit, traf er bei seiner Arbeit an den Schulen manchmal auch auf Kinder von Eltern, die er im Zuge seiner Besuche in jungen Jahren kennengelernt hat. Das waren freudige Ereignisse. Hin und wieder musste er aber auch Kraft seines Amtes Grenzen setzen. Manche nahmen ihm das übel, für andere war es offenbar ein Glücksfall. „Ich traf auf einem Fest einen jungen Mann, der war mir schlichtweg dankbar, dass ich ihm geholfen habe, auf den rechten Weg zurückzufinden. Das freut mich, man hatte einen positiven Einfluss.“ Den konnte er am besten entfalten, wenn er allein unterwegs war.

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„Es ist nicht gut, wenn der Kop oft mit anderen Polizisten durch den Stadtteil geht. Die Bürger sprechen Gruppen von Polizisten auf der Straße oder auch im Streifenwagen deutlich seltener wegen Alltagsproblemen oder auch Kleinigkeiten zu kriminellen Vorfällen an. Hierzu gibt es auch Studien, es braucht für viele schier akute Lebensgefahr, um eine Streifenwagenbesatzung anzuhalten.“

Nicht oft, aber doch ab und zu musste er allerdings auch mal unerkannt bleiben: „Manchmal ging man Hinweisen nach, da hieß es dann: Perücke auf, Zivilklamotten an und Zigarette in den Mund.“ So verkleidet, sagt er, hätte er sich trotz seiner Bekanntheit meist problemlos im Stadtteil bewegen und das Geschehen beobachten können.

Was Kontaktpolizisten machen

„Ich habe Polizist von der Pike an gelernt“, sagt Leefers nicht ohne Stolz. Und auch als Kop sei man halt Polizist. Aber richtige Verhaftungen mit Einsatz von „Knebeln, Handschellen und allem, was dazu gehört“, habe er nur sehr selten gehabt. „Die direkte Festnahme machen meist Kollegen.“ Ein Kop füllt für die Menschen auf der Straße eher die Rolle des Freund und Helfers aus.

Intern unterstützen Kontaktpolizisten in erster Linie mit ihren besonderen Szenekenntnissen. „Wir geben viel an Kollegen weiter, die sich dann um alles Weitere kümmern.“ So kam es — auch dank gezielten Teameinsatzes — oft zu Erfolgen, sagt Leefers: „Als wir als Polizei noch etwas schlagfertiger waren, haben wir uns auch schon mal gemeinsam einige Nächte um die Ohren geschlagen, um eine Autoaufbruchserie zu beenden.“ Ein anderes Beispiel aus der polizeilichen Praxis ist die Baader-Meinhof-Zeit, wie Leefers sagt, während derer Kontaktpolizisten Hinweise zu „konspirativen Wohnungen“ an die Ermittler weitergegeben haben.

Das solle aber nicht heißen, dass Kops wandelnde Agenten seien, die versuchten, alle möglichen Informationen aus den ihnen vertrauten Bürgern zu kitzeln: „Wir wollen keine Spione sein.“ So sei mit ihm ein Vier-Augen-Gespräch allzeit möglich gewesen, aber auch ihm sei es viele Male passiert, das diese einen Punkt erreichten, an dem er sich verpflichtet sah, zu intervenieren. „Stopp, ich muss dir jetzt sagen, dass du dich selbst nicht belasten musst“, habe er dann gesagt.

Kops geben Informationen weiter

Der Job erfordert eine gewisse Vertraulichkeit, aber zum Mitwisser krimineller Aktivitäten darf ein Beamter nicht werden. In letzter Instanz sei er natürlich dazu verpflichtet gewesen, alle erhaltenen Informationen mit Bezug auf eine Straftat weiterzuleiten, stellt Leefers klar. Ein Kop ist eben kein Anwalt oder Pastor, sondern ein Polizist mit dem Nebenjob nach der Art eines Sozialarbeiters.

Seine aktive Zeit bei der Polizei ist seit Kurzem vorbei. Mehr als 40 Jahre war er im Dienst, 22 Jahre als Kop. Zeit, für den Privatmensch Leefers, Bilanz zu ziehen. „Die Arbeit werde ich nicht vermissen. Die Leute werde ich vermissen. Und wenn ich durch den Stadtteil gehe, werden Probleme dort noch lange Zeit irgendwie ein bisschen auch meine sein.“ Das Loslassen fällt nicht ganz leicht, aber das bedeutet nicht, dass er sich künftig noch einmischen will. „Von nun an sind es in erster Linie Markus Korns Angelegenheiten“, sagt Leefers über seinen Nachfolger.

Habenhausen wird er auch in Zukunft erhalten bleiben. „Mit der Zeit ist man Mitglied in dem einen oder anderen Verein geworden oder vielen Organisationen eng verbunden.“ Allein deshalb werde er alle 14 Tage sicherlich vor Ort sein.

Info

Zur Sache

Gut vernetzt im Stadtteil

Ein Kontaktpolizist, auch Kop genannt, ist Ansprechperson für Bürger im Stadtteil. Kontaktpolizisten gehen nicht nur täglich Streife, sondern sollen engen Kontakt zu den verschiedenen Organisationen in ihrem Bezirk halten, um am Puls der Gemeinschaft zu sein. Was für Probleme gibt es? Wo muss man unterstützen? Diese und viele andere Fragen rund um die Situation vor Ort beherrschen den Arbeitsalltag. In dieser Rolle sind sie aber auch wichtige Informanten für ihre Kollegen aus den anderen Abteilungen der Polizei, die sie mit ihrem Wissen unterstützen. Zudem bieten Kontaktpolizisten auch Präventions- und Lehrveranstaltungen in Schulen und Altersheimen an. Hier kann es beispielsweise um Gewaltprävention oder die Aufklärung von Senioren zum Schutz vor Betrügern gehen.

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